Selbstschädigendes Verhalten: Mädchen häufiger betroffen

24.07.10

Die europaweite SEYLE-Studie will die Häufigkeit selbstschädigender Verhaltensweisen bei Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen (14 - 16 Jahre) erfassen. Präventionsangebote werden auf Wirksamkeit überprüft.

Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren zeigen deutlich häufiger psychische Auffälligkeiten als Jungen dieser Altersgruppe. Ein Drittel der Mädchen - von insgesamt rund 1400 untersuchten deutschen Schülerinnen und Schülern – hatte sich z.B. schon einmal absichtlich Schnittwunden zugefügt; 18 Prozent sogar häufiger. Von den Jungen zeigten nur 8 Prozent dieses selbstverletzende Verhalten.

 

Bei den Jungen stehen Alkohol und Drogen bei den selbstschädigenden Verhaltensweisen an erster Stelle. 15 Prozent gaben Drogenerfahrungen an und 12 Prozent trinken Alkohol ein oder mehrmals pro Woche. Bezogen auf leichtsinniges Verhalten unter Alkoholeinfluss unterscheiden sich die Geschlechter nicht. Jeweils 20 Prozent der befragten Jungen und Mädchen gaben an, bereits einmal mit einem alkoholisierten Fahrer mitgefahren zu sein.

Während ebenfalls ein Drittel der befragten Schülerinnen angab, schon unter Depressionen gelitten zu haben und 15 Prozent über Suizidgedanken berichteten, waren es von den Schülern wiederum nur 8 Prozent die daran dachten freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Doch es bleibt nicht nur bei dem Gedanken an den Freitod: 1,2 Prozent der befragten Mädchen gaben an, in den Wochen vor der Befragung einen konkreten Suizidversuch begangen zu haben.

 

Diese Zahlen sind nicht nur ein deutsches Problem: "Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen in Europa", so Prof. Dr. med. Franz Resch, Direktor der Heidelberger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (Zentrum für Psychosoziale Medizin). Resch und sein Team aus Psychologen und Ärzten sind für die deutsche Stichprobe der Studie „Saving and Empowering Young Lives in Europe (SEYLE) – Gesundheitsförderung durch Prävention von riskanten und selbstschädigenden Verhaltensweisen“ zuständig. In 10 weiteren EU-Staaten sollen dabei insgesamt 11.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren (9. Klasse) untersucht werden. Die Federführung liegt beim Karolinska-Institut in Stockholm.

 

Die Studie dient nicht nur der Erfassung des Gesundheitszustands der jungen europäischen Generation, ihr primäres Ziel ist die Erprobung präventiver Konzepte, die in Kooperation mit den ambulanten regionalen Versorgungseinrichtungen und Therapeuten angeboten werden sollen. Je nach Zielrichtung sollen insgesamt vier Maßnahmen auf ihre Eignung untersucht werden. Diese reichen von der minimalen Intervention, d.h. dem Aufhängen von Postern über selbstschädigendes Verhalten in den Klassenräumen, dem „Gatekeeper“-Training, basierend auf der Schulung von Lehrern im Erkennen auffälliger Schülerinnen und Schüler, über die Sensibilisierung der Schüler und Schülerinnen für die Wahrnehmung eigener Gefühle und Bedürfnisse, bis hin zum „Screening“, dem gezielten Angebot von Hilfsmaßnahmen für auffällige Schülerinnen und Schüler. Die Studie läuft noch bis zum Januar 2011

 

Weitere Informationen zur SEYLE-Studie: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Seyle.114370.0.html