Abrechnungsfragen – Wegepauschalen und Anerkennungsbescheide

Im Beratenden Fachausschuss werden regelmäßig aufgetretene Probleme im Rahmen der Abrechnung besprochen. Nachstehende Fragestellungen sind aktuell erörtert worden und konnten mit folgendem Ergebnis geklärt werden:

Hausbesuche und Wegepauschalen
Psychotherapeuten haben die Möglichkeit Hausbesuche vorzunehmen, wenn eine Krankheit des Patienten dies erfordert. In diesem Sinne ist ein Hausbesuch gerechtfertigt, wenn die behandelte Erkrankung selbst oder auch eine andere Erkrankung den Patienten am persönlichen Erscheinen hindert oder der Hausbesuch aus anderen behandlungsrelevanten Gründen erforderlich erscheint.

Hausbesuchsziffern sind:
01410 „Besuch“
01411 „dringender Besuch“, sowie 01412; 01413; 01415

Im Besuchsfall ist zusätzlich die Wegpauschale abzurechnen plus die eigentliche psychotherapeutische Leistung selbst.

Die Wegpauschale kann außerdem in Rechnung gestellt werden, wenn im Rahmen einer verhaltenstherapeutischen Behandlung eine Konfrontationstherapie durchgeführt wird.

Ziffern für Wegpauschalen sind:
40220  bis 2 km
40222  von 2 – 5km
40224  mehr als 5 km
94226  mehr als 15 km Radius 8 – 20 h
94232  mehr als 15 km Radius 20 – 8 h

Nachreichen von Anerkennungsbescheiden
Wegen des enormen zusätzlichen manuellen Verwaltungsaufwandes für die Abrechnungsabteilung akzeptiert die KV-Hessen das Nachreichen von Anerkennungsbescheiden von Psychotherapien nach Übermittlung der Abrechnungsunterlagen am Ende des Quartals grundsätzlich nicht mehr.
Psychotherapeutische Leistungen die im abgerechneten Quartal erbracht worden sind für die aber kein gültiger Anerkennungsbescheid vorliegt werden mit Einreichen des Anerkennungsbescheides mit der Abrechnung im Folgequartal vergütet.

Heide Matschuck

 

