Pressemeldung 02/2009

Auch die Psyche ist ganz „normal“ krank – Gegen Stigmatisierung

Der rapide Anstieg von Verhaltensstörungen und psychischen Erkrankungen wird anhalten und stellt ein gesamtgesellschaftliches Problem dar. „Die gleichwertige Akzeptanz und Behandlungsmöglichkeit von psychischen neben den somatischen Erkrankungen ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe postindustrieller Gesellschaften im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts. Es muss endlich Schluss sein mit der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen“, betonte jetzt Dipl. Psych. Dr. Hans Nadolny, Vorstandsmitglied der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV).

Nadolny erklärte nachdrücklich, dass auch ein Mensch mit Verhaltensstörungen oder psychischen Erkrankungen ein „ganz normaler“ Kranker ist. Die immer noch in weiten Teilen der Öffentlichkeit gelebte Stigmatisierung dieser Menschen führe nicht selten dazu, dass viele Betroffene aus Scheu und Scham vor Stigmatisierung sich nicht rechtzeitig oder ausreichend in Behandlung begeben und ihre Erkrankung nicht nach außen kommunizieren.

Wie das Statistische Bundesamt bei seiner Veröffentlichung der Daten für 2006 mitteilte, werden im deutschen Gesundheitswesen rund 26,7 Mrd. Euro jährlich für die Behandlung psychischer Erkrankungen ausgegeben. Die Arbeitsunfähigkeitstage liegen mit 29 bis 42 Tagen und mehr als 42 Tage überdurchschnittlich hoch im Vergleich zu somatischen Erkrankungen. Ihr Anteil an den Gesamtkosten für Krankheiten des Jahres 2006 lag bei 11,3 Prozent.

„Diese Zahlen belegen, wie wichtig es neben der an erster Stelle stehenden Linderung des Leides der Patienten auch volkswirtschaftlich ist, sie einer adäquaten und ausreichenden Psychotherapie zuzuführen. Das geht aber nur, wenn wir sie als Gesellschaft als das behandeln was sie sind: Ganz normale Patienten.“