Tiefenpsychologische oder analytische Gruppentherapie bei Kindern und Jugendlichen – Kleine Gruppe

Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte in diesem Jahr beschlossen, dass für die Gruppenpsychotherapie bei Kindern und Jugendlichen in den Verfahren tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie auch eine kleine Gruppe (3–5 Teilnehmer) möglich ist. Dies gilt für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die eine entsprechende Abrechnungsgenehmigung für die Kindergruppentherapie haben.
Die entsprechenden Abrechnungsziffern hat der dafür zuständige Bewertungsausschuss noch nicht beschlossen. Nach Auskunft der KBV ist damit aber bald zu rechnen, voraussichtlich werden diese neuen Ziffern dann ab dem 1. April 2014 in Kraft treten. Bis dahin kann eine solche Gruppentherapie im Kostenerstattungsverfahren (nach § 13,3 SGB V) beantragt und nach GOP (analog der tiefenpsychologischen oder analytischen Gruppentherapie) mit 3,5-fachem Satz mit besonderer Begründung mit dem Patienten direkt abgerechnet werden. Antragsformulare für das Kostenerstattungsverfahren können Sie in der Bundesgeschäftsstelle der DPtV anfordern.

Praxisübergabe von PP an KJP in Hessen nicht mehr möglich

Wie eine Anfrage im beratenden Fachausschuss Psychotherapie der KV Hessen ergeben hat, ist eine Praxisnachfolge eines Psychologischen Psychotherapeuten (PP) durch einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) nach den neuen Regelungen der Bedarfsplanung nicht mehr möglich. Die Neuregelungen sehen vor, dass das Gepräge der Praxis, also die behandelten Patienten und das Leistungsspektrum des Praxisabgebers mit dem des Praxisnachfolgers weitgehend übereinstimmen muss. Dies ist bei KJP und PP nicht der Fall. Wenn ein PP mit Abrechnungsgenehmigung für die Behandlung von Kindern oder ein doppelt zugelassener PP/KJP seine Praxis an einen KJP abgeben möchte, dann geht das nur dann, wenn mindestens 60 % der Leistungen bei Kindern und Jugendlichen erbracht wurden.

Honorierung der psychotherapeutischen Restleistungen

Wie Sie durch vorangegangene Mitgliederrundbriefe des Bundesvorstandes und des Landesvorstandes schon informiert wurden, werden die probatorischen Sitzungen und die genehmigten psychotherapeutischen Leistungen ab dem 1.1.2013 extrabudgetär, das heißt außerhalb der sogenannten morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) von der KV mit den Krankenkassen abgerechnet. In der Terminologie der KV werden diese Leistungen neuerdings EGV-Leistungen genannt. Die übrigen psychotherapeutischen Leistungen des Kapitels 35 und 23 EBM (z. B. Antragsziffern, Gesprächsziffer 23220) werden weiterhin innerhalb der MGV vergütet, werden deshalb weiterhin MGV-Leistungen genannt.
Für diese psychotherapeutischen MGV-Leistungen hat die KV Hessen ab dem 1. 1. 2013 ein eigenes fachgruppenübergreifendes Budget eingerichtet, das auf der Grund­lage des abgerechneten Leistungsbedarfs des jeweiligen Vorjahresquartals berechnet wurde. Zusätzlich wurden die Steigerung des Orientierungpunktwertes und der Morbiditätsrate erhöhend berücksichtigt. Die Abrechnung der ersten beiden Quartale hat ergeben, dass dieses Budget durch eine um ca. 10 % erhöhte Leistungsanforderung überschritten worden ist. Das bedeutet, dass Psychotherapeuten und die entsprechenden Ärzte deutlich mehr MGV-Leistungen abgerechnet haben als im jeweiligen Vorjahresquartal. Der Anstieg zeigt sich über alle Fachgruppen hinweg insbesondere bei den psychotherapeutischen Gesprächsleistungen des Kapitels 22 und 23. Bei gleichbleibendem Budget hat dies dies dazu geführt, dass die Vergütung all dieser Leistungen um den entsprechenden Prozentsatz quotiert, d. h. gesenkt wurde.
Die endgültige Höhe des Budgets für die MGV-Leistungen und damit der Umfang der Quotierung hängt allerdings noch vom Ausgang der Honorarverhandlungen in Hessen ab. Sollte der Anstieg der morbiditätsabhängigen Honorar­anteile höher ausfallen als dies bislang einkalkuliert wurde, so wird das Budget um diesen Prozentsatz aufgestockt, die bislang vorgenommene Quotierung dadurch abgemildert, was zu geringfügigen Honorarnachzahlungen für die MGV-Leistungen führen könnte.