Klage zur Samstagsziffer erfolgreich

Sie erinnern sich: seit einigen Jahren gibt es im EBM die Ziffer 01102. Diese kann von Ärzten angesetzt werden, wenn ein Patientenkontakt an einem Samstag zustande kommt, zusätzlich zu der dann abgerechneten Leistung. Die Ziffer sollte dazu dienen, die Servicefreundlichkeit von Ärzten für Berufstätige zu erhöhen und eben Sprechstunde am Samstag anzubieten. Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen sind von der Abrechnung dieser Ziffer ausgenommen. Zu Unrecht, wie wir meinten.
Die DPtV Landesgruppe Hessen beschloss daher, hierzu ein Musterverfahren zu führen. Es fanden sich zwei Kollegen, Eckhardt Finger aus Frankenberg und Hans Bauer aus Wiesbaden, die sich bereit erklärten, die Klagen für den Verband zu führen. Nach dem üblichen Prozedere (Abrechnung der Ziffer, Streichung aus der Honorarabrechnung durch die KV, Widerspruch gegen die Abrechnung, Ablehnung des Widerspruches) kam es am 24. Oktober 2012 zur Verhandlung vor dem Sozialgericht Marburg. Mangels besserer Argumente hatte die KV die Streichung damit begründet, dass diese für Samstagskontakte in Notfällen geschaffen worden sei. Da Psychologische Psychotherapeuten grundsätzlich keine Notfälle behandeln würden, sei es legal, diese Behandlergruppe von der Möglichkeit der Abrechnung dieser Ziffer auszuschließen. Davon abgesehen, dass man darüber diskutieren könnte, ob wir wirklich nie Notfallbehandlungen durchführen, gibt die Legende der Ziffer keine Belege für diese Ansicht der KV her. Für Behandlungen in Notfällen können Ärzte andere Ziffern abrechnen.
Letztlich überzeugend für das Gericht war, dass ärztliche Psychotherapeuten bei der gleichen Tätigkeit, nämlich Durchführung von Psychotherapie an Samstagen, diese abrechnen können. Wir haben den Prozess also gewonnen. Die KV wurde im Urteil von dem Gericht dazu verpflichtet, den Honorarbescheid neu zu erstellen und die Abrechnung der Samstagsziffer zu vergüten. Allerdings, wie üblich, dies wird erst mal nicht passieren.
Aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung hat das Gericht die Berufung zugelassen und die Vertreterinnen der KV-Hessen auch schon angekündigt, dass sie von diesem Recht Gebrauch machen werden. Der weitere Weg geht also zunächst zum Landessozialgericht und dann zum Bundessozialgericht. Aber die erste Instanz gegen die diskriminierende Benachteiligung gegenüber Ärzten bei der Abrechnung der „Samstagsziffer“ haben wir gewonnen. Finanziell ist das, im Vergleich zu dem, was wir eigentlich an Honorar gegenüber den KVen fordern, keine große Sache, aber auch die kleinen Gemeinheiten sollte man der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die diesen Abrechnungsausschluss zu verantworten hat, nicht durchgehen lassen.
Kolleginnen und Kollegen, die Samstags arbeiten, sollten also die „Samstagsziffer“ auch abrechnen und gegen die Streichung dieser Ziffer durch die KV Hessen Widerspruch einlegen. Dieser Widerspruch kann dann bis zum Urteil des Bundessozialgerichtes ruhen. So können Sie sich Ihren Anspruch auf die zusätzliche Vergütung am Samstag sichern.

Hans Bauer

 

Widerspruch gegen die aktuellen Honorarbescheide

Wir raten Ihnen weiterhin, gegen die aktuellen Honorar­bescheide der KV Hessen Widerspruch einzulegen. Gerade die aktuelle Diskussion um die mehr als bescheidene Erhöhung der Psychotherapiehonorare durch den Be­wertungsausschuss zeigt, wie sehr die Psychotherapeuten im der Honorarentwicklung hinter den Ärzten hinterhinken.
Die Schere in der Honorarentwicklung ist in den vergangenen Jahren weiter auseinandergegangen. Seit 2009 sind unsere Honorare nicht mehr erhöht worden.
Der hessische Landesvorstand hat die Frage der Durchführung eines Musterklageverfahrens zu den Honoraren in Hessen geprüft. Dabei mussten wir verschiedene Aspekte berücksichtigen.

  • Zum einen ist es so, dass in Hessen die Vergleichsarzthonorare recht niedrig     sind (wir hatten in Hessen vor der Honorarreform 2009 die niedrigsten Punktwerte aller westdeutschen Flächenländer), an dieser Relation hat sich bei den Ärzten auch nichts geändert, vielmehr sind die entsprechenden Ärztehonorare noch weniger gestiegen als im Bundesdurchschnitt. In der Folge wäre eine Klage nicht besonders erfolgversprechend.
  • Zum zweiten sehen wir es als sinnvoller an, wenn in einer KV geklagt wird, in der die nicht-genehmigungspflichtigen Leistungen quotiert werden, dann können nämlich beide Themen in einem Verfahren behandelt werden. Bei uns in Hessen gibt es eine solche Quotierung (noch) nicht.
  • Zum dritten haben wir die Erfahrung in anderen Musterverfahren gemacht, dass die KV Hessen zum Jagen getragen werden muss. Bei der Samstagsziffer sind zur Zeit die Verfahren aus dem Jahr 2007 vor dem Sozialgericht anhängig, ebenfalls lange hingeschleppt hat sich das immer noch laufende Klageverfahren zu der Vergütung der probatorischen Sitzungen 2005-2008. Und dies obwohl es mit der KV Hessen eine Vereinbarung zu diesen beiden Musterverfahren gab. Deshalb schätzen wir die KV Hessen in der Frage eines Musterverfahrens zum Mindestpunktwertes ab 2010 als deutlich unmotiviert ein. Wenn sich dann ein solches Verfahren über Jahre hinzieht, bis es überhaupt beim Sozialgericht landet, dann haben die Psychotherapeuten nichts davon.


