Veranstaltung des bvvp Bayern zur TK-Studie

Zum 15-jährigen Bestehen lud der bvvp Bayern zu einer Podiumsdiskussion über die Ergebnisse der TK Studie ein. Wir haben für Sie ein paar Argumente der spannenden Diskussion zusammengefasst. Das Podium war mit folgenden Personen besetzt:

  • Franz Bachl, ein Vertreter der AOK-Bayern   
  • Dr. Birgit Clever, die Bundesvorsitzende des bvvp
  • Prof. Dr. Carl Scheidt, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates der TK-Studie
  • Andreas Vogt, der Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg
  • Dipl.-Psych. Benedikt Waldherr, der Vorsitzende des bvvp Bayern
  • Dipl.-Psych. Jochen Weidhaas, stellvertretender Bundesvorsitzender der DPtV und Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Der Schwerpunkt der Diskussion lag vor allem auf dem bestehenden Gutachterverfahren. Während Frau Clever gleich zu Anfang provokativ die Frage in den Raum warf, dass man doch nun aufgrund der guten Ergebnisse der TK-Studie auf Monitoring und Gutachterverfahren verzichten könne, machte Herr Weidhaas nochmals die Funktion des Gutachterverfahrens deutlich. Er betonte die gesetzliche Aufgabe der Qualitätssicherung in der vertragsärztlichen Versorgung und merkte an, dass durch das Gutachterverfahren eine vorgezogene Wirtschaftlichkeitsprüfung stattfinde und damit nachträgliche Regressansprüche verhindert würden. Sein Plädoyer am Ende der Diskussion: Entwicklung eines Evaluationsverfahrens zur differenzierten Einzelfallbewertung.

Professor Scheidt hinterfragte in seinem Redebeitrag die 100% Einzelfallevaluation, die aus seiner Sicht aufgrund der guten Studienergebnisse auch durch Stichproben für die Begutachtung ersetzt werden könnten. Dabei betonte er nochmals die durch die Studie bestätigte hohe Wirksamkeit der Psychotherapie. Effektstärken von ca. 1,0, wie in der TK-Studie, unabhängig von der Art der Qualitätssicherung, seien in der somatischen Medizin die große Ausnahme. Ergänzend machte Frau Clever das Publikum nochmal aufmerksam, dass aus ihrer Sicht in keinem anderen somatischen Bereich eine 100% Einzelfallprüfung wie in der Psychotherapie vorgenommen werde.

Benedikt Waldherr betonte neben der Belastung durch das Gutachterverfahren auch die möglichen positiven Effekte. Durch die Berichte sei man nochmal mehr gezwungen sein Vorgehen zu reflektieren. Angestoßen durch einen Publikumsbeitrag fand er die Idee einer Wahlmöglichkeit für Qualitätssicherung über das herkömmliche Gutachterverfahren oder über eine Art Qualitätsmonitoring interessant.

Andreas Vogt führte in der lebendigen Diskussion kritisch an, dass zum einen die Psychotherapierichtlinie das Gutachterverfahren noch vorschreibe, zum anderen aber auch der Trend insgesamt zu mehr Transparenz und Dokumentation gehe. Somit könne er sich nicht, bezogen auf die Aussage von Frau Clever, vorstellen, dass grundsätzlich auf eine Begutachtung oder Qualitätssicherung verzichtet würde.

Herr Bachl steuerte bei, dass angestoßen durch die Ergebnisse der TK-Studie die Kassenvertreter begonnen hätten untereinander zu diskutieren, was man an dem Gutachterverfahren verbessern könne.

Auch das Publikum diskutierte eifrig mit, neben allgemeiner Frustration über den hohen Aufwand und die schlechte Bezahlung bei Antragsstellung, wurden auch die enge Taktung der Bewilligungsschritte bei TP und VT kritisiert. Auch Bedenken gegenüber Datensicherheit und Datenmissbrauch bei Qualitätsmonitoringverfahren wurden geäußert. Mehrere Wortmeldungen betonten den Wunsch an die Gutachter, wenn schon Gutachten dann doch wenigstens gezieltere Rückmeldungen zu bekommen und damit eine Form des Supervisionsprozesses zu erzielen. In diesem Zusammenhang wurden Vorschläge bezüglich eines Qualitätsmonitorings für Gutachter laut.

Die Anzahl der Teilnehmer und Wortmeldungen zeigt aus meiner Sicht deutlich  den Wunsch nach mehr Diskussion über mögliche Veränderungen und deren Implikationen beim bestehenden Gutachterverfahren.

