Pressemitteilung 05/2010

30.09.10

Forscher der Universität Leipzig belegen: Ambulanter Psychotherapie wird aus Patientensicht hohe Effizienz bescheinigt

Patienten stellen Psychotherapeuten hervorragende Beurteilungen aus! Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung ist weiterhin notwendig


Berlin, 30.09.2010. Im Rahmen einer deutschlandweiten repräsentativen Erhebung durch die Universität Leipzig wurden 1.212 Patientinnen und Patienten in standardisierten Telefoninterviews zu ihren Erfahrungen mit ambulanter Psychotherapie befragt. Neben den Behandlungsanlässen, Behandlungsformen und der Behandlungsdauer wurden auch die Einschätzungen der Patienten zur Wirksamkeit und zum Behandlungsergebnis der ambulanten Psychotherapie erfasst. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) begrüßt diese umfassende Forschungsarbeit außerordentlich. Damit werden Realitäten, über die bisher nur gemutmaßt werden konnte, endlich anhand valider Daten sichtbar gemacht.  

 

Über 80 Prozent der befragten Patientinnen und Patienten beschrieben die eigene seelische Verfassung zu Beginn der Therapie als „sehr schlecht“ und „schlecht“. Dass viele der Befragten gleichzeitig von weiteren Problemen berichteten, gibt Hinweise darauf, dass psychische Erkrankungen vielfältige Auswirkungen auf weitere Lebensbereiche haben – nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für die Familien und das soziale Umfeld und nicht zuletzt auch bezüglich der Arbeitsproduktivität.  

 

Die Studienteilnehmer gaben an, durch die Therapie ein hohes Maß an Besserung bei allen Beschwerden und Problemen erreicht zu haben und schätzten ihre ambulante Psychotherapie als sehr wirksam ein. Ihren Psychotherapeuten stellten sie hervorragende Beurteilungen aus (89 Prozent der Befragten äußerten sich „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit ihrem Therapeuten) und waren in hohem Maße zufrieden mit den durch die psychotherapeutische Behandlung erzielten Veränderungen. Die „Besserungsraten“ („viel“ und „etwas besser“) bezüglich der Beschwerden zu Therapiebeginn betrugen fast in allen Bereichen über 50 Prozent. Die Besserungen bezogen sich dabei nicht nur auf die Hauptbeschwerden (wie Depressionen, Panikattacken, generelle Ängste, Suizidalität, Magersucht oder Ess-Brech-Sucht), sondern auch auf die Krankheitsbewältigung somatischer Erkrankungen und weitere Lebensbereiche. So gab etwa die Hälfte der Befragten an, dass sich durch die Psychotherapie ihre Arbeitsfähigkeit und Arbeitsproduktivität gebessert habe.  

 

Die Untersuchung bekräftigt einen weiteren gesundheitspolitisch gewünschten Effekt: Die Studienteilnehmer nahmen im Ergebnis ihrer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung wesentlich seltener Krankschreibungen und weniger Termine bei anderen Behandlern in Anspruch. „Diese repräsentative Studie bestätigt damit das hohe qualitative Niveau der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland und zeigt, dass Psychotherapie als wichtige Säule des deutschen Gesundheitssystems aus Patientensicht wirksam und effizient ist“, betont Dipl.-Psych. Dieter Best, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV).  

 

Die Ergebnisse verdeutlichen zum einen den bekannten, hohen Bedarf an fachgerechter psychotherapeutischer Versorgung, ergeben aber auch Hinweise auf eine Unterversorgung anhand der Zugangswege zu ambulanter Psychotherapie: Patienten wurden von ihren hausärztlichen und psychiatrischen Behandlern, die häufig erste Ansprechpartner bei psychischen Erkrankungen waren, nur unzureichend „im System weitergeleitet“. Die offensichtlich bestehenden positiven Arzt-Patient-Beziehungen, in denen psychische Probleme angesprochen wurden, könnten stärker als Ressourcen für eine frühzeitige Indikation fachgerechter psychotherapeutischer Behandlung genutzt werden. Unberührt davon bleibt der hohe Stellenwert des Erstzugangsrechtes zur Psychotherapie, das beibehalten werden muss.    

 

Die Versorgungsforschung zur Behandlung psychischer Krankheiten wird in der Psychiatrie ganz überwiegend von der Pharmaindustrie unterstützt. In der Psychotherapie stehen solche Mittel nicht zur Verfügung, weil die Pharmaindustrie daran kein Interesse hat. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung fordert deshalb die gesetzliche Förderung der Versorgungsforschung in Bereichen, in denen – wie bei der Psychotherapie - keine Forschung durch die Industrie erfolgt.

 

Die Auswertung der Studie in Zahlen finden Sie hier.

 

 

Ansprechpartner:

 

Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV)
Ursula-Anne Ochel, Tel.: 030 – 3230 4270 oder 0171 – 322 43 46
E-Mail: Psychotherapeuten_dptv_presse@t-online.de
 
Prof. Dr. Cornelia Albani
SINOVA-Kliniken Verbund des Zentrums für Psychiatrie Südwürttemberg
E-Mail: cornelia.albani@schussental-klinik.de
 
Prof. Dr. Elmar Brähler
Universitätsklinikum Leipzig
Selbstständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
E-Mail: elmar.brähler@medizin.uni-leipzig.de