Abgeschlossene Forschungsprojekte

2015-2017: Deprexis-Studie

Ergebnisse der Deprexis-Studie

Erste Studienergebnis-Veröffentlichung der Deprexis-Studie

Zum Hintergrund und den Methoden:

Hintergrund:

Depressive Störungen sind häufig in der Gesellschaft und stellen eine erhebliche Krankheitslast dar. Mittlerweile gibt es neben der Behandlung mit ambulanter Psychotherapie auch evaluierte Online-Hilfsmittel für Patienten mit einer Depression. Es sind Hilfsmittel, die sich mglw. zur Verringerung der depressiven Symptomatik eignen, da beispielsweise bestimmte psychoedukative Inhalte, Entspannungsübungen, Techniken zur Aktivitätssteigerung oder kognitiven Restrukturierung im Online-Format vermittelt werden können. Es war bis vor kurzem im deutschen Gesundheitssystem kaum oder nicht bekannt, ob ein technisch „ausgereiftes“ Online-Hilfsmittel, wenn es als ergänzendes Hilfsmittel zur regulären Psychotherapie eingesetzt wird, eine zusätzliche Wirkung im Vergleich zu der regulären Psychotherapie bei Depressionen haben kann. Dies untersuchten wir u.a. mit unserer „Deprexis-Studie“. Vgl.: https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/gesundheitspolitik/forschungsprojekte/#c6136

Methodik:

Es wurden Patientinnen und Patienten (N = 98) über 18 Jahre mit einer unipolaren Depression in psychotherapeutischen Behandlungen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im Laufe ihrer ersten Sitzungen für diese Studie gewonnen und innerhalb der an der Studie teilnehmenden Therapeutenschaft auf eine von zwei aktiven Behandlungsbedingungen randomisiert. Die eine Hälfte der Patienten erhielt reguläre und regelmäßige Psychotherapie, die andere erhielt ebenso reguläre und regelmäßige Psychotherapie plus das Online-Hilfsmittel "Deprexis". Die depressiven Symptome wurden vorab mit dem Beck Depressions-Inventar (BDI-II) und nach 12 Wochen und 6 Monaten erneut erhoben. Sekundär wurden Angstsymptome, somatische Symptome wie auch die Lebensqualität nach 12 Wochen und 6 Monaten im Follow-up evaluiert. Die Studie umfasste zudem eine Bewertung der therapeutischen Allianz nach 6 und 12 Wochen. Die wissenschaftliche Studienleitung und Datenerhebungen erfolgten durch Prof. Dr. Thomas Berger (Universität Bern) sowie Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker (Universität Zürich).

Ergebnisse mit Einschränkungen:

Vorab ist einschränkend festzuhalten: Die Studie hatte letztlich eine kleinere als die ursprünglich geplante Stichprobengröße, zudem war die Dropout-Rate bei der Nachuntersuchung nach 6 Monaten hoch. Es zeigte sich dennoch in unserer Untersuchung, dass die Kombination von Psychotherapie mit dem angewendeten Online-Hilfsmittel „Deprexis“ signifikant effektiver war als die alleinige Psychotherapie, dies gemessen nach einem 12 Wochen-Einsatz, mit mittleren Effektstärken bezüglich des Unterschieds zwischen den beiden Gruppen bei depressiven Symptomen (primäres Outcome; Cohen's d = 0,51) und kleinen bis mittelgroßen Effektstärken bei sekundären Outcomes (Cohens d = 0,07-0,55). Während in der Psychotherapie-allein-Gruppe eine durchschnittliche Senkung des BDI-II Wertes von ca. 5 Punkten über 12 Wochen beobachtet wurde, senkte sich dieser Wert in der Online-Hilfsmittel Gruppe um durchschnittlich ca. 10 Punkte. Es wurden insgesamt keine Nebenwirkungen beobachtet, z. B. keine niedrigere therapeutische Bindung (Arbeitsallianz) als in der Psychotherapie allein. Die Patientenzufriedenheit mit dem Angebot war insgesamt hoch.

Schlussfolgerungen: Die Studie liefert trotz relativ kleiner Stichprobengröße erste Hinweise dafür, dass die Verwendung des Online-Hilfsmittels Deprexis als Add-On in einer regulären Psychotherapie im Blended Treatment eine hilfreiche Möglichkeit für zukünftige Behandlungen von Depressionen sein kann. Diese Ergebnisse sind konsistent mit kürzlich publizierten weiteren Befunden, nach denen dieses Hilfsmittel auch in der stationären psychotherapeutischen Depressionsbehandlung nützlich sein kann bzw. die Wirksamkeit der Gesamtbehandlung steigern kann (Zwerenz et al., 2017). Sämtliche detailliertere Ergebnisse unserer Studie stehen Ende Nov. 2017 im „Journal of Affective Disorders“ zur Verfügung: http://www.jad-journal.com/article/S0165-0327(17)31255-7/fulltext

Literatur

Berger, T., Krieger, T., Sude, K., Meyer, B., & Maercker, A. (im Druck). Evaluating an e-mental health program ("deprexis") as adjunctive treatment tool in psychotherapy for depression: Results of a pragmatic randomized controlled trial. Journal of Affective Disorders.