Ilka Heunemann

 

Barmer Ersatzkasse weicht Gutachterverfahren auf?

Immer wieder haben wir in den letzten Wochen von KollegInnen gehört, dass die Barmer Krankenkasse bei Beantragung geringer Therapiekontingente keine schriftlichen Anträge für den Gutachter mehr fordert und diese ohne Gutachterverfahren bewilligt. Wir haben zurzeit noch keine offizielle Bestätigung von der Barmer Ersatzkasse erhalten, können dies also offiziell noch nicht bestätigen. Trotzdem möchten wir Sie dazu ermuntern, vor der Antragsstellung bei der Barmer anzufragen, ob ein schriftlicher ausführlicher Antrag für den Gutachter notwendig ist.
Ilka Heunemann

 

Bericht von der Veranstaltung zum TK-Modellprojekt am 22.6.2011 in Frankfurt

Die Techniker Krankenkasse hatte alle teilnehmenden Psychotherapeuten zu einer abschließenden Informationsveranstaltung zum TK-Modellprojekt eingeladen. Insgesamt kamen nur wenige Psychotherapeuten, interessanterweise vor allem diejenigen, die schon immer Gegner dieses Modell-Projektes waren.
Zur Erinnerung: Es ging bei dem Modellprojekt um die Entwicklung eines testgestützten Qualitätssicherungssystems und dessen Vergleich mit dem traditionellen Gutachterverfahren in der ambulanten Psychotherapie. Wir als DPtV (damals noch als Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten und Deutscher Psychotherapeutenverband) hatten das Modellprojekt unterstützt und in den Gremien der KV Hessen und unter den niedergelassenen Psychotherapeuten für eine Teilnahme geworben, weil wir eine Alternative zum Gutachterverfahren ausprobieren wollten. Zudem waren wir sicher, dass wir mit diesem Modellprojekt eine gute Ergebnisqualität der ambulanten Psychotherapie nachweisen können.
Dr. Ruprecht, der Projektbeauftragte der Techniker Krankenkasse, leitete die Veranstaltung und die Evaluatoren Prof. Dr. Wittmann und Prof. Dr. Lutz stellten die wesentlichen Ergebnisse vor.
Es kam dabei heraus, dass

  • bei den meisten Patienten, die in die psychotherapeutische Praxis kommen, eine mittelgradige bis schwere psychische Beeinträchtigung vorliegt, d.h. die Patienten sind tatsächlich krank.
  • Psychotherapie für diese Patienten eine effektive Behandlung darstellt und das in einem hohen Maße und bei vielen Patienten.
  • bei der unterschiedlichen Form der Qualitätssicherung (Testdiagnostik mit Rückmeldungen an den Therapeuten versus Gutachterverfahren) kein Unterschied in den Ergebnissen feststellbar ist.

Bei der anschließenden Diskussion der Ergebnisse dominierten zunächst die anwesenden Kritiker. Es wurde schnell deutlich, dass es dabei vor allem um die Beibehaltung des Gutachterverfahrens ging, das durch das Projekt aus ihrer Sicht in Frage gestellt wurde und wird.
Aus unserer Sicht sind die Ergebnisse des Modellprojektes für alle Psychotherapeuten erfolgsversprechend und auch die Kritiker werden von den wichtigen Ergebnissen nun profitieren können.
Da sich nach den Ergebnissen des TK-Modellprojektes der Aufwand, mit dem die Psychotherapeuten durch das Gutachterverfahren belastet werden, aus unserer Sicht nicht mehr aufrechterhalten lässt, streben wir entsprechende Veränderungen in den Psychotherapie-Richtlinien an. Die Genehmigung des ersten Schrittes einer Langzeittherapie soll, wie im TK-Modellprojekt, ohne Bericht an den Gutachter erfolgen können - ein Vorhaben, das die Techniker-Krankenkasse, wie Dr. Ruprecht auf der Veranstaltung betonte, ebenfalls unterstützt.
Michael Ruh

Presseerklärung der Techniker Krankenkasse zur TK-Studie: Psychotherapie lohnt, ist aber zu bürokratisch

