Volkswirtschaftliche Kosten psychischer Erkrankungen
9.01.10
Nach Kreislauferkrankungen und Krankheiten des Verdauungssystems verursachen psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen volkswirtschaftlich die meisten Kosten. Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Heft 48 – Krankheitskosten - erschienen
Mit Krankheitskosten von insgesamt rund 26,7 Milliarden Euro (11,3 %) lagen im Jahr 2006 psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen auf Rang drei der für die deutsche Volkswirtschaft kostenintensivsten Erkrankungen. Alle durch Krankheiten verursachten Kostenfaktoren inklusive, waren es insgesamt 236 Milliarden Euro die volkswirtschaftlich zu Buche schlugen. Bei den psychischen Erkrankungen folgen auf die durch Demenz (3,7 %) die durch Depressionen verursachten Kosten (2,0%).
Hatte man im Gesundheitsbericht des Jahres 2006 noch zugegeben, die Häufigkeit psychischer Erkrankungen lange unterschätzt zu haben, sprechen die im aktuell erschienen Bericht vorliegenden Zahlen für sich. Weltweit gelten Depressionen inzwischen als eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Gleichzeitig nehmen alle Formen psychischer Erkrankungen zu. 12% der Weltbevölkerung und 20% der Europäer leiden bereits unter den Belastungen einer psychischen Erkrankung, so die „Global Burden of Disease Study 2000“.
Die Konsequenzen sind schwerwiegend: Zwischen 40% und 70% aller Suizide sind – je nach Studie - auf Depressionen zurückzuführen.
Von den Krankheiten, die weltweit die meisten DALYs (Disability Adjusted Life Years) verursachen, belegen die unipolaren Depressionen bei Frauen den vierten und bei Männern den siebten Platz.
In Deutschland gingen 2006 bei der erwerbstätigen Bevölkerung im Alter von 15 – 64 Jahren insgesamt ca. 4 Millionen Erwerbstätigkeitsjahre krankheitsbedingt durch Arbeistunfähigkeit, Invalidität oder frühzeitigen Tod verloren. Auf das Konto von nur 3 Krankheitsklassen geht allein die Hälfte (50,2%) dieser Ausfälle. Hinter Verletzungen und Vergiftungen nehmen psychische und Verhaltensstörungen in dieser Dreiergruppe noch vor Neubildungen (Krebserkrankungen) den zweiten Platz ein.
Persönliche Tragik und volkswirtschaftliche Kosten durch Ressourcenverlust treffen sich dabei. Psychische und Verhaltensstörungen waren in Deutschland 2006 für Invalidität –(dauerhaftem krankheitsbedingter Arbeitsausfall) an erster Stelle (11,3 %), noch vor Verletzungen und Vergiftungen (11,0 %) sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen (3,8 %) verantwortlich.
Quelle: Robert Koch-Institut (Hrsg.); Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Heft 48 – Krankheitskosten; RKI Berlin
Der Bericicht kann schriftlich kostenlos bestellt werden (Robert Koch-Institut, GBE, General-Pape-Straße 62, 12101 Berlin, E-Mail: gbe@rki.de , Fax: 030-18754-3513), oder im Internet unter www.rki.de als pdf-Datei heruntergeladen werden.