Aktuelles aus der KV Hessen

ADHS-Vertrag für Hessen?

In Anlehnung an das Modellprojekt in Baden-Württemberg zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS auf der Basis des Vertragskonzeptes aus der Vertragswerkstatt der KBV hat sich seit August letzten Jahres in Hessen eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines analogen Selektivvertrages nach § 73c SGB V etabliert. An den bislang drei Projekttreffen nahmen Vertreter von Berufs- und Fachverbänden teil, sowie Mitarbeiter der Abteilung Neue Versorgungsformen. Ziel des Vertrages soll die zeitnahe, effiziente und qualitätsgesicherte Versorgung betroffener Kinder und deren Familien sein. Dies soll über die Einrichtung regionaler ADHS-Teams erreicht werden, in denen Ärzte und Psychotherapeuten mit entsprechender Zulassung kooperieren und eine an aktuellen Leitlinien orientierte Diagnostik und Therapie gewährleisten. Fehl- oder Überversorgung (z. B. Mehrfachuntersuchungen) können so vermieden werden; psychoedukative, sozialpsychiatrische und psychotherapeutische Interventionen haben nach diesem Modell Vorrang vor einer medikamentösen Therapie.
Wie die Evaluation des Modellprojektes in Baden-Württemberg zeigte, konnten knapp 50 % der diagnostizierten Kinder ohne Medikamente behandelt werden. Die Vergütung der diagnostischen und therapeutischen Leistungen erfolgt außerhalb der Gesamtvergütung nach einer Zeittaktung (25 € für 15 Min.) bei einer Jahresobergrenze von 1.200 € pro Patient.
In der Arbeitsgruppe wie auch im Beratenden Fachausschuss wurde das Modellprojekt bislang kontrovers diskutiert. Grundsätzliche Bedenken richteten sich z. B. gegen die Begrenzung des Vertrages auf die Diagnose ADHS und die damit verbundenen, umstrittenen ätiologischen Konzepte. Anregungen und Kritikpunkte wurden im Entwurf eines Eckpunktepapiers zusammengefasst, der aber noch nicht abschließend konsentiert werden konnte. Allerdings bietet er die Basis, demnächst grundsätzlich das Interesse der Krankenkassen an einem derartigen Versorgungs­modell zu sondieren.
Die Landesgruppe Hessen der DPtV begrüßt die Initiative zur Entwicklung eines Vertragsentwurfes in diesem Versorgungsbereich. Abgesehen von den zu erwartenden positiven Effekten des Modells für die Versorgung junger ADHS-Patienten, möglicherweise mit der Folge von Einspareffekten bei der Medikamentenverordnung, bieten solche Verträge für unsere Fachgruppe immer auch die Möglichkeit, das bislang durch die Psychotherapie-Richtlinien definierte Leistungsspektrum zu erweitern und angemessenere Vergütungsformen zu erproben. Weitere Projekte, wie ein Vertrag zur Behandlung von Essstörungen oder Modelle zur Akutversorgung, sind in der Diskussion.

Nachbesetzung von Praxen und neue Bedarfsplanung

Die Neuregelung zur Weitergabe von Praxissitzen in überversorgten Gebieten, vor dem Hintergrund neuer Bedarfsplanungs-Richtlinien aufgrund des seit 1. 1. 2012 in Kraft getretenen Versorgungsstrukturgesetzes, hat bei vielen Kolleginnen und Kollegen bislang zu Beunruhigung geführt. Die Zulassungsausschüsse haben zukünftig die Aufgabe zu überprüfen, ob unter Versorgungsgesichtspunkten die Nachbesetzung einer Praxis zu befürworten oder ggf. abzulehnen ist.
Seitens der KV gibt es nun erste Überlegungen und Empfehlungen zur Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgaben. (Zur Erinnerung: Der Zulassungsausschuss Psychotherapie ist mit jeweils vier Vertretern der Krankenkassen und je zwei Ärzten und Psychotherapeuten besetzt). Im Rahmen der Bedarfsprüfung müssen demnach zunächst Kriterien zur Bewertung der Versorgungslage definiert werden. Hier schlägt die KV vor, bis zu einem Versorgungsgrad von
250 % die Durchführung eines Nachbesetzungsverfahrens in jedem Fall zu befürworten. Ausnahmen hiervon (automatische Nachbesetzung auch bei Versorgungsgrad > 250 %) sind für dünn besiedelte ländliche Regionen vorgesehen. Bei Überschreiten dieses Versorgungsgrades erfolgt eine eingehende Prüfung des Einzelfalles anhand der vorliegenden Versorgungsdaten.
Im Bereich der Psychotherapie ist ein solches Vorgehen nach den bisherigen Berechnungen auf Basis der neuen Bedarfsplanung in den folgenden Planungsbezirken erforderlich: Hochtaunus­kreis, Landkreis Gießen und Landkreis Marburg-Biedenkopf. Grundgedanke der Einzelfallprüfung sollte aber auch hier sein, dass eine Praxis, die ausreichend Versorgung erbracht hat, nachbesetzt werden kann.