Hamburg, 26. Mai 2011. Bei immer mehr Menschen werden psychische Störungen diagnostiziert. Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen haben immer größeren Anteil an Krankschreibungen und sind Hauptursache von Frühverrentungen in Deutschland. Das Verordnungsvolumen von Psychopharmaka steigt kontinuierlich, Psychotherapie gehört zu den umsatzstärksten ärztlichen Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Patienten, die therapeutische Unterstützung suchen, müssen meist lange Wartezeiten auf sich nehmen, bevor sie Hilfe finden. Über die Behandlungsqualität der psychotherapeutischen Regelversorgung ist bisher jedoch wenig bekannt. In einer Langzeitstudie hat die Techniker Krankenkasse (TK) zusammen mit Wissenschaftlern der Universitäten Mannheim und Trier die Effektivität ambulanter Psychotherapie und Möglichkeiten regelmäßiger Qualitätsmessungen untersucht. Qualitätsmessungen sind möglich, sinnvoll und von den Patienten geschätzt. Jeder in die Psychotherapie investierte Euro bringt zwei bis vier Euro an gesamtgesellschaftlichem Nutzen. Der Zugang zur Psychotherapie ist jedoch zu bürokratisch organisiert.
Dauert eine Psychotherapie länger als 25 Stunden, müssen die Krankenkassen, bevor sie die Kosten übernehmen dürfen, in einem vor über vier Jahrzehnten eingeführten Gutachterverfahren prüfen lassen, ob die Weiterbehandlung medizinisch notwendig ist. Dr. Thomas Ruprecht, der das Modellvorhaben für die TK betreut hat: "Dies ist für alle Beteiligten, Therapeuten, Patienten und Krankenkassen mit hohem bürokratischem Aufwand und Kosten verbunden. Unsere Studie zeigt jedoch, dass die Therapiequalität ohne Gutachten nicht schlechter ist und auch nicht wesentlich mehr Therapiestunden abgerechnet werden."
Die TK spricht sich deshalb dafür aus, künftig auf das aufwändige Gutachterverfahren zu verzichten. "So könnten Therapeuten sich künftig in der Zeit ihren Patienten widmen, die sie jetzt mit Dokumentation verbringen müssen, und auch die Krankenkassen könnten das für die Gutachten aufgewendete Budget in eine bessere medizinische Versorgung ihrer Versicherten und eine wissenschaftlich fundierte Qualitätsmessung investieren", so der TK-Experte.
An dem Modellvorhaben der TK nahmen von 2005 bis 2009 knapp 400 Therapeuten sowie 1.708 Patienten in den Regionen Westfalen-Lippe, Hessen und Südbaden teil. Die Hälfte der teilnehmenden Therapeuten betreute ihre Patienten nach Einsatz des herkömmlichen Gutachterverfahrens, die andere Hälfte durfte darauf verzichten. Zu verschiedenen Zeitpunkten vor, während, am Ende und ein Jahr nach der Behandlung wurden Patienten und Therapeuten um ihre Einschätzung der Ergebnisqualität gebeten. Trotz der unterschiedlichen Bewilligungspraxis in beiden Gruppen konnten jedoch keine signifikanten Qualitätsunterschiede festgestellt werden. Zudem zeigte sich, dass in der Interventionsgruppe ohne Gutachterverfahren im Durchschnitt nicht wesentlich mehr Therapiesitzungen abgerechnet wurden als in der Kontrollgruppe. Allerdings variierte die Zahl der Sitzungen in der ersten Gruppe deutlicher, das heißt Therapien wurden bei Erfolg früher beendet oder im Gegenzug bei weiterem Behandlungsbedarf verlängert. "Im Mittel gab es zwar keine spürbaren Unterschiede, es zeigt sich jedoch, dass die Therapeuten den Therapiebedarf der Patienten eigenverantwortlich sehr gut steuern können und die Patienten mit einem Qualitätsmonitoring auch sehr zufrieden sind", so Ruprecht.
Der vollständige Evaluationsbericht des TK-Modellvorhabens steht unter www.presse.tk.de zum kostenlosen Download zur Verfügung.

DOXS - Ärzte und Psychotherapeuten in der Mitte Deutschlands

Eine Genossenschaft auf der Suche – eine Bilanz

Die im November 2007 in Kassel gegründete Genossenschaft schwoll - auf dem Hintergrund der Bemühungen von Krankenkassenseite Gesundheitsversorgungsmodelle unter Umgehung der Kassenärztlichen Vereinigungen zu entwickeln - schnell auf 800 Mitglieder an. Damit waren binnen weniger Monate knapp die Hälfte der in Nordhessen niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten Mitglieder in der Genossenschaft geworden.

