Zur Honorarsituation der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

Wie allgemein bekannt sind die Honorare pro Sitzung für die Psychotherapeuten in den letzten 5 Jahren nur um ca. 1% erhöht worden. Unter Berücksichtigung der Infla­tionsrate sind unsere Honorare in diesem Zeitraum um ca. 10 % real gesunken. Unsere Berufsgruppe ist vielmehr von der allgemeinen Entwicklung der Honorare in der ­ambulanten Versorgung abgekoppelt worden und die ­bekannte Honorarschere zwischen somatischer Medizin und „Zuwendungsmedizin“/Psychotherapie hat sich noch weiter geöffnet.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenärztlichen Vereinigungen haben in den letzten 5 Jahren keinerlei Interesse gezeigt, sich für eine Honorarerhöhung der Psychotherapeuten einzusetzen, weil die haus- und fachärztlichen Vorstände befürchteten, dass eine Honorarerhöhung in der Psychotherapie bei einer begrenzten Gesamtvergütung zu Lasten der Hausärzte und Fachärzte gehen würde. Daher haben sich die psychotherapeutischen Vertreter in der KBV im vergangenen Jahr entschieden, sich für die extrabudgetäre Vergütung der Psychotherapie einzusetzen, um für die Zukunft die KBV und die KVen nicht mehr als Gegner für unsere berechtigten Honorarforderungen zu haben. Inzwischen ist es der KBV in den Honorarverhandlungen 2012 gelungen, die probatorischen Sitzungen und die genehmigten Psychotherapieleistungen des Kapitels 35.2 des EBM aus der Gesamtvergütung auszudeckeln. Gleichzeitig wurde das Konzept der Zeitkontingente für die Psychotherapeuten gestrichen, da es für extrabudgetäre Leistungen grundsätzlich keine Mengensteuerung gibt.
Allerdings sind diese Beschlüsse des Erweiterten Bewertungsausschusses erst einmal nur Empfehlungen für die Vertragspartner auf Landesebene, dies in den regionalen Honorarvertrag zu übernehmen. Hier hakt es derzeit in Hessen: Können sich nämlich Krankenkassen und KV Hessen nicht auf einen Honorarvertrag einigen, dann muss ein so genanntes Schiedsamt mit einem unabhängigen Vorsitzenden die Entscheidungen für den Honorarvertrag treffen. Derzeit gibt es Streit zwischen Krankenkassen und KV um die Besetzung dieses Postens. Da eine Einigung ohne Schiedsamt zwischen KV und Kassen zum Honorarvertrag nicht wahrscheinlich ist, verzögert sich aufgrund der beschriebenen Besetzungsprobleme des Schiedsamtes der Abschluss eines Honorarvertrags nach Angaben der KV erheblich. So ist mit einem Honorarvertrag für 2013 erst ab Mitte Mai zu rechnen. Bis dahin gilt der Honorarverteilungsmaßstab (HVM) mit den Zeitkontingenten für die Psychotherapeuten weiter. Allerdings kann dieser HVM rückwirkend zum1. 1. 2013 geändert werden, wenn der Honorarvertrag wiederum rückwirkend ab dem 1. 1. 2013 gilt.

Dies hat also für die Tätigkeit der Psychotherapeuten verschiedene Konsequenzen:

  1. Bis zum Inkrafttretens eines neuen Honorarvertrages und des dazugehörigen Honorarverteilungsmaßstabes gilt die alte Regelung mit  den Zeitkontingenten weiter. Daher sollten besonders Kolleginnen und Kollegen mit halbem Versorgungsauftrag („halber Sitz“) überlegen, ob sie schon jetzt im Bereich der künftigen extrabudgetären Leistungen ausweiten. Sie gehen das Risiko ein, dass Überschreitungen dieser Leistungen nicht vergütet werden, wenn es keine rückwirkende Änderung des HVM geben wird.
  2. Die restlichen psychotherapeutischen Leistungen (alles außer Probatorik und genehmigter Psychotherapie) werden künftig in ein eigenes Budget auf der Grundlage der abgerechneten Leistungen in 2012 zusammengefasst. Die KV Hessen hat geplant, bei einer Überschreitung dieses Gesamt-Budgets durch alle Psychotherapeuten das Honorar für diese Leistungen prozentual zu kürzen. Nach ausführlicher Diskussion der Mitglieder des beratenden Fachausschusses halten wir es für sinnvoller, dass jede psychotherapeutische Praxis ein eigenes Budget („Individualbudget“) auf der Grundlage der Abrechnung 2012 erhalten sollte. Damit werden diese Leistungen für jede Praxis zu einem festen Preis kalkulierbar und planbar und die bisherigen Praxisstrukturen könnten so erhalten bleiben. Die Diskussion mit der KV ist derzeit noch nicht abgeschlossen.
  3. Wenn Honorarvertrag geschlossen und Honorarver­teilungsmaßstab beschlossen sind, dann werden die Zeitgrenzen für die probatorischen Sitzungen und die genehmigten Sitzungen wegfallen. Es gelten aber werden aber weiterhin die Plausbilitätsgrenzen für die ­abgerechneten Leistungen gelten. Für halbe Praxissitze würde sich dann ein Abrechnungsvolumen von ca. 30 Sitzungen/Woche ergeben. Wie dies dann im Detail aussieht, wird Gegenstand unserer weiteren Gespräche in der KV Hessen sein.

Auf Bundesebene wird es mit einem Konzept zur Erhöhung der Stundenhonorare weitergehen, damit wir in ­Zukunft wieder Anschluss an die Entwicklung der Arzt­honorare finden.

Michael Ruh

 

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