Richtlinie zur Neuropsychologischen Therapie in Hessen umgesetzt

Neuropsychologische Diagnostik und Therapie ist nun auch in Hessen Teil der Regelversorgung gesetzlich Ver­sicherter. Gemäß der seit 1. 1. 2013 bundesweit in Kraft getretenen Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses wurde nun auch der EBM durch den Bewertungsausschuss um das Kapitel 30.11 ergänzt, in dem die Leistungsziffern zur Neuropsychologischen Therapie und deren Bewertungen aufgeführt werden. Die Neuropsychologie-Richtlinie wurde im Bereich der KV Hessen nun weitestgehend umgesetzt, Anträge auf Abrechnungsgenehmigungen können bei Vorliegen der entsprechenden ­Qualifikation bei der Abteilung Qualitätssicherung der KV gestellt werden. Mit Stand März 2013 wurden bereits 16 Abrechnungsgenehmigungen erteilt. Anträge auf Sonderbedarfszulassungen im Bereich neuropsychologischer Therapie werden voraussichtlich in der Juni-Sitzung des Zulassungsausschusses Psychotherapie beschieden.
Es wird darauf zu achten sein, dass die konkrete Ausgestaltung der Qualitätssicherung dieser Leistungen fachlich adäquat im Einvernehmen mit den Vertretern der Fachgruppe gestaltet wird.

Hausbesuche und Wegepauschalen bei Psychotherapie

Wie bereits im Mitgliederrundbrief 3/2012 mitgeteilt, konnten im Beratenden Fachausschuss die Regularien zur Abrechnung von Hausbesuchen und die in diesem Zusammenhang anfallenden Wegepauschalen für Psychotherapeuten geklärt werden. Kann der Patient aufgrund der behandelten oder einer anderen Erkrankung nicht in die ­Praxis kommen, so ist ein Hausbesuch erforderlich. Eine Wegepauschale kann z. B. auch bei In-Vivo-Behandlungen zur Abrechnung kommen.
Wir möchten in diesem Zusammenhang auf ein Informationsblatt der KV mit den relevanten Gebührenpositionen hinweisen, das der nächsten Ausgabe des Mitteilungs­heftes „Auf den Punkt“ beigefügt werden soll.

Jörg Wollstadt

Bericht von der Vertreterversammlung der KV Hessen am 25. 5. 2013 in Frankfurt

Die Vertreterversammlung der KV Hessen hat am 23. 5. 2013 drei uns betreffende Entscheidungen getroffen:

Umstrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (früher ärztlicher Notdienst)