Angetreten mit dem Anspruch für die Mitglieder der Genossenschaft kostenfrei tätig werden zu können und gleichzeitig basisdemokratisch in einer Vielzahl von Fach- und Arbeitsgruppen organisiert zu sein, stieß die Genossenschaft schnell an ihre Grenzen:

  • Die Förderung der Genossenschaftstätigkeit durch Pharmakonzerne war an Erwartungen durch dieselben geknüpft, die von der Genossenschaft in ihrer Stimmenvielzahl und teilweise kritischen Haltung nicht eingelöst werden konnten.
  • Die Mitglieder untereinander hatten durchaus unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche Interessen, die in mühsamen Prozessen ausdiskutiert werden musste oder hätte werden müssen.
  • Der Aufbau eines Verwaltungsapparates für die so schnell so groß gewordene Genossenschaft erwies sich als kosten- und arbeitsintensiv und auf der Basis ehrenamtlicher Tätigkeit des Vorstands und des Aufsichtsrats schwer einzulösen.

Es folgte die Einführung eines monatlichen Mitgliedsbeitrages, ein weitgehender Personalwechsel im Vorstand und dem Aufsichtsrat und damit einhergehend auch eine Veränderung der inhaltlichen Ausrichtung. Die Neudefinition von Zielsetzungen fand weitgehend unter dem Ausschluss der gemeinen Mitglieder in Vorstand und Aufsichtsrat statt.

Was hat sich in der Zwischenzeit entwickelt?

Die Erarbeitung und Vereinbarung von akzeptablen IV-Verträgen (Integrierte Versorgungsverträge nach §73c), ein zentrales Anliegen der Genossenschaft bei seiner Gründung, erwies sich als langwierig und schwierig. Sie konnten - abgesehen von einigen wenigen Verträgen, die inzwischen bereits teilweise wieder auslaufen - nicht realisiert werden. Unter den sich permanent verändernden gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen waren und sind die Krankenkassen an IV-Verträgen kaum interessiert. Diese Verträge gesundheitspolitisch sinnvoll und unter Beibehaltung des Grundsatzes der Solidargemeinschaft zu entwickeln waren aber ein zentrales Anliegen für einen großen Teil der Genossen für ihre Mitgliedschaft gewesen.

Auch andere Projekte der DOXS scheiterten: Die elektronische Vernetzung teilnehmender Praxen erwies sich als wesentlich schwieriger als zunächst von den sich bewerbenden Firmen versprochen.

Die DOXS verabschiedete sich aus dem Projekt „Gesundheitsregion der Zukunft“, einem vom Bundesforschungsministerium ausgeschriebenem Projekt, für das Nordhessen sich beworben hatte nachdem der Vorschlag in die engere Wahl Auswahl gekommen war.

Die Fachgruppenarbeit wurde eingestellt, die Vertragswerkstätten schliefen ein.

Ein Standbein wurde die Akademie, in der zunehmend Weiterbildungen für medizinische Fachangestellte, Pflichtfortbildungen für Ärzte und andere Fortbildungsangebote für Genossenschaftsmitglieder kostenlos angeboten werden.

Die genossenschaftseigene Medizintechnik GmbH entwickelte sich nach ersten Anlaufschwierigkeiten gut und begann schwarze Zahlen zu schreiben. Genossenschaftsmitglieder begannen Praxismaterial von dieser genossenschaftseigenen Gesellschaft zu beziehen. Sie sind somit am Gewinn der Gesellschaft beteiligt.

Die vorwiegend auf wirtschaftliches Handeln konzentrierte Zielsetzung der Genossenschaft fand vorerst ihren Höhepunkt in der Beteiligung einer Pharmafirma, der Q-Pharm, an der insgesamt 16 deutsche Ärztenetze beteiligt sind. Der Gedanke ist ähnlich wie der bei der Medizintechnik GmbH, dass die verordnenden Ärzte Medikamente dieser Firma bevorzugt verschreiben mit dem Ziel, auch am Gewinn des verordneten Medikaments via Genossenschaft beteiligt sind.

