Pressemitteilung 08/2011

TK-Report zu psychischen Erkrankungen bei Studenten - Techniker Krankenkasse zieht falsche Schlüsse

Berlin, 02.07.2011. „Die Behauptung der Techniker Krankenkasse, eine hohe Zahl von Therapeuten sei verantwortlich für eine erhöhte Inanspruchnahme von Psychotherapien, kann nicht unwidersprochen bleiben. Aus der geringeren Inanspruchnahme von psychothera-peutischen Leistungen in absolut unterversorgten Gebieten zu schließen, dort werde auch weniger Psychotherapie benötigt, ist absurd. Vielmehr ist es doch logisch, dass dort wo das Angebot wie im Osten sehr gering und die Wartezeiten sehr lang sind, weniger Psychotherapien stattfinden“ äußerte der Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) Dipl.-Psych. Dieter Best heute in Berlin.

Im gerade von der Techniker Krankenkasse präsentierten Gesundheitsreport 2011 wurde besonders die Gruppe der Studierenden untersucht. Alarmierend ist die zunehmende Einnahme von Antidepressiva bei Studenten, insbesondere bei Studentinnen. Nach den Angaben der TK nehmen 8 Prozent der  Studentinnen Antidepressiva ein, das entspricht einem Anstieg von 44 Prozent gegenüber dem Jahr 2006. Nur 4,4 Prozent der Studentinnen dagegen suchten psychotherapeutische Hilfe. In Regionen mit besserer psychotherapeutischer Versorgung ist die Rate der Medikamentenverschreibung geringer, was darauf hindeutet, dass dort wo es an psychotherapeutischen  Behandlungsmöglichkeiten mangelt, notgedrungen auf Medikamente ausgewichen wird. Dass Psychotherapie wirksam ist und Kosten spart, hat die TK gerade vor zwei Wochen öffentlich verkündet, als sie ihre groß angelegte Studie zur Wirksamkeit von Psychotherapie bekannt gab. Auf diese Studie wurde bei der Vorstellung des TK-Reports nicht eingegangen.

Ohne Zweifel ist nicht jede psychische Störung behandlungsbedürftig und nicht jede vom Arzt vergebene Diagnose einer Depression ist kritisch geprüft. „Wenn die TK aber die Zunahme psychischer Krankheiten und den steigenden Bedarf an Psychotherapien in Frage stellt und die Menschen, die an psychischen Krankheiten leiden, nicht ernst nehmen, trägt dies nicht zu einem sachlichen Umgang mit psychischen Krankheiten bei“ so Best. Jüngst hatte auch die Barmer GEK auf ihrem Medizinkongress in Berlin in Zweifel gestellt, dass es einen steigenden Bedarf an Psychotherapien gäbe. „Damit werden Vorurteile bedient, die der Psychotherapie und den psychisch Kranken schaden. Den Krankenkassen geht es vermutlich um die Vermeidung von Kosten, die mit der Behandlung psychischer Krankheiten entstehen. Wir wünschen uns, dass psychische Krankheiten genauso ernst genommen werden wie körperliche Krankheiten. Deren Behandlungs-notwendigkeit wird ja auch nicht in Frage gestellt.“

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