Die Vertreterversammlung hat eine neue Bereitschaftsdienstordnung beschlossen, die die Bezirke für den Bereitschaftsdienst neu ordnet und die Dienstzeiten und die finanziellen Belastungen gleichmäßiger auf alle Ärzte in Hessen verteilt. Bislang waren die Ärzte in den ländlichen Re­gionen durch eigene finanzielle Beteiligung und im Hinblick auf die Dienstbelastung erheblich schlechter gestellt als die Ärzte in den größeren Städten. Dies hatte insbesondere auch negative Auswirkungen auf die Niederlassungsfreudigkeit der Ärzte in ländlichen Regionen, in denen aufgrund der Altersstruktur der Ärzte in den kommenden Jahren mit einer Vielzahl von Praxisübergaben zu rechnen ist. Durch eine einheitliche hessenweite Regelung in der neuen Bereitschaftsdienstordnung und die Schaffung ­neuer Bereitschaftsdienstzentralen auch im ländlichen ­Bereich, soll diese Ursache eines künftigen Ärztemangels beseitigt werden.
Allerdings ist die Finanzierung des Bereitschaftsdienstes nicht durch die Einnahmen gedeckt. So hat die Vertreterversammlung der KVH beschlossen, dass das Defizit durch eine Umlage bei allen Vertragsbehandlern gedeckt werden soll. Damit sind auch wir Vertragspsychotherapeuten ab dem 1. 10. 2013 an der Finanzierung des Bereitschaftsdienstes beteiligt. Leider gibt es auch schon eine höchstrichterliche Rechtsprechung des Bundessozial­gerichtes, dass an dieser Gemeinschaftsaufgabe der KV Hessen alle Mitglieder der KV, also auch die Vertragspsychotherapeuten, beteiligt werden können.
Verschiedene Finanzierungsmodelle standen in der Vertreterversammlung zur Debatte. Wir Psychotherapeuten haben natürlich versucht, die finanzielle Belastung für uns so gering wie möglich zu halten und haben einen Antrag eingebracht, der eine prozentuale Beteiligung von 1,5 % des Honorarumsatzes und eine Höchstgrenze von 750 € pro Quartal vorgesehen hätte. In der geheimen Abstimmung votierten 18 Vertreter für diesen Antrag, 32 dagegen. Angenommen wurde hingegen mehrheitlich ein Antrag der Facharztfraktion, der eine Höchstgrenze von 600 €/Quartal und eine prozentuale Beteiligung in Höhe von 2 % und ­einen Mindestbeitrag in Höhe von 100 € vorsieht. Leider haben sich damit die Gutverdiener in der KV Hessen durchgesetzt, die in der Vertreterversammlung die Mehrheit stellen.
Bei einem Durchschnittsumsatz von 80.000 € im Jahr kommt auf eine vertragspsychotherapeutische Praxis also künftig ein Jahresbeitrag von 1.600 € zusammen. Oder anders formuliert: Unsere Honorare werden ab dem 1. 10. 2013 um 2 % gekürzt!

Honorarverteilungsmaßstab

Im Vorgriff auf die anstehende Schiedsamtsentscheidung zum Honorarvertrag mit den Krankenkassen wurde der Honorarverteilungsmaßstab (HVM), der die Regelungen zur Verteilung des Honorars zwischen Arztgruppen regelt, rückwirkend zum 1. 1. 2013 geändert. Für uns bedeutsam ist, dass die Zeitkapazitätsgrenzen für die psychotherapeutischen Leistungen ersatzlos gestrichen wurden. Die Anzahl der genehmigten und der probatorischen Sitzungen unterliegt nun keiner Mengenbeschränkung mehr. Allerdings müssen Psychotherapeuten die Grenzen der Plausibilitätsprüfung nach wie vor beachten. Diese sind für halbe Versorgungsaufträge auch nur halb so hoch. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen wird zeitnah zu den Einzelheiten dieses Beschlusses informieren.
Alle weiteren Abrechnungsziffern (Ordinationsgebühr, ­Psychotherapeutisches Gespräch, Berichte, Testleistungen usw.) sind nach dem neuen HVM für die Gesamtgruppe aller Psychotherapeuten und psychotherapeutisch tätigen Ärzte in einem eigenen Topf mengenbegrenzt. Dieser wird auf der Grundlage des Leistungsbedarfs im jeweiligen Quartal des Jahres 2012 berechnet. Sollte es zu einer Überschreitung dieses Leistungsbedarfs in 2013 kommen, wird die Vergütung für diese Leistungen entsprechend prozentual gekürzt. Wir rechnen erst einmal aber nicht damit, dass dies eintreten wird, da die Abrechnung der Leistungen in diesem Bereich in den vergangenen Jahren insgesamt nur leicht ansteigend war. Für den Fall, dass es zu einem unerwarteten Anstieg dieser Leistungen kommen wird, haben wir mit der KV Hessen die Einrichtung von Individualbudgets für die einzelne Praxis vereinbart, damit die Praxen ihre bisherige Leistungsstruktur beibehalten können.