Zwerenz, R., Becker, J., Knickenberg, R. J., Siepmann, M., Hagen, K., & Beutel, M. E. (2017). Online Self-Help as an Add-On to Inpatient Psychotherapy: Efficacy of a New Blended Treatment Approach. Psychotherapy and Psychosomatics, 86(6), 341-350.

Ablauf der Deprexis-Studie:

Approbierte Psychotherapeuten der DPtV konnten bundesweit durch Einbindung von 10 Patienten mit unipolarer Depression an der Studie teilnehmen. Den Patienten wurde Deprexis, ein computergestütztes, überwiegend auf verhaltenstherapeutischen Methoden basierendes Hilfsmittel für die psychotherapeutische Behandlung, das als zusätzliches Element bei der Behandlung der unipolaren Depression eingesetzt werden kann, zur Verfügung gestellt.

Durchgeführt wurde die Studie von der DPtV und der GAIA AG unter der wissenschaftlichen Leitung der Universitäten Bern, Prof. Dr. Thomas Berger, und Zürich, Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker. Das Studienprotokoll wurde von diesen unabhängigen Wissenschaftlern erstellt. Die Studie wurde von einer Ethikkommission begutachtet und über das Trial-Registry angemeldet.

Ziel der randomisiert-kontrollierten Studie (RCT) war,  unter realistischen Praxisbedingungen zu klären, ob und in welchem Ausmaß die Patienten/innen sowie Psychotherapeuten von dem Hilfsmittel profitieren. Weitere explorative Fragestellungen wurden gemeinsam von beiden Projektpartnern entwickelt und bestimmt. Da es sich um eine RCT-Studie handelte, nahmen nur 50% der Patienten an der Studie teil und nutzten das Online-Hilfsmittel. Die anderen 50% (=Kontrollgruppe) erhielten zunächst keinen Zugang zum Programm, wurden jedoch gebeten, an den Online-Befragungen teilzunehmen. Nach Studienende erhielt auch die Kontrollgruppe Zugang zu Deprexis.

führt die DPtV, gemeinsam mit den Entwicklern des Online-Hilfsmittels “Deprexis” (GAIA) diese umfassende Studie durch. Die wissenschaftliche Leitung wird in wenigen Wochen mit den Auswertungen erster Rohdaten beginnen.

Nach anfänglich großem Interesse innerhalb der Profession und im Verband haben sich etwa 30 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus der Mitgliedschaft entschieden, an der gemeinsamen Studie verbindlich und v.a. über einen längeren Zeitraum mitzuwirken. Diese erhielten eine entsprechende Einführung und Schulung. Von den geschulten Therapeuten konnten knapp 100 Patientinnen und Patienten eingebunden werden. Die DPtV möchte sich an dieser Stelle besonders bei allen Studien-Teilnehmer/innen wie auch bei der o.g. wissenschaftlichen Leitung und beim Schulungsleiter Dr. Björn Meyer herzlich bedanken!

2011: Mitgliederbefragung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung

DPtV in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Jürgen Wasem (Gesundheitsökonomie, Medizinmanagement)

Es handelt sich um eine schriftliche Befragung mit dem Ziel, die Versorgungsrealität in der ambulanten Psychotherapie in Deutschland zu beschreiben. Angeschrieben wurden alle regulären DPtV-Mitglieder. Antworten erhielten wir von n=2497 Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten bundesweit.Erhoben wurden u.a.:

  • die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz (regionale Unterschiede?)
  • die durchschnittliche Therapiedauer und die Anzahl der durchgeführten Behandlungsstunden je nach Fachkunde
  • mögliche Einflüsse von sozioökonomischen Unterschieden auf die Wartezeit
  • die Teilnahme der Therapeuten an neuen Versorgungsformen (Alters- /regionale Unterschiede?)
  • Vergleiche mit der Grundgesamtheit der Psychotherapeuten
  • Unterschiede im Aufnahmesystem je nach Fachkunde und Region
  • die Zahl der tatsächlich durchgeführten Behandlungsstunden (Unterschiede nach Alter, Geschlecht der Therapeuten etc.
  • der Anteil an Privatpatienten vs. GKV-Versicherten

Fragebogen

Die Auswertung der Studie ist abgeschlossen. Sämtliche Ergebnisse können Sie im Abschlussbericht nachlesen, außerdem können Sie die Pressemappe zur Pressekonferenz am 14.2.2011 ansehen, die eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse sowie die Statements vom Bundesvorsitzenden der DPtV Dieter Best und von Prof. Jürgen Wasem enthält. Ebenso finden Sie hier die Folien zur Präsentation der Ergebnisse auf der Pressekonferenz durch Prof. Jürgen Wasem und die Auswertung der freien Bemerkungen aus der Umfrage.