Michael Ruh

 

Umgang mit den Widerspruchsbescheiden der KV Hessen für die Jahre bis 2004

Die KV Hessen verschickt derzeit an diejenigen Psychotherapeuten abschlägige Widerspruchsbescheide, die zwischen 2002 und 2004 Widerspruch gegen die Honorarbescheide eingelegt haben. Sie können diese getrost abheften und müssen nichts tun. Leider ist es so, dass die Sozialgerichte den Mindestpunktwert für die genehmigten psychotherapeutischen Leistungen als rechtens anerkannt haben, so dass der Rechtsstreit für diesen Zeitraum beendet ist. Im Gegensatz dazu ist für die Quartale ab 2-2005 die Frage der Vergütung der probatorischen Sitzungen nach wie vor offen. In der ersten Instanz vor dem Sozialgericht Marburg haben wir das Verfahren gewonnen. Die KV Hessen hat Berufung eingelegt, wir warten derzeit auf den Termin vor dem Hessischen Landessozialgericht.

Michael Ruh

 

Neues aus der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Beratenden Fachausschuss Psychotherapie

Honorare 2012

Zunächst die gute Nachricht: Vorerst ändert sich nichts!
Nachdem die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein Rechtsgutachten eingeholt hat, zur Frage der Quotierung psychotherapeutischer Leistungen, bleibt in Hessen vorerst alles beim Alten: Im Rahmen der Zeitkapazitätsgrenzen werden alle psychotherapeutischen (also genehmigte und nicht-genehmigte) Leistungen auch weiterhin in den bisherigen Eurobeträgen ausgezahlt.

Und nun die schlechte Nachricht: Vorerst ändert sich nichts!
Obwohl in das Versorgungssystem gegenwärtig jährlich zusätzlich 1,5 % Finanzmittel fließen, obwohl das Einkommen der Fachärzte in den letzten Jahren gestiegen ist, obwohl die Betriebskosten gestiegen sind, obwohl der EBM mit einem Arzteinkommen von 105.000,00 Euro p.a. kalkuliert wurde, wird es vorerst keine Honorarerhöhung in unserem Bereich geben.

Bedarfsplanung

Abhängig von den noch zu erarbeitenden Bedarfsplanungsrichtlinien wird auch im Bereich Psychotherapie eine statistische Überversorgung, bzw. eine Unterversorgung errechnet werden. Je nach Berechnungsgrundlage wird es unter Umständen zu einer Ausschreibung zusätzlicher Praxissitze –  v. a. im ländlichen Raum – und einer Schließung von Praxen bei Aufgabe wegen statistisch ermittelter Überversorgung kommen. Strittig bleibt auf Bundesebene, wie bei einer gefürchteten Ausweitung psychotherapeutischer Leistungen auf der Grundlage der neuen Bedarfsplanungsrichtlinien die Finanzierung innerhalb der Gesamtbudgets gewährleistet werden soll. Inwieweit es zu Mengenausweitung kommen wird bleibt vorerst noch offen. Sie hängt von der noch zu entwickelnden Bedarfsplanung ab, die im Januar 2013 in Kraft treten soll.

