Persönlicher Kontakt bleibt Goldstandard in Psychotherapie

DPtV präsentiert Umfrage zu Video und Telefon in der Corona-Pandemie

Berlin, 11. Mai 2020 – „Die Psychotherapeut*innen haben flexibel reagiert und nutzen die technischen Möglichkeiten, um auch in der Corona-Krise für ihre Patient*innen da zu sein“, betont Gebhard Hentschel, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). In einer Blitzumfrage hatte der Berufsverband seine Mitglieder zur Nutzung von Video-Software und Telefon während der Corona-Pandemie befragt.* 77 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie die Möglichkeit psychotherapeutischer Videositzungen nutzen – 95 Prozent davon erst seit Beginn der Krise. „Die Befragten, die Video einsetzen, versorgen auf diesem Wege im Durchschnitt 40 Prozent ihrer Patient*innen.“ In 15 Prozent dieser Praxen werden 90 bis 100 Prozent der Patient*innen per Video behandelt. Zwei Drittel der befragten Psychotherapeut*innen schätzen die Wirksamkeit einer Videobehandlung im Vergleich zum persönlichen Kontakt als schlechter ein. „Der Goldstandard in der Psychotherapie ist der persönliche Kontakt – und wir hoffen, dass dieser bald wieder problemlos möglich sein wird. Bis dahin werden die Psychotherapeut*innen aber alle Möglichkeiten nutzen, ihre Patient*innen gut zu versorgen“, sagt Hentschel. Laut Befragung lag die Praxisauslastung insgesamt bei durchschnittlich 78 Prozent im Vergleich zum Zeitraum vor der Corona-Pandemie.

Telefonische Unterstützung auch für neue Patient*innen wichtig

66 Prozent der Befragten stellten in ihren Praxen einen erhöhten Bedarf an telefonischer Hilfe fest. „Video funktioniert nicht immer reibungslos. Über ein Fünftel der Befragten kritisierte schlechte Internetverbindungen. Telefon gibt es aber überall“, erklärt Hentschel. „Bislang steht die telefonische Versorgung nur Patient*innen offen, die sich bereits in Behandlung befinden. Gerade in dieser psychisch belastenden Zeit muss auch neuen Patient*innen psychotherapeutische Unterstützung per Telefon zur Verfügung stehen.“

Fehlender Blickkontakt erschwert Therapie

„Die Videobehandlung stellt während der Corona-Pandemie sicher, dass auch Patient*innen mit Vorerkrankungen oder Risikogruppen psychotherapeutisch behandelt werden können“, betont Hentschel. Dennoch gebe es konkrete Nachteile gegenüber dem persönlichen Kontakt. 50 Prozent der Befragten habe angegeben, dass sie Video mehr anstrenge. Zudem erschwere das Fehlen des direkten Blickkontakts für 39 Prozent die Therapie. Trotzdem könnten sich 57 Prozent der Befragten vorstellen, auch nach der Corona-Pandemie Videositzungen anzubieten – 19 Prozent lehnten dies ab, ein Viertel habe sich noch keine Meinung gebildet. „Die Erfahrungen sind tatsächlich unterschiedlich. Wichtig ist aber, dass Psychotherapeut*innen in diesen Zeiten flexible Möglichkeit haben, um helfen zu können“, sagt Hentschel. „Wir plädieren deshalb dringend für eine Verlängerung der Ausnahmeregelungen um ein weiteres Vierteljahr.“

*Aus praktischen Gründen werden hier nur die Ergebnisse der Vertragspsychotherapeut*innen in eigener Praxis (89 Prozent) dargestellt. Die komplette Umfrage finden Sie hier (Download PDF).

 

Pressemitteilung (PDF)

 

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