Systemische Therapie

Vergütung für das vierte Richtlinienverfahren geregelt

Endlich ist es geschafft – seit 1. Juli 2020 ist die Systemische Therapie für Erwachsene vollumfänglich als Richtlinienverfahren in das System der gesetzlichen Krankenkassen integriert und kann als solche abgerechnet werden. Hierzu wurden die Positionen 35431 bis 35435 für die Einzelbehandlung und 35703 bis 35709 für die Gruppenbehandlung in das Kapitel 35 des EBM aufgenommen.

Zuvor wurde bereits die Psychotherapie-Richtlinie geändert (22. November 2018), die Systemische Therapie als Richtlinienverfahren aufgenommen und mit der Änderung der Psychotherapie-Vereinbarungen am 28. November 2019 auch der Rahmen für die Durchführung der Systemischen Therapie festgelegt

Die Kontingente und Bewilligungsschritte orientieren sich an denen der anderen Verfahren: Sprechstunde (bis zu 6 à 25 Min.), Aktutbehandlung (bis zu 24 à 25 Min.), Probatorik (2 bis 4 à 50 Min.), KZT 1 und KZT 2 (je 12), LZT (36 bzw. 48 ) ggf. mit Rezidivprophylaxe (8 bzw. 16).

Einzeltherapie ist auch in Einheiten von 25 Minuten mit entsprechender Vermehrung und in doppelstündigen Sitzungen mit entsprechender Verminderung der Gesamtsitzungszahl möglich. Gruppentherapie ist ebenfalls im Umfang von 36 bzw. 48 Sitzungen in Doppelstunden möglich.

Die Systemische Therapie kann im Mehrpersonensetting erbracht werden. In diesem Fall ist dies in Einheiten von mindestens 50 Minuten und in doppelstündigen Sitzungen mit entsprechender Verminderung der Gesamtsitzungszahl durchzuführen.

Wer kann nun die Systemische Therapie anbieten und abrechnen?

Die Qualifikation bzw. Fachkunde in Systemischer Therapie muss gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung (Abteilung Qualitätssicherung) erfolgen und dort kann ebenfalls die Abrechnungsgenehmigung beantragt werden.

Die Qualifikationsanforderungen für die Fachkunde in der Systemischen Therapie sind nach der Psychotherapie-Vereinbarung wie folgt nachzuweisen:

1. Approbationsausbildung zur/zum Psychologische*n Psychotherapeut*in mit Vertiefungsverfah­ren Systemische Therapie

oder

2. Approbation/Fachkundenachweis in analytischer Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie oder Verhaltenstherapie

und zusätzlich die Berechtigung zum Führen der Zusatzbezeichnung Systemische Therapie, aus der sich ergibt, dass eingehende Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Systemischen Therapie bei Erwachsenen erworben wurden.

  • Dieser Nachweis kann durch eine Weiterbildung bzw. ein Weiterbildungszertifikat der jeweiligen Landespsychotherapeutenkammer erbracht werden. Da noch nicht alle Landespsychotherapeutenkammern die Systemische Therapie in die Weiterbildungsordnung aufgenommen haben, kann diese Kammer auch bescheinigen, dass die erbrachten gleichwertig gemäß Musterweiterbildungsordnung der BPtK sind. Diese Übergangsregelung hat Gültigkeit bis zum 30. Juni 2026.
  • Informieren Sie sich bei Ihrer Landespsychotherapeutenkammer. Auf den Seiten der KVen finden Sie auch schon Antragsformulare zur Anerkennung der Zusatzbezeichnung Systemische Therapie mit Informationen zu den Übergangsregeln.