Abgabe einer Psychotherapeutischen Praxis

Mit in Krafttreten der neuen Bedarfsplanungsrichtlinien im Januar 2013 kommt bei der Abgabe einer Psychotherapeutischen Praxis ein neuer Verwaltungsschritt hinzu:
Vor Ausschreibung eines Praxissitzes zur Übergabe an einen Nachfolger ist vorab ein Antrag an den Zulassungsausschuss zu stellen, der dem Praxisverkauf  vor Ausschreibung des Kassensitzes zustimmen muss. Der Zulassungsausschuss kann eine Überversorgung feststellen und einen Aufkauf des Kassensitzes durch die Kassenärztliche Vereinigung veranlassen.

Verlegung einer Praxis

Schon seit dem  1. 1. 2012 kann die Verlegung einer Praxis innerhalb des Landkreises unterbunden werden, wenn sich dadurch Nachteile für die Versorgung ergeben: Der Zulassungsausschuss hat in seiner vorletzten Sitzung erstmalig einer Praxisverlegung nicht zugestimmt: Die Praxis sollte von einem schlechter versorgten Teil des Versorgungs­bezirkes in einen bereits besser versorgten Teil des Landkreises verlegt werden. Die Entscheidungskriterien des Zulassungsausschusses sind bisher noch nicht definiert. Der Beratende Fachausschuss Psychotherapie Hessen be­müht sich um eine Klärung der Kriterien, um den Kollegen Planungssicherheit zu geben.
Wichtig: Bevor Sie vertragliche Verpflichtungen eingehen, sollten Sie daher den Beschluss des Zulassungsausschusses zu Ihrem Verlegungsantrag abwarten!

Honorarbescheide und Honorarnachzahlungen in Hessen

Das Bundessozialgericht hat 2010 die Ausgleichsregelungen der KV Hessen beanstandet. Für die Quartale 2/2005 – 4/2008 stehen in Hessen deshalb Neuberechungen der Honorarabrechnungen aller Leistungserbringer aus. Hier gibt es weiterhin Probleme die gerichtlichen Vorgaben rechnerisch richtig umzusetzen.
Unabhängig davon stehen für das Jahr 2008 aufgrund eines Beschlusses des Bewertungsausschusses im Bereich Psychotherapie bundesweit Nachzahlungen an, da bei der Berechnung der Honorare zu geringe Betriebskosten angesetzt worden waren. Während in den anderen Bundesländern diese Nachzahlungen inzwischen erfolgt sind, ist in Hessen damit noch nicht begonnen worden.
Es war Anliegen der KV Hessen beide oben genannten Nachzahlungen in einem Gang neu zu berechnen. Der Beratende Fachausschuss Psychotherapie hat nun den Vorstand der KV Hessen aufgefordert letztere Zahlung vorzuziehen, damit auch in Hessen das ausstehende Honorar bei den Kollegen endlich ankommt.

Heide Matschuck

 

Warum Sie Widerspruch gegen den Honorarbescheid der KV Hessen einlegen sollten: Wir zeigen, wie es geht!

Warum Widerspruch einlegen?

