Ministerium zieht Antrag zu „Rasterpsychotherapie“ zurück

DPtV dankt Unterstützer*innen und warnt vor Psychotherapie-Vorurteilen

Berlin, 2. Juni 2021 – „Die ,Rasterpsychotherapie‘, die drohende Rationierung von Leistungen, ist vorerst vom Tisch. Wir sind sehr erleichtert und danken allen Unterstützer*innen sowie den fast 200.000 Unterzeichner*innen der Petition“, sagt Gebhard Hentschel, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). Die SPD-Fraktion hatte am Dienstag mitgeteilt, dass der Änderungsantrag 44 (ehemals 49) zum Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (GVWG) zurückgezogen worden sei. „Psychotherapie wird von vielen Bürger*innen geschätzt und in ihrem Kern verstanden – nämlich als zeitlich und fachlich individuelle Leistung“, betont Hentschel. „Das müssen wir weiterhin schützen.“

Vorurteile in Diskussion um Psychotherapie

„Die Diskussion über Psychotherapie ist nach wie vor durch viele Vorurteile geprägt“, kritisiert Hentschel. So habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kürzlich den Vorwurf wiederholt, dass in Regionen mit hoher Psychotherapeutendichte die Wartezeiten nicht kürzer seien. „Dies entspricht nicht den Fakten. Unsere Zahlen zeigen deutlich: Die Versorgung hat sich mit mehr Psychotherapeut*innen verbessert. Je höher die Psychotherapeutendichte, umso kürzer sind Wartezeiten auf Erstgespräche und Behandlungen.“ Auch der Vorwurf, Therapien gingen über den Bedarf hinaus, decke sich nicht mit den Zahlen: Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigten, dass Patient*innen, die im Anschluss an eine psychotherapeutische Sprechstunde eine weitere ambulante Psychotherapie benötigen, zu 16,5 Prozent Akutbehandlungen, zu 74 Prozent Kurzzeittherapien und nur zu 9,5 Prozent Langzeittherapien nutzen. „Patient*innen kommen nur so lange zur Therapie, wie sie diese brauchen“, betont Psychotherapeut Hentschel. „Indikationsbezogene Zeitvorgaben werden den individuellen Ansprüchen einer Behandlung nicht gerecht.“

Schnelle Hilfe in Corona-Zeiten

„Die Corona-Pandemie belastet die Menschen stark. Wir brauchen keine Rationierung von Psychotherapie, sondern schnelle, unbürokratische Hilfe für psychisch Erkrankte“, fordert der Bundesvorsitzende. Helfen könne eine Erleichterung der Kostenerstattung durch die Krankenkassen, kurzfristige, zeitlich begrenzte Ermächtigungen durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Möglichkeit von Anstellungen ohne Leistungsbegrenzung.

Pressemitteilung (PDF)