Pressemeldung 04/2009

Psychotherapie im Alter ist wirksam und effektiv

Berlin/Leipzig, 5. Juni 2009. Betroffenen, Ärzten und vielen Betreuern von älteren und alten Menschen ist nicht bewusst, dass psychotherapeutische Verfahren auch bei alten Menschen wirksam sind. Anlässlich des am Montag in Leipzig beginnenden 9. Deutschen Seniorentages unterstreicht der Vorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), Dipl.-Psych. Dieter Best die Erkenntnis, dass psychische Störungen bei älteren Menschen oft nicht erkannt und nicht fachgerecht behandelt werden.

 

Ältere Menschen haben oft mehr Scheu, psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen beim Arzt oder gegenüber Angehörigen anzusprechen als jüngere. Sie sind in einer Zeit aufgewachsen, in der psychische Krankheiten mit Schwäche oder mit „Verrückt-Sein“ gleichgesetzt wurden. Wer von psychischen Krankheiten betroffen war, konnte sich niemand anvertrauen und musste sein Leid mit sich selbst ausmachen.    

 

„Daher ist es verständlich, dass viele Ältere nicht von sich aus über ihr Problem sprechen, wenn sie nicht z.B. vom Hausarzt darauf aufmerksam gemacht werden“, meint Dieter Best, Vorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung. Viel zu häufig werden Signale des Patienten nicht als Hinweise auf eine psychische Störung erkannt und viel zu oft und zu schnell werden Psychopharmaka verschrieben. Nicht selten haben die Ärzte einfach nicht ausreichend Zeit, da das Wartezimmer voll ist. Nach einer Untersuchung der Gmünder Ersatzkasse (GEK-Report ambulant-ärztliche Versorgung 2007, Schwerpunkt Psychotherapie 2007) sinkt spätestens ab einem Alter von 60 Jahren die Häufigkeit von Psychotherapien steil ab. Ab 75 Jahren werden kaum noch Psychotherapien in Anspruch genommen, obwohl sie auch im höheren Alter wirksam sind. Stattdessen steigt die Verschreibung von Antidepressiva mit zunehmendem Alter stark an. „Fast jede fünfte 80jährige Frau erhält eines dieser Medikamente, übrigens in der Mehrzahl der Fälle ohne dass eine Depression diagnostiziert worden ist. Mit anderen Worten: Eine fachgerechte Versorgung von älteren Menschen mit psychischen Problemen ist nicht gewährleistet“, betont der Psychologe.    

 

„Bei Menschen, die den Krieg noch miterlebt haben, können traumatisierende Erlebnisse ein Leben lang in Form von posttraumatischen Belastungsstörungen nachwirken. Sie treten sogar im höheren Lebensalter eher wieder verstärkt auf, als zu Zeiten, in denen der betroffene Mensch durch Familie und Arbeit abgelenkt war“, berichtet Best.  

 

„Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Psychotherapie bei älteren Menschen nicht wirkt“, betont Best. Umso tragischer sei es, dass die Erkenntnis so wenig auch bei den Fachleuten, wie Ärzten, Pflegern und anderen Altenbetreuern bekannt ist. Psychische Krankheiten sind genauso ernst zu nehmen wie körperliche Krankheiten.

 

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