Digitalisierung des Gesundheitswesens


Die Digitalisierung des Gesundheitswesens macht auch vor den psychotherapeutischen Praxen nicht Halt. Die Gesundheitspolitiker*innen in Deutschland räumen der Digitalisierung im Gesundheitswesen hohe Priorität ein und haben dazu etliche gesetzliche Vorschriften erlassen.
Schon das E-Health-Gesetz aus der letzten Legislaturperiode des Bundestages sollte die Einführung der Telematikinfrastruktur beschleunigen. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD wird der „Offensive für Digitalisierung“ hohe Priorität eingeräumt, ein „E-Health-Gesetz II“ ist schon angekündigt. Die Digitalisierung wird die organisatorischen Abläufe in den Praxen verändern, keine Frage. Der Einsatz digitaler Techniken in der Kommunikation und Behandlung wird derzeit bereits von vielen Patienten*innen und Psychotherapeuten*innen gewünscht und genutzt. So ist zum Beispiel die Terminvereinbarung per E-Mail für viele Patient*innen und Praxen üblich, eine Behandlung über Video wird gewünscht, weil kurzfristig die Praxis nicht aufgesucht werden kann, Patienten*innen nutzen die Selbsthilfe-APPs der Krankenkassen, die KV-Abrechnung wird digital übersandt.

Telematikinfrastruktur

Die Einführung der Telematikinfrastruktur ist der aktuelle Baustein der Digitalisierung, über den in den Praxen derzeit heftig diskutiert wird. Arztbriefe, Medikationsplan, aber auch „normale Befundberichte“, Röntgenbilder und ähnliches sollen über diesen Weg sicherer transportiert werden als per Brief, Fax, oder (unverschlüsselter!) E-Mail. Aufwand und Kosten für den TI-Konnektor sind immens. Da die Gesundheitsdaten die sensibelsten Daten überhaupt sind, erscheint es uns angebracht, hier die allergrößte Sorgfalt zu investieren. Ob diese konkreten Kosten angemessen sind können wir allerdings nicht beurteilen.

Videobehandlung

Die Videobehandlung ist der nächste Baustein. Im November 2018 haben die Delegierten des Deutschen Psychotherapeutentages die Muster-Berufsordnung der Psychotherapeuten geändert und darin die Bedingungen festgelegt, unter denen eine solche Videobehandlung stattfinden kann. Im nächsten Schritt wurde zum 15. April 2019 die Psychotherapie-Vereinbarung entsprechend geändert, die Anpassung des EBM für die Abrechnung der Videobehandlung auch für die Leistungen des Kapitel 35 wird voraussichtlich zum Oktober wirksam werden. Dann kann auch die Psychotherapie per Video (unter bestimmten Voraussetzungen) in der vertragspsychotherapeutischen Versorgung werden.

Sicherheit ist höchstes Gut

Aber die Digitalisierung birgt Risiken. Sie fordert von uns Psychotherapeuten*innen, den Umgang mit und die Sicherheit der Patient*innendaten immer wieder neu zu überdenken und zu überprüfen. Denn eines bleibt unverändert, die Sicherheit und Privatheit der Patient*innendaten ist das höchste Gut einer Psychotherapie.

Die DPtV ist sich dieser Herausforderung sehr bewusst. Deshalb fordert sie die Beteiligung unserer Berufsgruppe an der sinnvollen Mitgestaltung der digitalen Kommunikation und der weiteren digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen. Hier gilt es zum Beispiel, Einfluss zu nehmen auf die inhaltliche Gestaltung der elektronischen Patientenakte, sodass die für die Psychotherapie erforderliche Vertraulichkeit der therapeutischen Beziehung nicht gefährdet oder in Frage gestellt wird, sensible Daten der Patienten ausreichend sparsam verwendet und durch Verschlüsselung geschützt werden. Es ist unstrittig und wird vom DPtV-Bundesvorstand einhellig unterstützt, dass allein die Patient*innen das Recht haben, umfänglich über die Speicherung, Offenlegung und Weitergabe ihrer Daten (wie Diagnosen oder Behandlungen) zu entscheiden. Dafür werden wir weiter eintreten!