Radikalisierung in Medizin und Psychotherapie

Berufsverbände treffen sich zum 17. Sächsischen Psychotherapeutentag in Dresden

Zwickau, 17. Oktober 2019 – Haben Psychotherapeut*innen die Möglichkeit oder sogar Verantwortung, Einfluss zu nehmen, wenn politische Meinungen die Würde des Menschen verletzen und rassistische Äußerungen alltagstauglich zu werden scheinen? Wie selbstbestimmt können Psychotherapeut*innen im Zuge elektronischer Patientenakten und neuer digitaler Techniken bleiben? Ändert sich damit das Gesundheitsverständnis und die Arzt-/Therapeuten-Patienten-Beziehung? Welche Werte sind für die Berufsgruppe unumstößlich? Diese Fragen diskutieren drei Psychotherapie-Berufsverbände am 25. Oktober 2019 auf dem 17. Sächsischen Psychotherapeutentag in Dresden. „Die Gesellschaft ist im Wandel. Politische Gesinnungen werden radikaler formuliert. Gerade hier bei uns in Sachsen formiert sich eine zwiegespaltene politische Diskussion“, kritisiert Sven Quilitzsch, Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV).

Namhafte Referenten

Die sächsischen Landesverbände des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und der DPtV haben Ihre Berufskolleg*innen eingeladen, um die Thematik gemeinsam zu diskutieren und eine Position zu finden. Neben den namhaften Referent*innen Prof. Dr. Ernst-Dieter Lantermann und Frau Prof. Dr. Silja Samerski hat sich auch die amtierende Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Frau Barbara Klebsch für die Fachtagung angemeldet.

Rassismus contra Abstinenz?

„Das therapeutischen Setting ist grundlegend geprägt durch ein abstinentes Verhalten der Psychotherapeut*innen“, erklärt Sven Quilitzsch. „Das heißt, dass sie das Vertrauensverhältnis nicht für eigene Interessen, Wünsche oder Bedürfnisse nutzen dürfen.“ So seien etwa Beziehungen zu den Patient*innen verboten – und die eigene Meinung solle in der Therapie auch keine Rolle spielen. Doch wie handelt man angesichts der Zunahme radikaler und mitunter rassistischer Meinungsäußerungen in sozialen Medien, in der Öffentlichkeit oder in der Therapie?

Meinungen dürfen Würde nicht verletzen

„Verschiedene Meinungen gehören in eine pluralistische Gemeinschaft. Aber es muss Grenzen geben, auch in dem, was und wie gesagt wird“, betont Quilitzsch. „Politische Gegner – ob links oder rechts – dürfen jedoch nicht in ihrer Würde verletzt werden. Sonst erkrankt nicht nur der einzelne Mensch, sondern die ganze Gesellschaft, und die Psychotherapeut*innen fungieren nur noch als Flickschuster*in eines krankenden System.“

Pressemitteilung als PDF

Mit mehr als 14.000 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist die DPtV die größte Interessenvertretung für Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Psychotherapeuten in Ausbildung in Deutschland. Die DPtV engagiert sich für die Anliegen ihrer Mitglieder und vertritt erfolgreich deren Interessen gegenüber Politik, Institutionen, Behörden, Krankenkassen und in allen Gremien der Selbstverwaltung der psychotherapeutischen Heilberufe.

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Sven Quilitzsch
Landesvorsitzender Sachsen

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