Nachwahl zum Beratenden Fachausschuss Psychotherapie in der KV Hessen

Nachdem im April Michael Ruh vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung zum Referenten für Sprechende Medizin/Psychotherapie in der KV Hessen berufen worden war, ist er absprachegemäß aus dem Beratenden Fachausschuss Psychotherapie zurückgetreten. Ebenfalls ausgeschieden sind aus persönlichen Gründen seine beiden Stellvertreter Margit Opper und Dr. Ullrich Müller. Daher musste eine Neuwahl dieser Positionen auf der Vertreterversammlung stattfinden.
Gewählt wurde von der Vertreterversammlung auf Vorschlag der Gruppe der Psychotherapeuten in der VV als neues Mitglied Maria Spies, Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutin aus Fulda. Als erste Stellvertreterin wurde Barbara-Christine Feldmann-Schmidt, Psychologische Psychotherapeutin aus Bad Homburg, gewählt. Feldmann-Schmidt ist Mitglied in der DPtV und schon lange im Bereich der neuropsychologischen Behandlung tätig. Sie wird künftig die fachlichen Anliegen der neuropsychologischen Therapie als neuem Behandlungsverfahren in der ambulanten Versorgung im Fachausschuss Psychotherapie vertreten. Als zweite Stellvertreterin wurde Lisa Müller, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Marburg gewählt.

Michael Ruh

Der Zulassungsausschuss Psychotherapie bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen

Der in der Kassenärztlichen Vereinigung KV angesiedelte Zulassungsausschuss hat die Aufgabe, über die sozialrechtliche Zulassung, also sowohl die Niederlassung in ­einer Praxis an sich, wie auch über die Genehmigung zur Abrechnung einzelner Gebührenpositionen, zu entscheiden.
Der Zulassungsausschuss Psychotherapie ist paritätisch besetzt: Die KV benennt vier Psychotherapeuten (davon ein PP, ein KJP und zwei Ärzte). Die vier Vertreter der Krankenkassen werden von den Verbänden der Primär- und Ersatzkassen benannt.
Der Zulassungsausschuss entscheidet mit einfacher Mehrheit. Gegen die Entscheidung kann jede Partei Wider­spruch einlegen. Im Widerspruchsfall wird der Antrag an den Berufungsausschuss weitergeleitet und dort erneut verhandelt.
Der Zulassungsausschuss tagt meist vier mal im Jahr. 2013 sind allerdings sechs Sitzungstermine angesetzt. Das hängt mit den in diesem Jahr zu bewältigenden neuen Fragestellungen aufgrund der veränderten Bedarfsplanungsrichtlinien und dem Hinzukommen der Neuropsychologie zusammen.
Hatte der Zulassungsausschuss bisher bei einer Praxisabgabe lediglich das Nachbesetzungsverfahren durchzuführen, so steht seit dem 1. 1. 2013 jede Praxisweitergabe vorab unter Genehmigungsvorbehalt. Ausgenommen von dieser Regelung sind nur Praxisübergaben an Angehörige und Kolleginnen/Kollegen, mit denen die Praxis vor Abgabe gemeinschaftlich betrieben wurde.
In den in diesem Jahr in Kraft getretenen Bedarfsplanungsrichtlinien wurden in allen Bundesländern die Planungsbereiche neu eingeteilt und die Verhältniszahlen (Einwohner/Psychotherapeut) neu berechnet. Das führt dazu, dass die eklatanten Unterschiede zwischen den Verhältniszahlen im ländlichen Bereich und denen in Großstädten stärker angeglichen wurden mit der Konsequenz, dass im ländlichen Raum einzelne Praxen neu hinzukommen können, bzw. diese Planungsbereiche nicht mehr als „überversorgt“ gelten. Im städtischen Raum bedeutet dies jedoch teilweise einen Überhang von Praxissitzen. In Hessen betrifft dies insbesondere Marburg und Gießen. ­Dadurch stehen in Hessen der möglichen Schaffung von ca. 10 Sitzen in eher dünner besiedelten Landkreisen die mögliche Stilllegung von ca. 1.000 Kassensitzen in erheblich dichter versorgten Gebieten gegenüber. Diese Sitze könnten bei einer Praxisabgabe stillgelegt werden.
Entscheidet der Zulassungsausschuss mit einfacher Mehrheit, dass die Praxis nicht versorgungsrelevant ist, ist die KV verpflichtet, den Praxissitz aufzukaufen. Wie der Praxiswert zu ermitteln ist, ist dabei aber bisher noch unklar.
Bisher versichert der Vorstand der KV-Hessen, dass es von KV-Seite kein Interesse daran gibt Praxissitze stillzulegen. Dies ist glaubhaft, zumal bei der nun anstehenden extrabudgetären Vergütung der überwiegende Teil der Psychotherapiehonorare direkt zu Lasten der Kassen gehen wird. Die KV geht also keinerlei finanzielles Risiko ein.
Auch das Interesse der Kassen daran Kosten zu sparen, indem sie die Psychotherapie – bei gleichzeitig steigenden Kosten aufgrund der Zunahme der psychischen Diagnosen – einschmilzt und damit Behandlungschancen für ihre Versicherten reduziert, bleibt fraglich.
Wie der Zulassungsausschuss aber dann wirklich entscheiden wird, bleibt vorerst abzuwarten.

