Gesundheitspolitik

Psychische Krankheiten beeinträchtigen den Menschen ebenso wie körperliche Krankheiten. Vermutlich in Folge der jahrhundertelangen Stigmatisierung psychisch Kranker und damit einhergehend einer Geringschätzung der Bedeutung psychischer Krankheiten ist das Gesundheitswesen immer noch einseitig auf die Erkennung und Behandlung körperlicher Krankheiten ausgerichtet. Nur sechs Prozent der Ausgaben in Deutschland werden für psychotherapeutische und psychiatrische Behandlung ausgegeben. Immer mehr Geld fließt in die Medizintechnik, somatische Medizin, und auch die Ausgaben für Medikamente steigen Jahr für Jahr.

Psychische Krankheiten in Deutschland und in anderen europäischen Ländern nehmen zu. Sie werden diagnostisch besser erkannt als früher. Die Arbeitsunfähigkeitszeiten durch psychische Krankheiten sind besonders lang und kostenträchtig. Psychische Krankheiten sind ein häufiger Grund für Frühberentungen. Der volkswirtschaftliche Schaden übertrifft bei weitem die Kosten für die erforderliche Behandlung.

Das deutsche Gesundheitswesen ist auf diese Entwicklung nicht ausreichend eingestellt.

Obwohl das Psychotherapeutengesetz von 1999 im Verhältnis zu früher eine wesentliche Verbesserung der Versorgung bewirkt hat, sind die Behandlungsmöglichkeiten nach wie vor durch ungünstige strukturelle und finanzielle Regelungen eingeschränkt.

Hier setzt die Arbeit der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung an. Der Verband macht es sich zur Aufgabe, den Einfluss der Psychotherapeuten (Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) und die Bedeutung der Psychotherapie zu stärken. Dabei sehen wir uns insbesondere der Weiterentwicklung des Berufsstandes und des Fachgebietes Psychotherapie, dies unter Berücksichtigung der Besonderheiten psychotherapeutischer Verfahren und Tätigkeitsfelder, verpflichtet.

Der Verband vertritt demnach die Interessen seiner Mitglieder gegenüber dem Gesetzgeber, den Kostenträgern, gesetzlichen Körperschaften, Behörden, Institutionen und Verbänden sowie in den Organen der Selbstverwaltung und in der Öffentlichkeit.

 

Um die Gesundheitspolitik mitgestalten und die Psychotherapie im deutschen Gesundheitswesen stärken zu können, bezieht der Verband in Stellungnahmen und Pressemitteilungen zu zentralen Themen und Problemfeldern des Bereichs Psychotherapie Stellung.

Grundlage unseres Verbandes ist das berufspolitische Programm der DPtV und die Gesundheitspolitischen Standpunkte zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung im deutschen Gesundheitswesen (Nov. 2016) in dem der Verband seine Ziele und Forderungen formuliert und sich äußert zu vielen strittigen Fragen aus dem Gesundheitswesen, z. B. Verhältnis des Verbandes zum Kollektivvertragssystem und Befugniserweiterung. Und weil sich das Gesundheitswesen dynamisch wie kaum ein anderer Bereich der Gesellschaft weiter entwickelt und weil Gesundheitsreformen alle paar Jahre grundlegende Änderungen hervorbringen, ist die Diskussion unserer inhaltlichen Positionen kein abgeschlossener Prozess. Wir freuen uns, wenn Sie unser Programm zu weiteren Diskussionen anregt.