Im Selbstverständnis der verbliebenen Genossenschaftsmitglieder wird dies als Gegenwehr eines freien Berufsstands gegen immer mächtiger werdende Klinikkonzerne verstanden, die die Liberalisierung der Regelungen im Gesundheitssystem für ihre eigene Gewinnmaximierung nutzen: Erweiterung klinikeigener Ambulanzen und Anschluss von MVZ's (Medizinischen Versorgungszentren mit vorwiegend angestellten Ärzten durch Ankauf von Kassensitzen) verbunden mit dem Bemühungen bestimmte Patientengruppen der Versorgung durch ambulant niedergelassene Einzelpraxen zu entziehen, finanzielle Verflechtungen mit pharmazeutischen und medizintechnischen Konzernen, die dazu führen, dass Kliniksbedarf bevorzugt von den dem Konzern verbundenen medizinischen Firmen bezogen wird. Auf diesem Hintergrund versteht die Genossenschaft selbst sich als Rettungsboot, um sich gemeinsam wie David gegen Goliath wehren zu können.

Von den 2008 ca. 800 Genossenschaftsmitgliedern haben im Rahmen dieser Veränderungsprozesse ca. 400 die Genossenschaft wieder verlassen. Von den ehemals fast 90 Psychotherapeuten in der Genossenschaft sind 2011 gerade noch 14 verblieben, davon ganze fünf Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Da die politische Ausrichtung der Genossenschaft inzwischen nicht mehr mit Zielen unseres Berufsverbandes vereinbar ist und eine Einflussnahme auf die politische Ausrichtung bei der praktisch nicht vorhandenen Personaldecke unmöglich geworden ist, wird auch die DPtV Hessen sein Engagement in der Genossenschaft zum Jahresende einstellen.

(Heide Matschuck)

 

Weiterentwicklung des IV- Vertrages mit der Audi BKK vormals BKK FTE

Im letzten Jahr haben wir auf einer Veranstaltung in Baunatal den von der Landesgruppe Niedersachsen des DPtV ausgehandelten IV-Vertrag vorgestellt. Dieser Vertrag wurde in Hessen für den Standort Baunatal übernommen.

Jetzt stellte die Audi BKK auf einer Veranstaltung am 9.12.10 in Wolfsburg ihr Programm Reha-Fit, also ihren gesamten IV-Vertrag vor.  Der  IV-Vertrag  Reha-Fit beinhaltet mehrere Bausteine. Diese bestehen unter anderem aus betrieblicher Gesundheitsförderung,  Leistungen einer ambulanten Reha-Einrichtung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc., Leistungen einer „neutralen Stelle“, in der Psychotherapeuten Gespräche bei Angststörungen, Schlafstörungen und Burn-out anbieten, dem vierten Baustein, bei dem eine schnelle Überweisung an die am Vertrag teilnehmenden Psychotherapeuten erfolgt, sowie ein Baustein „orthopädische Reha“. Ziel der Audi BKK ist es, mit diesem IV-Vertrag ihren Mitgliedern eine schnelle und qualifizierte Versorgung  zu bieten.

Die Audi BKK und der DPtV haben für den vierten Baustein einen Vertrag zur integrierten Versorgung nach § 140 SGB V geschlossen. Ziele des Vertrages sind, das zeitnahe Erkennen von körperlichen und psychischen Problemen bei den Versicherten, sowie Diagnostik und Psychotherapie von psychischen Störungen. Dabei soll eine frühzeitige Einleitung der Behandlung psychischer Störungen durch eine bessere Koordination der Vertragspartner erreicht werden. Dieser Vertrag  betrifft die Regionen der Länder Niedersachsen, Sachsen und Hessen in denen VW-Standorte vorhanden sind. In naher Zukunft soll nach dem Zusammenschluss auch Bayern mit den Audi-Werken einbezogen werden.

In Hessen sind interessierte nordhessische Kollegen in der Umgebung von Baunatal angesprochen, an diesem Vertrag teilzunehmen. Teilnehmen können - alle PP, KJP und ÄP mit sozialrechtlicher Zulassung. Interessierte können sich in diesen Vertrag einschreiben. Die teilnehmenden Psychotherapeuten verpflichten sich alle 4 Monate einen Patienten für die fünf probatorischen Sitzungen zu übernehmen,  das Erstgespräch soll innerhalb von 14 Tagen nach Anmeldung stattfinden. Eine Psychotherapie soll entsprechend nach 4 bzw. 2 Wochen eingeleitet werden. Dafür erhielten bisher teilnehmende Psychotherapeuten eine Zusatzvergütung von jeweils € 40 für jede probatorische Sitzung und die biographische Anamnese.

Derzeit nehmen in Niedersachsen 23 Psychotherapeuten, in Sachsen 12 und in Hessen 3 Psychotherapeuten an dem Vertrag teil. Insgesamt wurden laut Frau Friehe von der Audi BKK bisher insgesamt 54 Patienten zum Psychotherapeuten überwiesen, davon in Baunatal ein Einziger.

