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Telematikinfrastruktur

Die Telematikinfrastruktur ist aktueller Baustein der Digitalisierung im Gesundheitswesen und soll grundlegend die digitale Kommunikation der beteiligten Akteure ermöglichen. Dazu wurden in den verschiedenen Digitalisierungsgesetzen sowohl die digitalen Anwendungen als auch die zeitlichen Fristen definiert.

Nachdem 2018/2019 zuerst das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) eingeführt wurde, folgten 2020/2021 der elektronische Medikationsplan (eMP), das elektronische Notfalldatenmanagement (NFDM) und die elektronische Patientenakte (ePA).

Der elektronische Medikationsplan und der Notfalldatensatz werden auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert. Die PP und KJP besitzen für beide Anwendungen das Leserecht. Die ePA wird seit dem 1. Januar 2021 den gesetzlich Versicherten von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt. Die Nachfrage von Krankenversicherten ist nach Angaben der Krankenkassen noch sehr gering.

2021 sollten weitere Anwendungen dazukommen, die mit gesetzlichen Fristen versehen sind:

  • bis 01.07.2021 ePA-ready Status in der Praxis
  • bis 01.10.2021 elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)  – verschoben wegen technischer Mängel
  • bis 01.01.2022 elektronisches Rezept (eRezept) – verschoben wegen technischer Mängel

Nützliche Informationen und Checklisten:

Elektronischer Medikationsplan (eMP)

Zu den Daten des eMP gehören

  • Patientenstammdaten wie Name, Adresse und Geburtsdatum,
  • medikationsrelevante Daten wie Allergien und Unverträglichkeiten,
  • Angaben zur Medikation, das heißt alle Arzneimittel, die ein*e Patient*in einnimmt und Informationen zur Anwendung (Dosis, Zeitpunkt, Häufigkeit etc.). Dies umfasst sowohl von Ärzt*innen oder  Zahnärzt*innen verordneten Medikamente als auch Arzneimittel, die rezeptfrei in der Apotheke erworben wurden (Selbstmedikation). Zusätzlich sind Arzneimittel aufgeführt, die aktuell nicht mehr angewendet werden, die jedoch für die Überprüfung der Sicherheit der Arzneimitteltherapie durch Ärzt*innent, Apotheker*innen oder Zahnärzt*innen relevant sein können.

PP und KJP haben für den elektronischen Medikationsplan ein Leserecht. Notwendig hierfür ist der elektronische Psychotherapeutenausweis und es bedarf dazu immer der Zustimmung und Freigabe der Versicherten. Damit die entsprechenden Datensätze von PP und KJP überhaupt gelesen werden können, benötigen die an die TI angeschlossenen Praxen ein Software-Update für den Konnektor und die Praxisverwaltungssoftware (PVS). Die Erstattungspauschalen (und damit voraussichtlich auch die Kosten) für dieses Update belaufen sich seit dem 1. Oktober 2019 auf 530 Euro. Des Weiteren werden die quartalsweisen Betriebskostenpauschalen geringfügig erhöht (um 4,50 Euro). Voraussichtlich ist dieses dafür notwendige Update erst im Laufe des kommenden Jahres 2020 verfügbar.

Notfalldatenmanagement (NFDM)

Das Notfalldatenmanagement beinhaltet Informationen zu

  • Allergien und Unverträglichkeiten, vor allem gegen Arzneimittel,
  • Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden,
  • Diagnosen, die im Notfall relevant sind,
  • weitere medizinische Hinweise, beispielsweise zu einer aktuellen Schwangerschaft oder zu Implantaten,
  • Kontaktdaten zu behandelnden Ärzten sowie zu Personen, die im Notfall verständigt werden sollen.
  • In einem Datensatz persönliche Erklärungen (DPE) können zudem weitere Informationen darüber gespeichert werden, ob und an welcher Stelle wichtige Dokumente wie Organspendeausweis, Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht zu finden sind

Nur Ärzte, Zahnärzte und deren Mitarbeiter sowie Angehörige bestimmter anderer Heilberufe (z.B. Notfallsanitäter) dürfen die Notfalldaten lesen – im Ernstfall auch ohne sein unmittelbares Einverständnis, etwa wenn der Patient bewusstlos ist.