Für viele neu zugelassenen Kolleginnen und Kollegen ist das Vergütungsverfahren der KV Hessen neu, die Honorarbescheide sind schwer zu verstehen und wir als Berufsverband rufen dazu auf, Widerspruch gegen diesen einzulegen. Weshalb tun wir dies?
Die Psychotherapeuten sind die mit Abstand am schlechtesten verdienende Gruppe in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung. Dies gilt auch für die psychotherapeutisch tätigen Ärzte. Durch die Zeitgebundenheit unserer Leistungen ist eine Leistungsausweitung natürlich nur durch Erhöhung der Arbeitszeit möglich, im Gegensatz zu den somatisch tätigen Arztgruppen, die z.B. durch technische Leistungen und durch Delegieren von Leistungen an Personal ihre Leistungen  ausweiten können. Dies hat in den 90er Jahren dazu geführt, dass die Honorare der Psychotherapeuten immer mehr gesunken sind, da für die ambulante Versorgung durch alle Vertragsbehandler nur ein festes Budget zur Verfügung steht und dadurch die vielabrechnenden Ärzte sich einen immer größeren Teil des Honorarkuchens abschneiden konnten (Dies wird auch als Hamsterradeffekt bezeichnet)
Erst das Bundessozialgericht hat in einer wegweisenden Entscheidung 1998 einen Mindestpunktwert für die ge­nehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen festgelegt und in weiteren Entscheidungen zu den Psychotherapeutenhonoraren in den Folgejahren weitere Kriterien festgesetzt, wie eine Untergrenze der Vergütung der genehmigungspflichtigen Leistungen zu bestimmen ist. Insbesondere wurde festgelegt, wie ein korrekter Vergleich mit entsprechenden ärztlichen Honoraren vorzunehmen ist.
Diese Gerichtsverfahren haben in den vergangenen Jahren immer wieder zu Nachvergütungen für die Psychotherapeuten geführt, zuletzt für das Jahr 2008 (auf die wir in der KV Hessen  immer noch warten). Allerdings haben nur diejenigen Anspruch auf eine Nachvergütung, die auch Widerspruch gegen den Honorarbescheid eingelegt haben. Der Honorarbescheid wird nämlich vier Wochen nach Zugang rechtskräftig, wenn Sie keinen Widerspruch einlegen. Dann können Sie auch von möglichen Gerichtsurteilen zugunsten der Psychotherapeuten nicht mehr profitieren.
Wir haben zwar im Jahr 2009 eine deutliche Honorarerhöhung in Hessen erhalten, sind jedoch seither auf diese Stundenhonorare festgelegt. Bei ca. 2 % jährlicher Inflation sind also unsere Honorare seither real um mehr als 6 % gesunken. Von der jährlichen Erhöhung der Gesamtvergütung der KVen ist in unseren Praxen nichts angekommen, es profitieren diejenigen Ärzte, die aufgrund ihrer Praxisstruktur mehr abrechnen können. Insofern droht also wieder die gleiche Entwicklung wie in den 90er Jahren.
Es gibt daher aus Sicht der DPtV Grund zur Annahme, dass sich die Honorarschere zwischen Psychotherapeuten und Ärzten weiter öffnet. Um zu verhindern, dass wir wieder abgehängt werden, ist es notwendig, dass wir weiter Gerichtsverfahren betreiben, um eine angemessene Vergütung zu erreichen.

Wie legen Sie Widerspruch ein?

Wichtig zu beachten ist die Frist für den Widerspruch. Diese beträgt vier Wochen nach dem Eingang des Honorarbescheides bei Ihnen. Benutzen Sie am besten für den Widerspruch ein Formular der DPtV, falls Sie dies nicht zur Hand haben, können Sie dies in unserer Geschäftsstelle anfordern oder auf der Website der Landesgruppe herunterladen. Falls ihr Honorarbescheid ansonsten in Ordnung ist, tragen Sie einfach die Daten ihrer Praxis in das Formular ein und schicken Sie den Widerspruch an die KV Hessen in Frankfurt.
Falls ihr Honorarbescheid weitere Mängel aufweist, ergänzen Sie einfach das Widerspruchsformular um die weiteren Widerspruchsgründe.
Sie erhalten von der KV Hessen in der Regel zwei Wochen nach Absenden des Widerspruchs eine Eingangsbestätigung. Da es schon vorgekommen ist, dass Widersprüche auf dem Postweg verloren gegangen sind, sollten Sie sich die Widerspruchsfrist von vier Wochen in ihrem Kalender notieren und, falls sie bis dahin keine Eingangsbestätigung der KV Hessen erhalten haben, den Widerspruch per Fax mit qualifiziertem Sendeprotokoll nochmals an die KV Hessen schicken. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Michael Ruh

 

Bericht zu den Honorarklagen der hessischen Landesgruppe

Urteil des Sozialgerichts Marburg zur Vergütung der probatorischen Sitzungen in den Quartalen 2-2005 bis 1-2006