Abschlussbericht „Erhebung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung 2010“

Pressemappe

Folienpräsentation zur Pressekonferenz

Auswertung der freien Mitteilungen der DPtV-Versorgungsumfrage

2010: Ambulante Psychotherapie in Deutschland aus Sicht der PatientInnen

Albani, C., Blaser, G., Geyer, M., Schmutzer, G. & Brähler, E.

„Ambulante Psychotherapie in Deutschland aus Sicht der PatientInnen – Teil I Versorgungssituation“

„Ambulante Psychotherapie in Deutschland aus Sicht der PatientInnen – Teil II Wirksamkeit“

Es handelt sich um eine telefonische Befragung von 1212 ehemaligen Psychotherapiepatienten. Die Studie bezieht sich auf Grunddaten wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Schulbildung der Patienten und auf die Wirksamkeit der Psychotherapie im Hinblick auf die psychische Krankheit.

Fragestellungen im Einzelnen:

  • Wer gab den Anstoß für die Psychotherapie)
  • Wie lange sind die Wartezeiten?
  • Wie oft fand eine begleitende medikamentöse Behandlung statt?
  • In wie vielen Fällen ging eine Psychotherapie voraus?
  • Wie stark chronifiziert sind die Krankheiten?
  • Dauer und Frequenz der ambulanten Psychotherapie
  • Besserungs- und Verschlechterungsraten der SymptomatikEinfluss der Psychotherapie auf weitere Lebensbereiche (z.B. Arbeitsfähigkeit, soziale Beziehungen)
  • Veränderung der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen durch die Psychotherapie
  • Zufriedenheit mit dem Psychotherapeuten

Die Studie wurde der DPtV vorab zur Verfügung gestellt. Sie wird in der Zeitschrift „Psychotherapeut“ (Springer-Verlag) erscheinen.

Eine Pressererklärung und erste Ergebnisse der Studie veröffentlichte die DPtV am 30.09.2010.

2010: Pilotstudie EPA: Europäisches Praxisassessment, Psychotherapie DPtV in Kooperation mit dem AQUA-Institut Göttingen

Es wurde eine Pilotstudie zur Weiterentwicklung des Qualitätssicherungsinstrumentes EPA für den Bereich der Psychotherapie durchgeführt. Die Studie bestand aus mehreren Modulen: Patientenbefragung, Therapeutenbefragung (Selbstassessment) und Zuweiserbefragung. Es handelte sich um eine schriftliche Befragung.

Den Psychotherapiepatienten (n=214) wurden zusätzlich einige versorgungsrelevante Fragen gestellt, darunter zu folgenden Themen:

  • Zuweisungswege zur Psychotherapie
  • Wartezeit
  • Psychotherapeutische Vorbehandlungen
  • Begleitende medikamentöse Behandlung
  • Zufriedenheit mit der Kooperation des Psychotherapeuten mit dem Arzt bzgl. der Abstimmung über AU und über medikamentöse Behandlung
  • Komorbidität

Für die Befragung wurde der validierte Patientenfragebogen Europep eingesetzt, der auch den Kriterien der Freiburger Patientenkommission genügt.

Erste Ergebnisse zur Patientenzufriedenheit: S. Wilms, A. Klingenberg (2010). Kooperationsprojekt: Das Qualitätsmanagement-System EPA für psychotherapeutische Praxen. Psychotherapie Aktuell 3, S. 18-20.

2009-2010: Analyse der Konsistenz der Diagnosekodierungen sowie der Berichtsqualität im Rahmen des Gutachterverfahrens zum Antrag auf ambulante Psychotherapie, Prof. Mühlig, TU Chemnitz

Es handelt sich hierbei um ein umfangreiches Forschungsprojekt zur Evaluation der Diagnosekodierungen und des Gutachterverfahrens.

Teil 1 umfasst die Analyse der Diagnosekodierungen auf den Psychotherapieanträgen im Vergleich zu den Diagnosen im Bericht an den Gutachter und zu den Abrechnungsdiagnosen. Es wird angenommen, dass die „offiziellen“ Diagnosen, die der Krankenkasse mitgeteilt werden, schwächer sind als die „wahren“ Diagnosen. Im Hinblick auf den Morbiditätsbezug bei der Finanzierung der GKV-Leistungen ist diese Frage von großer Bedeutung.

In Teil 2 soll die Tauglichkeit des Gutachterverfahrens als Instrument der Qualitätssicherung untersucht werden. Es wird außerdem Aufschluss erwartet zur Frage der Qualität und inneren Konsistenz der Fallkonzeptualisierungen, wie sie sich im Bericht an den Gutachter darstellen . Weitere Ergebnisse werden erwartet u.a. zum Schweregrad und zur Chronizität, Komorbidität und zu Behandlungsverläufen bei psychischen Krankheiten.