Kommunikation im Medizinwesen (KIM)

Psychotherapeut*innen können mit KIM untereinander und mit anderen Heilberufen über die Telematikinfrastruktur abgesichert und rechtsverbindlich kommunizieren. Die KBV bietet hierfür den Dienst kv.dox an. Aktuelle Hinweise finden Sie auf den Seiten der gematik und der KBV:

Elektronische Patientenakte (ePA)

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist im Sinne des Datenschutzes die derzeit wohl zurecht umstrittenste digitale Anwendung. Wir versuchen weiterhin aktiv Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung der ePA zu nehmen, damit die für die Psychotherapie erforderliche Vertraulichkeit der therapeutischen Beziehung nicht gefährdet oder infrage gestellt wird. Diese sensiblen Daten dürfen, wenn überhaupt, nur äußerst sparsam für die ePA verwendet und müssen durch Verschlüsselung und sichere Datenspeicherung geschützt werden. Wir legen Wert darauf, dass nur die Versicherten das Recht haben dürfen, über die Speicherung, Offenlegung und Weitergabe ihrer Daten (wie Diagnosen oder Behandlungen) zu entscheiden. Dabei hat oberste Priorität, dass sowohl das Anlegen als auch die Nutzung der ePA vollumfänglich freiwillig bleiben muss! Bevor der Datenschutz und die Datensicherheit nicht ausreichend gewährleistet sind, darf unseres Erachtens keine ePA für die Versicherten ausgegeben werden.

Elektronischer Psychotherapeutenausweis (ePtA)

Der elektronische Psychotherapeutenausweis (ePtA) dient der Authentifizierung von Psychotherapeut*innen innerhalb digitaler Anwendungen und dem rechtsverbindlichen Signieren und Verschlüsseln von Dokumenten (wie zum Beispiel elektronischen Briefen oder zukünftig auch der Quartalserklärung für die KV-Abrechnung). Dieser wird von den Landespsychotherapeutenkammern herausgegeben.

Zukünftige Anwendungen Telematikinfrastruktur

Der Gesetzgeber hat in den kommenden Jahren weitere Anwendungen und Änderungen in der Telematikinfrastruktur vorgesehen. Wir werden Sie zeitnah über die Voraussetzungen und Anforderungen informieren und begleiten den Entwicklungsprozess insbesondere unter Datenschutzgesichtspunkten weiter kritisch.

Der KIM-Dienst soll künftig um einen Messengerdienst erweitert werden, mit dem innerhalb der TI Kurznachrichten verschickt werden können. Spätestens bis 2026 sollen die elektronischen Verordnungen (eVerordnungen) für Medizinprodukte, Heil- und Hilfsmittel verpflichtend eingeführt werden. Dazu sollen ab 2024 weitere Leistungserbringer*innen wie z. B. Hebammen oder Ergotherapeut*innen an die TI angebunden werden. Ab 2023 sollen sich alle TI-Nutzer mit sogenannten digitalen Identitäten ausweisen können. Außerdem sollen digitale Pflegeanwendungen (DiPA) entwickelt und der Datenaustausch zwischen DiGA, DiPA und TI-Anwendungen wie z. B. der elektronischen Patientenakte (ePA) ermöglicht werden. Spätestens 2026 wird dann vermutlich auch für PP/KJP die Nutzung des KIM-Dienstes für die eVerordnungen verpflichtend. Vielleicht passiert das auch schon früher im Rahmen von elektronischen Überweisungen (eÜberweisungen). Dies ist derzeit nur ein Ausschnitt der kommenden Veränderungen.

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