Am 21. 3. 2012 wurden vor dem Sozialgericht Marburg die Musterklagen wegen zu niedriger Vergütung der probatorischen Sitzungen in den Quartalen 2-2005 bis 1-2006 (stellvertretend für die gesamten Quartale 2-2005 bis 4-2008) verhandelt. Das Bundessozialgericht hatte in seinem Urteil  vom 28. 5. 2008 einen Mindestpunktwert von 2,56 Cent für die probatorischen Sitzungen festgelegt.
In den betreffenden Quartalen hatte die KV Hessen gegen das Votum des beratenden Fachausschusses Psychotherapie für die nicht-genehmigungspflichtigen Leistungen der Psychotherapeuten ein Regelleistungsvolumen und weitere Mengenbegrenzungs- und Ausgleichsregelungen beschlossen. Dies hatte in der Folge dazu geführt, dass die probatorischen Sitzungen bei vielen Praxen unterhalb dieses Punktwertes vergütet worden waren.
Die KV Hessen hat aus Sicht der hessischen Berufsverbände dieses BSG-Urteil nicht umgesetzt, so dass diese entsprechende Klagen vor dem Sozialgericht notwendig waren. Das Sozialgericht Marburg hat nun in seinem Urteil eindeutig entschieden, dass die probatorischen Sitzungen in den betreffenden Quartalen zum Mindestpunktwert von 2,56 Cent nach Anwendung von Mengenbegrenzungsmaßnahmen zu vergüten sind. Allerdings hat die KV Hessen in der letzten Sitzung des beratenden Fachausschusses am 3. Mai angekündigt, dass sie gegen das Urteil vor dem Landessozialgericht Berufung einlegen wird, so dass eine Nachvergütung dieser Leistungen nicht absehbar ist.

Honorarklagen für die Nachvergütung der Jahre 2000 und 2001

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hatte für die Jahre 2000 und 2001 nach dem Urteil des Bundessozialgerichtes in 2008 in 2010 schließlich eine Nachvergütung für die ge­nehmigungspflichtigen Leistungen vorgenommen. Da die Berechnung den Berufsverbänden gegenüber erst ­einmal nicht transparent gemacht worden war, hatten ­wir damals dazu aufgerufen, gegen die Widerspruchsbe­scheide Klage einzureichen und ein Musterverfahren vor dem Sozialgericht durchgeführt. Auch dieses wurde am 21. 3. 2012 schließlich verhandelt. Im Ergebnis haben wir schließ­lich nach Erörterung der Sachlage mit den Richtern und den Vertretern der KV die Klage zurückgezogen, da keine Erfolgsaussicht mehr bestand, eine höhere Vergütung zu erreichen.
Diejenigen Mitglieder, deren Klageverfahren für die Jahre 2000 und 2001 ebenfalls noch offen sind, können die Klage dem Sozialgericht Marburg nun ebenfalls zurückziehen. Es wird dabei eine geringe Gerichtsgebühr fällig.

Honorarklage zur Samstagsziffer

Ebenfalls vor längerem haben wir mit der KV Hessen ein Musterverfahren zur Nicht-Abrechenbarkeit der Samstagsziffer für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vereinbart. Zur Erinnerung: Die Samstagsziffer mit einer Honorierung von etwas mehr als 10 € kann von allen Ärzten, auch den psychotherapeutisch tätigen Ärzten, zusätzlich zur erbrachten Leistung abgerechnet werden, wenn am Samstag eine reguläre Sprechstunde durchgeführt wird, also einbestellte Patienten behandelt werden. Diese Benachteiligung gegenüber den Ärzten ist aus unserer Sicht nicht einzusehen, daher führen wir in Abstimmung mit dem Bundesvorstand dieses Musterverfahren.
Das Sozialgericht Marburg hat die Verhandlung für den
27. 6. 2012 festgelegt. Musterkläger sind unser Landesvorstandsmitglied Hans Bauer und ein weiteres DPtV-Mitglied.