Heide Matschuck

 

Politische Entwicklungen in der KV Hessen

Wie Ihnen sicherlich zu Ohren gekommen ist, hat nach dem Rücktritt der beiden KV-Vorstandsmitglieder Dr. ­Zimmeck und Dr. Zimmermann aufgrund strafrechtlich ­relevanter staatsanwaltlicher Ermittlungen auf der Vertreterversammlung der KV Hessen Ende Januar eine Neuwahl des Vorstandes stattgefunden. Gewählt wurde als Vorsitzender des Vorstandes Herr Dastych, HNO-Arzt aus Bad Arolsen und bisheriger Vorsitzender der Vertreterversammlung der KV Hessen. Weiteres Vorstandsmitglied wurde Dr. Haas, Hausarzt aus Lautertal und bisheriger stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung. Die Psychotherapeuten in der Vertreterversammlung der KV Hessen haben im Vorfeld dieser Wahl mehrere Gespräche mit den beiden Kandidaten für den Vorstand geführt. Ein wichtiges Ziel dieser Gespräche war die Einrichtung eines Psychotherapie-Referates in der KV Hessen, damit unsere Interessen und Anliegen in der Verwaltung und beim Vorstand der KV Hessen besseres Gehör und bessere Berücksichtigung finden.
Der KV-Vorstand hat der Einrichtung dieses Psycho­therapie-Referates zugestimmt, die entsprechende Logistik wird derzeit auf Verwaltungsseite vorbereitet. Besetzt wird es auf Vorschlag und mit Unterstützung aller psychotherapeutischen Mitglieder der Vertreterversammlung mit Michael Ruh, der dann in einem Zeitumfang von 13 h/Woche in der KV Hessen tätig sein wird.
Trotz dieser erfreulichen Entwicklung gibt es zwei weitere Angelegenheiten, die für uns wenig erfreulich sind. Die Vertreterversammlung der KV Hessen hat im letzten Jahr beschlossen, dass nicht nur die hausärztliche sondern auch zusätzlich die fachärztliche Weiterbildung durch eine Umlage bei allen Mitgliedern der KV gefördert werden soll. Dies war, da die Hausärzte und die Fachärzte die Mehrheit in der Vertreterversammlung besitzen, mit den Stimmen der Psychotherapeuten nicht zu verhindern. Dadurch hat sich die Umlage, wie Sie dem Honorarbescheid 3/2012 entnehmen können von 0,14 % auf 0,28 % erhöht, so dass Sie entsprechend weniger Honorar erhalten. Ob und wie die eingenommenen Mittel auch unseren Berufsgruppen für die Fort- und Weiterbildung zukommen können, ist derzeit  Gegenstand unserer Gespräche mit der KV Hessen.
Eine weitere Entwicklung können die Psychotherapeuten in der Vertreterversammlung ebenfalls nicht aufhalten, sondern allenfalls die finanzielle Belastung verringern. Wie Sie sicherlich schon in der Presse gelesen haben, wird die KV Hessen den ärztlichen Bereitschaftsdienst umstrukturieren, um vor allem die niedergelassenen Ärzte auf dem Land von einer Vielzahl von Diensten zu entlasten. Die derzeitige Planung des Bereitschaftsdienstes führt dazu, dass von allen KV-Mitgliedern ein Fehlbetrag in Millionenhöhe zu tragen ist und von Mitgliedern mit einem Honorarumsatz bis 100.000 €/Jahr ein Betrag von 310 €/Quartal oder 1.240 €/Jahr zu bezahlen ist. Obwohl die Psychotherapeuten nicht an diesem Bereitschaftsdienst aktiv beteiligt sind, da wir keine ärztlichen Aufgaben übernehmen können, sieht es so aus, dass wir beim Bezahlen mit dabei sind. Dies wird sich nach unserer Einschätzung auch rechtlich nicht verhindern lassen, da das Bundessozialgericht schon geurteilt hat, dass wir uns an Gemeinschaftsaufgaben der KV, wie dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, finanziell beteiligen müssen.

Michael Ruh

 

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