Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz (PsychThGAusbRefG) verabschiedet


26. September 2019 – Ein großer Schritt ist geschafft! Das Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz wurde am 8. November 2019 im Bundesrat beschlossen. „Das ist ein bedeutender Schritt für die Psychotherapie in Deutschland“, freut sich Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). „Die Ausbildungsreform der Psychotherapeut*innen ist ein großes Ziel, das wir über viele Jahre verfolgt haben.“ Das Gesetz soll zum 1. September 2020 vollumfänglich in Kraft treten.

Was erreicht wurde

Die jahrelangen Proteste, Diskussionen und Verhandlungen haben endlich Früchte getragen. Nun gilt auch für die Psychotherapeut*innen die bei den anderen akademischen Heilberufen bewährte Struktur von grundständiger Ausbildung an der Universität und anschließender Weiterbildung. Anders als bisher werden zukünftige Psychotherapeut*innen ein fünfjähriges Master-Studium „Psychotherapie“ absolvieren, das mit einer staatlichen Approbationsprüfung und -erteilung endet. Die Student*innen sollen dabei alle anerkannten psychotherapeutischen Verfahren und Methoden kennenlernen. Anschließend können sie – analog zu anderen akademischen Heilberufen – eine mehrjährige Weiterbildung zum/r Fachpsychotherapeut*in anschließen. Hier spezialisieren sie sich auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen, auf ein Therapieverfahren oder Fachgebiete mit entsprechender Gebietsbezeichnung (z. B. Neuropsychologie). Die Weiterbildung erfolgt in praktischer Berufstätigkeit, womit ein Anspruch auf Vergütung entsteht. Nach abgeschlossener Weiterbildung und einer Prüfung durch die jeweilige Psychotherapeutenkammer sind der Eintrag in das Arztregister und damit eine Kassenzulassung möglich. Die jetzigen Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA) werden für die Übergangszeit eine finanzielle Unterstützung erhalten. Für heutige Studierende und PiA sieht das Gesetz eine Übergangsregelung von zwölf Jahren (bis Herbst 2032) vor, innerhalb derer eine Ausbildung zum PP und KJP nach altem Recht noch möglich ist. Auf Drängen der PiA wurde eine Härtefallregelung hinzugefügt, die eine mögliche Verlängerung um drei Jahre vorsieht.

 

Was noch verbessert werden muss

„Diese neue Struktur ist eine deutliche Verbesserung, wenngleich eine angemessene Vergütung mit dem Gesetz noch nicht erreicht ist“, betont Barbara Lubisch. Festgeschrieben wurde 1000 Euro für die jetzigen PiA in der praktischen Tätigkeit. Das ist wenig und entspricht bei weitem nicht der von den jungen Kolleg*innen geleisteten Arbeit und Qualifikation als Akademiker*innen. Möglicherweise werden zukünftig in einer Klinik für einen Übergangszeitraum Psychotherapeut*innen in Aus- und Weiterbildung arbeiten, die für die gleiche Tätigkeit unterschiedlich vergütet werden. Dies ist kein erstrebenswerter Zustand. Auch für die zukünftigen Psychotherapeut*innen in Weiterbildung (PiW) ist die Finanzierung noch unzureichend geregelt. Unsere Forderung nach einer über die GKV-Finanzierung hinausgehenden, zusätzlichen Förderung der Weiterbildung ist von der Politik nicht aufgegriffen worden. Nur so wären jedoch sowohl die qualifizierte Weiterbildung mit Theorie, Supervision und Selbsterfahrung von den Instituten sicher zu finanzieren als auch die PiW adäquat zu vergüten. Für die Förderung und eine Bezahlung nach Tarif werden wir uns weiter einsetzen.

 

Wie es weitergeht

Mit diesem Reformgesetz kommen enorme Herausforderungen auf den Berufsstand zu. Die Universitäten und die Psychotherapeutenkammern stehen vor großen Aufgaben: Die Studiengänge müssen eingerichtet und die darauf aufbauenden Weiterbildungsordnungen erarbeitet werden. Ein Wermutstropfen: Die dafür essentiell notwendige Approbationsordnung liegt noch nicht vor. „Wir appellieren an das Bundesministerium für Gesundheit, diese nun zügig und im Sinne der Anforderungen aus der Profession vorzulegen“, sagt Lubisch.

 

Was wir tun

Wir beteiligen uns an der Erarbeitung der Weiterbildungsordnungen. Insbesondere die im Gesetz vorgesehenen neuen Regelungen zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung (u. a. Förderung Kurzzeittherapie, Abschaffung Antrags- und Gutachterverfahren, Entwicklung von Qualitätssicherungs-Maßnahmen, Richtlinie zur berufsgruppenübergreifenden Versorgung) sind von uns in den nächsten Wochen kritisch zu prüfen und entsprechender Änderungsbedarf deutlich zu machen. Wir werden weiter auf Bundes- und Landesebene aktiv sein und unsere Forderungen in die Politik einbringen.