Online-Abrechnung: Was ist das?

Ab dem 1.1.2011 gilt für alle Ärzte und Psychotherapeuten die Verpflichtung zur Online-Abrechnung. Wer das info-doc der KV Hessen liest, dem werden die entsprechenden Artikel zu diesem Thema schon aufgefallen sein. Die KV Hessen hat mitgeteilt, dass sie auch vorbereitet ist, diesen Termin einzuhalten.
Worum es dabei geht: Die Übermittlung der Abrechnungsdaten erfolgt künftig nicht mehr über einen physikalischen Datenträger, seien es Abrechnungsscheine, die von Hand ausgefüllt werden, oder seien es Disketten oder CDs, die von einem Abrechnungsprogramm beschrieben werden. Vielmehr werden die Abrechnungsdaten über eine geschützte Internet-Verbindung direkt an die KV Hessen übertragen.
Die KV Hessen stellt für die sichere Übertragung einen sog. eToken zur Verfügung. Mithilfe einer Zahlenfolge, die der eToken erzeugt, kann eine sichere Verbindung zum Server der KV Hessen aufgebaut werden. Über diese Verbindung können dann die Abrechnungsdaten an die KV übertragen werden. Voraussetzung auf Ihrer Seite für die Online-Abrechnung ist ein Abrechnungsprogramm, welches die Abrechnungsdatei erzeugen kann, und eine Internet-Verbindung an Ihrem PC.
Der eToken ist neben verschiedenen anderen Varianten der sicheren Verbindung die preiswerteste Lösung für die sichere Datenübertragung zur KV. Es empfiehlt sich, schon zum jetzigen Zeitpunkt den eToken bei der KV zu bestellen, damit Sie die Online-Abrechnung schon vorab testen und üben können. Die Kosten belaufen sich auf einmalig 60 € bei einer Laufzeit bis Ende 2012. Von der KV erhalten Sie dabei die entsprechenden Anwendungsinformationen. Zur Bestellung können Sie hier das Formular der KV Hessen downloaden.
Michael Ruh

 

KJP-Zulassungen aufgrund der 20%-Quote in Hessen

Aufgrund der gesetzlichen Mindestquote von 20% konnten in Hessen insgesamt 16 Sitze für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie neu besetzt werden. Diese relativ geringe Zahl in Hessen liegt auch daran, dass in den letzten 10 Jahren im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie eine große Zahl von Sonderbedarfszulassungen erfolgt war und daher die neue gesetzliche Quote in den meisten Zulassungsbezirken schon erfüllt worden war.
Zum Verfahren: Zunächst hat der Zulassungsausschuss dabei überprüft, inwieweit in den jeweiligen Zulassungsbezirken Sonderbedarfszulassungen und KJP-Jobsharing-Praxen existierten. Dies führte in einem Fall zu einer bevorzugten Zulassung. Die übrigen 15 Zulassungen waren frei und konnten daher neu besetzt werden. Neun dieser fünfzehn Sitze wurden in der Stadt Wiesbaden vergeben.
Diese erfreuliche Entwicklung im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wird dadurch getrübt, dass die 20%-Quote auf den alten Verhältniszahlen der Bedarfsplanung aufsetzt und dadurch die Unterversorgung im ländlichen Raum im Bereich der KJP nicht nur nicht behoben wird, sondern leider jetzt auch auf Dauer festgeschrieben wurde. Dieses Missverhältnis macht deutlich, dass die Bedarfsplanung im Bereich der Psychotherapie dringend einer Reform bedarf, die an den tatsächlichen Bedarf anknüpft.
Michael Ruh

 

Kürzung von Kostenzusagen bei Anträgen auf Kurzzeittherapie durch die DAK

Nachdem die DAK Hessen die Antragsbearbeitung nach Hamburg verlagert hat, habe eine Reihe von  Mitgliedern berichtet, dass bei Anträgen auf Kurzzeittherapie eine Kürzung des beantragten Kontingentes von 25 auf 10 Sitzungen durch die Krankenkasse vorgenommen worden war. Die juristische Abteilung der KV Hessen hat diese Vorgehensweise geprüft und festgestellt, dass die DAK dazu nicht berechtigt ist. Wir haben daher den Vorstand der KV Hessen gebeten, bei der DAK zu intervenieren, damit diese diese rechtswidrige Genehmigungspraxis abstellt. Wir gegen davon aus, dass sich dieses Problem inzwischen erledigt hat, bitten aber die Mitglieder um Mitteilung, falls dies immer noch erfolgen sollte.
Michael Ruh

 

