Protest gegen TSVG muss weitergehen

Gemeinsame Pressemitteilung - Psychotherapeutenverbände

Berlin, 13.12.2018. Es ist ein beachtenswertes Ergebnis für die Petition ID 85363, darin sind sich die Psychotherapeutenverbände einig, ist es doch gelungen mit 145.752 (Stand 12.12.2018, 12.00 Uhr) Stimmen online und zusätzlich mehr als 25.000 Stimmen auf Unterschriftenlisten ein deutliches Zeichen gegen den TSVG-Entwurf zu setzen. Das Bundesministerium für Gesundheit plant in einem problematischen Passus des Gesetzes, den freien Zugang zur psychotherapeutischen Behandlung zu erschweren. „Wir dürfen nicht nachlassen mit unserem Bemühen, um das Wohl unserer Patienten zu kämpfen“, sagten die Verbandsvertreter der drei initiierenden Verbände (Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), Deutsche Psychotherapeu-tenVereinigung (DPtV) und der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (VAKJP) bei einer Pressekonferenz heute nach der Übergabe der Petition an den Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin. Der Protest wird von insgesamt 28 Verbänden der Psychotherapeuten unterstützt.

Der Gesetzentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) hatte bei Psychotherapeuten, Patienten und in der breiten Bevölkerung erheblichen Widerspruch hervorgerufen und in den letzten Tagen große mediale Aufmerksamkeit geweckt. In Paragraf 92, Abs. 6a (neu) Sozialgesetzbuch V (SGB V) des TSVG-Entwurfs ist zwingend eine vorgeschaltete Instanz vor dem eigentlichen Zugang zum behandelnden Psychotherapeuten vorgesehen. Das würde eine zusätzliche erhebliche Belastung der hilfesuchenden Patienten bedeuten.

„Das ist eine Diskriminierung psychisch kranker Menschen und ein erster Schritt zur Abschaffung der freien Arztwahl“, sagte die Petentin Adriadne Sartorius, Mitglied im bvvp-Vorstand. „Das werden wir nicht hinnehmen.“

„Es ist erschreckend, wie Unterstellungen und Vorurteile politische Maßnahmen bestimmen - Vorurteile, die die alltägliche Berufsrealität von Psychotherapeuten und auch die gegebene Studienlage völlig ignorieren“, betonte Angelika Haun, 1. stellvertretende Vorsitzende des bvvp während der Pressekonferenz. Sie nahm damit auch Bezug auf die jüngsten Behauptungen des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, der unterstellte, Psychotherapeuten würden lieber „leichte“ Fälle behandeln und schwer psychisch Erkrankte warten lassen.

Die Vorsitzende des VAKJP, Helene Timmermann, machte auf die besondere Situation von Kindern und Jugendlichen aufmerksam. „Kinder sind wissbegierig und eher als Jugendliche bereit, sich vertrauensvoll auf eine neue Beziehung einzulassen. Wenn sie aber von mehreren Therapeuten „angesehen“ und „beurteilt“ werden, stellt sich Misstrauen ein oder sie verweigern sich. Der Weg zum Psychotherapeuten sei für viele Menschen immer noch mit Scham und Schwierigkeiten verbunden.

„Besonders Jugendliche tun sich oft schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen und von ihren Schwierigkeiten zu sprechen.“

Gebhard Hentschel, stellvertretender Bundesvorsitzender der DPtV, verwies auf die seit 1. April 2017 geltende neue Psychotherapie-Richtlinie, die eine psychothera-peutische Sprechstunde und eine Akutbehandlung vorsehen. „Die psycho-therapeutische Sprechstunde ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang der Patienten zu einem persönlichen Erstkontakt, einer diagnostischen Abklärung und Indikationsstellung“, berichtete Hentschel. Eine weitere Instanz sei völlig unnötig, äußerte er. „Durch die neuen Regelungen konnten die Wartezeiten auf einen ersten Termin bereits erheblich verbessert werden, wie neueste Untersuchungen zeigen.“

Wichtig sei es, endlich die Bedarfsplanung, also die Planung der zur Versorgung zugelassenen Psychotherapeuten, an die heutigen Gegebenheiten anzupassen. „Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen unterscheidet sich in ländlichen und städtischen Regionen kaum. Dennoch differieren die Verhältniszahlen in den Planungstypen städtischer, ländlicher und angeblich durch Städte mitversorgter Regionen erheblich“, unterstrich Hentschel.

 

Pressemape (Pdf)

 

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