DPtV fordert endlich adäquate Bedarfsplanung für Psychotherapeuten

Aktuelle Krankenstands-Analyse der DAK 2016 - Pressemitteilung 01/2017

Berlin, 31.01.2017. Die jetzt von der DAK vorgelegten Zahlen zum erneuten Anstieg von Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund psychischer Erkrankungen stärken die wiederholte Forderung nach adäquater Bedarfsplanung. Dipl.-Psych. Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), fordert „Wir müssen diesem Trend mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenwirken. Es werden offensichtlich zu wenige Menschen mit den vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten erreicht. Das Ziel muss sein, den Betroffenen bei entsprechenden Arbeitsunfähigkeitszeiten auch eine psychotherapeutische Behandlung anbieten zu können.“

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat mit Wirkung zum 1. April 2017 umfangreiche strukturelle Änderungen im Versorgungsangebot der Psychotherapeuten auf den Weg gebracht, die ein zeitnahes Sprechstunden- und Akutversorgungsangebot vorsehen. „Diese Versorgungsangebote erfordern jedoch ausreichende ambulante Behandlungskapazitäten. Genau dafür ist eine am tatsächlichen Behandlungsbedarf orientierte Bedarfsplanung notwendig“, konstatiert Lubisch. Gerade in Regionen wie bspw. Ostdeutschland, dem Ruhrgebiet und auch in ländlichen Regionen ist eine zu geringe Psychotherapeutendichte vorhanden, obwohl gleichzeitig die meisten Fehltage genau dort auftauchen. „In Anbetracht des hohen Leidensdrucks, der immensen Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen, wie auch den hohen volkswirtschaftlichen Kosten sind endlich Korrekturen der lang bekannten Fehler in der Bedarfsplanung zu lösen.“

In manchen Planungsbereichen ist ein Psychotherapeut für 9.103 Einwohner vorgesehen (Verhältniszahl Einwohner / Psychotherapeut/in). Bei 246 Fehltagen je hundert Beschäftigten, wie die DAK Analyse zeigt, wären das zwischen 10.000 und 20.000 Fehltage (je nach Anzahl der Erwerbstätigen), die eine (!) Psychotherapeutin bzw. ein Psychotherapeut abfangen müssten. Die DPtV begrüßt daher die vom Gesetzgeber im GKV-VSG (GKV Versorgungsstärkungsgesetz) vorgeschriebene Überarbeitung der Bedarfsplanungsrichtlinie mit besonderem Fokus auf die psychotherapeutische Versorgung.

„In keiner Fachgruppe der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung gibt es derartige regionale Unterschiede, geradezu Missstände im Versorgungsangebot. Es bleibt völlig unverständlich, warum die Überarbeitung nicht längst abgeschlossen ist – im Gesetz war dafür der 1. Januar 2017 vorgesehen“, betont Lubisch. „Wir können nicht länger warten, denn die Auswirkungen von psychischen Erkrankungen auf die Erwerbsfähigkeit nehmen offensichtlich von Jahr zu Jahr zu“.

Die Krankenstands-Analyse der DAK zeigt einen alarmierenden Trend an: Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht. Die meisten Fehltage entstanden dem Report zufolge im Jahr 2016 aufgrund von Depressionen, akuten Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Erstmals sind psychische Erkrankungen bei den Frauen die häufigste Ursache für Fehlzeiten. Dabei gilt für Männer und Frauen, dass die Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen auch in 2016 weiter angestiegen sind, sie betragen im Schnitt 38 Tage je Erkrankung.

 

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