Michael Ruh

 

Nachvergütung Honorare 2008

Nachdem der Bewertungsausschuss Ende letzten Jahres einen entsprechenden Beschluss zur Angemessenheit der Honorare im Jahr 2008 gefasst hat, können sich in Hessen diejenigen Psychotherapeuten, die gegen die Honorarbescheide 2008 Widerspruch eingelegt hatten, über eine eher bescheidene Nachvergütung freuen.
Der Mindestpunktwert für genehmigte Psychotherapieleistungen erhöht sich für das Jahr 2008:

    1/2008       von PWalt = 3,99 Ct.    auf PWneu = 4,08 Ct.    
    2/2008 ff.   von PWalt = 4,16 Ct.    auf PWneu = 4,24 Ct.

Dies ergibt dann einen Betrag von ca. 1,40 €/genehmigter Sitzung.Die Nachvergütung wird nach den Vorstellungen des KV- Vorstandes gegen Ende diesen Jahres ausbezahlt werden. Wir halten dies für zu spät und werden auf eine zügigere Auszahlung drängen.Durch den Umgang der KV Hessen mit den Widersprüchen wird deutlich, dass es weiterhin für alle Kolleginnen und Kollegen erforderlich ist, gegen jeden Honorarbescheid Widerspruch einzulegen, so auch den aktuellen für das Quartal 2/2011. Ein Widerspruchsformular für den aktuellen Honorarbescheid können Sie hier downloaden.

Michael Ruh

 

Kleinere Neuregelungen durch die KV-H zur Abrechnung und Praxisübergabe

Neues aus dem Beratenden Fachausschuss Psychotherapie (BFA) in der KV Hessen

Probatorische Sitzung im 2-Jahres-Zeitraum nach Abschluss einer psychotherapeutischen Behandlung: 
Die Abrechnung von probatorischen Sitzungen innerhalb des sogenannten 2-Jahreszeitraumes nach Abschluss einer Behandlung ist möglich, wenn im Anschluss an die neuerliche Probatorik wieder eine Psychotherapie beantragt wird.
Wenn aufgrund der erneuten probatorischen Sitzungen sich keine Therapie ergibt oder die probatorischen Sitzungen quartalsübergreifend durchgeführt werden, dann ist bei der Abrechnung im Zusatz zu der ersten Probesitzung eine kurze Begründung erforderlich.
Übrigens: Ein bewilligtes Behandlungskontingent verfällt automatisch, wenn mehr als sechs Kalendermonate zwischen zwei Behandlungsterminen liegen. Eine Wiederaufnahme einer Behandlung mit Zugriff auf das verbliebene Behandlungskontingent nach Ablauf der 6-Monatsfrist ist grundsätzlich möglich. Dazu muss bei Abrechnung der ersten Sitzung nach der 6-Monatsfrist eine entsprechende Bemerkung angefügt werden: wie „Krise“ oder sinngemäß vergleichbares.

Abschluss von psychotherapeutischen Behandlungen nach Praxisabgabe:
Auf expliziten Antrag bei der KV Hessen kann ein ausscheidender Psychotherapeut noch zwei Quartale nach Praxisabgabe die vor Praxisabgabe begonnenen Behandlungen abschließen. 

Übernahme eines Praxissitzes eines Psychologischen Psychotherapeuten durch einen Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeuten: 
Es kam in letzter Zeit vereinzelt zu falscher Beratung durch Vertreter der KV-H dahingehend, dass ein KJP keinen PP-Praxissitz übernehmen könne. Diese Falschberatung sollten Sie an uns als Ihre gewählten Vertreter des Verbandes melden, wir setzen uns dann mit der Bereichsleitung Recht in Verbindung, um auf eine Aufklärung der Mitarbeiter einzuwirken.

Heide Matschuck

 

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