Nun hat der DPtV eine weitere Verbesserung des Vertrages mit der Audi BKK verhandelt. Ab dem 1.3.2011 vergütet die Audi BKK bei jedem Patienten 25 Psychotherapiestunden mit zusätzlich € 16 je Psychotherapiestunde, gleiches gilt für die damit verbundenen administrativen Aufgaben (Berichte etc.). Die Audi BKK wird alle teilnehmenden Psychotherapeuten informieren und den bestehenden Vertrag mit ihnen ändern.

Alle Psychotherapeuten, die sich dafür interessieren oder gerne an diesem Vertrag teilnehmen wollen und im Raum Kassel bzw. Baunatal praktizieren, können mit der Geschäftsstelle des DPtV Hessen in Frankenberg Kontakt aufnehmen.

(Else Döring)

 

Ambulante Kodierrichtlinien (AKR)

Die durch Diagnosen dokumentierte Morbidität in einer Region entscheidet seit 2007 zunehmend sowohl über die bundesweite Erhöhung der Gesamtvergütung, wie auch über die Geldflüsse zu den jeweiligen regionalen Krankenkassen. Die Vergabe von Diagnosen hat somit unmittelbare finanzielle Auswirkungen für die regionalen Krankenkassen und damit letztlich auch für die Honorare der ärztlichen GKV-BehandlerInnen einer Region (unsere psychotherapeutischen Honorare sind nicht unmittelbar betroffen, da sie geschützt sind durch den gesetzlich geregelten Orientierungspunktwert, der innerhalb der zugewiesenen Zeitkapazitätsgrenzen fest ist).

Um – naheliegende und auch sofort einsetzende – Manipulationsversuche bei der Vergabe von Diagnosen durch Krankenkassen und Ärzte zu unterbinden, wurden von den Gremien der Selbstverwaltung einheitliche Kodierregeln ausgearbeitet. Diese Kodierrichtlinien treten ab 1.Januar 2011 in Kraft. Aufgrund der vielen ärztlichen Proteste werden die Kodierrichtlinien allerdings erst ab dem 1. Juli 2011 verbindlich. Bis dahin erzeugen Fehler bei der Kodierung zwar Hinweise durch das verbindliche KBV-Prüfmodul (die Anbieter aller Praxisverwaltungs-Programme müssen entsprechende Anpassungen vornehmen), aber erst ab dem 1. Juli 2011 müssen Fehlermeldungen auch korrigiert werden, ansonsten drohen Honorarkürzungen. Bereits ab dem 1. Januar 2011 haben Kodierungen Auswirkungen auf die zukünftigen Geldflüsse, deshalb ist eine genaue und vollständige Kodierung ab Januar wichtig. Grundsätzlich ändert sich durch die Kodierrichtlinien inhaltlich nichts. Der ICD-10 bleibt weiterhin gültig, es muss weiterhin vier- bis fünfstellig kodiert werden, die Zusatzkennzeichnungen bleiben erhalten, Mehrfachkodierungen sind weiter möglich. Die Kodierrichtlinien erläutern die Regeln des ICD-10, um Interpretationsspielräume einzuengen. Für uns PsychotherapeutInnen wird sich nichts Wesentliches verändern. Das Thema bringt allerdings einige Probleme für die Ärzte mit sich, u.a. erhöht sich vor allem für Hausärzte der Verwaltungsaufwand. Durch die Kodierrichtlinien werden die Kontrollmöglichkeiten der Krankenkassen verstärkt. Es besteht die Gefahr, dass es „gläserne PatientInnen“ und „gläserne Ärztinnen“ geben wird. Alle KVen, auch die KVH, legen weiterhin gegen diese Kodierrichtlinien bei der Politik Protest ein. Parallel müssen die Richtlinien aber in der Praxis umgesetzt werden, weil eine Nichtumsetzung unmittelbar zu Geldverlust für die betreffenden LeistungserbringerInnen führen würde. Die KVH wird voraussichtlich ab Sommer 2011 Informationsveranstaltungen zu diesem Thema für ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen veranstalten.

Auf der Homepage der DPtV finden Sie unter www.dptv.de > Home > Was ist neu auf unseren Seiten? weitere Informationen zu den Kodierrichtlinien und eine Übersicht über häufige Fragen und Antworten.


(Aus dem Mitgliederrundbrief der Landesgruppe Hamburg)

 

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