Das psychotherapeutische Gespräch – Erfahrungen, Möglichkeiten und Probleme

Seit der Einführung des neuen EBM im zweiten Quartal 2005 gibt es für Psychotherapeuten (Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) die antragsfreie Gesprächsziffer „Psychotherapeutisches Gespräch) unter der EBM-Ziffer 23220. Diese ist für jeden Patienten auf 15 Gesprächseinheiten zu je 10 min im Quartal begrenzt, unterliegt aber keiner Genehmigung durch die Krankenkassen wie die Richtlinienpsychotherapie. Ebenfalls gibt es keine zeitliche Begrenzung über die Quartale hinweg: Die 15 Gesprächseinheiten können als für einen bestimmten Patienten jedes Quartal durchgeführt werden. Die Anzahl der abrechenbaren Gesprächseinheiten ist flexibel. Es können an einem Tag von 1 bis zu 15 Einheiten abgerechnet werden, je nach Bedarf, es darf aber im Quartal die Grenze von 15 Einheiten nicht überschritten werden. So können zum Beispiel mit dieser Ziffer 3 Sitzungen zu 50 min, oder aber auch 5 Sitzungen zu 30 min in einem Quartal durchgeführt werden. Es kann auch eine offene psychotherapeutische Sprechstunde mit dieser Leistung durchgeführt werden. Oder im Falle einer genehmigten tiefenpsychologisch fundierten oder analytischen Gruppenpsychotherapie können ggf. notwendige begleitende Einzelsitzungen durchgeführt und über diese Ziffer abgerechnet werden.
Insgesamt ist dadurch mehr Flexibilität in der Gestaltung des psychotherapeutischen Setting möglich geworden.

Wie wird diese neue Leistung von den Psychotherapeuten genutzt?
Aus der Abrechnungsstatistik der KV Hessen lässt sich Folgendes entnehmen:

Im letzten abgerechneten Quartal 2009-3 nutzen ca. 3/4 der PP-Praxen das „Psychotherapeutische Gespräch“ als Behandlungsmöglichkeit, während es zum Zeitpunkt der Einführung dieser Leistung ungefähr die Hälfte waren. Ein deutlicher Anstieg fand ab dem Quartal 2009-1 statt. Dies ist auch nicht verwunderlich, da mit der Einführung der Zeitkontingente als Begrenzungsmechanismen die vielfältigen Kürzungsmechanismen der KV Hessen bei den nicht-genehmigungspflichtigen Leistungen der Psychotherapeuten nicht mehr zulässig waren. Das heißt: Seit 2009-1 wird diese Leistung ungekürzt vergütet.

 

Eine entsprechende Entwicklung zeigt auch die Verlaufsstatistik der Abrechnungshäufigkeit jeweils auf eine Praxis bezogen. Diese hat sich von 2005-2 bis 2009-3 ungefähr verdoppelt.

Wirtschaftlichkeitsprüfung
Da das psychotherapeutische Gespräch eine nicht-genehmigungspflichtige Leistung ist, unterliegt es es der gesetzlich vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeitsprüfung. Für Psychotherapeuten ist dies neu, zumindest in der subjektiven Wahrnehmung. Dies liegt daran, dass die genehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen von dieser Art der Wirtschaftlichkeitsprüfung ausgenommen sind, da das Gutachterverfahren als Vorab-Wirtschaftlichkeitsprüfung geregelt ist.
In den entsprechenden Prüfungsvereinbarungen zwischen KV und Krankenkassen ist vereinbart, dass zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit zunächst ein statistisches Kriterium verwendet wird. Liegt nämlich eine psychotherapeutische Praxis fallzahlnormiert um 100% über dem Durchschnitt der Praxen, die das psychotherapeutische Gespräch abrechnen, dann steht diese Praxis dem Prüfungsausschuss gegenüber in der Begründungspflicht. Kann dann die erhöhte Abrechnung dieser Leistung nicht als Praxisbesonderheit aufgrund der Erkrankung der Patienten begründet werden, dann kann der Prüfungsausschuss das Honorar entsprechend kürzen.
Konsequenz: Im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung auffällig zu werden, ist lästig und mit zusätzlicher Arbeit und Ärger verbunden. Sie können dies durch eine nicht zu extensive Nutzung dieser Behandlungsmöglichkeit vermeiden. Es empfiehlt sich daher, mit dem steigenden Durchschnitt entsprechend mitzugleiten. Der obigen Grafik können Sie entnehmen, dass in 2009-3 pro Behandlungsfall im Durchschnitt aller Praxen 1,4 mal die Ziffer abgerechnet wurde. Dies bedeutet für eine durchschnittliche Praxis mit 40 Behandlungsfällen 56 mal die Abrechnung des 10-minütigen psychotherapeutischen Gesprächs. Eine solche Praxis käme in die Wirtschaftlichkeitsprüfung, wenn diese mehr als 112 mal diese Ziffer abrechnen würde.

Das psychotherapeutische Gespräch in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen.
Psychologische Psychotherapeuten dürfen gemäß den Psychotherapie-Vereinbarungen nur mit entsprechender zusätzlicher Fortbildung auch Kinder und Jugendliche im Rahmen der Richtlinien-Psychotherapie behandeln. Berufsrechtlich sind PPs jedoch zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen befugt. Daher können sie auch bei Kindern und Jugendlichen das psychotherapeutische Gespräch abrechnen. Umgekehrt gilt dies allerdings nicht: KJPs können nicht Erwachsene mit dem psychotherapeutischen Gespräch behandeln, das es hierfür keine berufsrechtliche Erlaubnis gibt.
Die KV Hessen sieht dies derzeit – aus unserer Sicht rechtswidrigerweise – allerdings nicht so und streicht entsprechende Leistungen aus der Abrechnung. Wir haben dazu eine Stellungnahme unseres Justitiars Herrn Dr. Tripp eingeholt, die unsere Auffassung stützt. Und wir werden dies mit der KV in nächster Zukunft klären und ihnen dann zeitnah mitteilen.
(Michael Ruh)