Daten und Fakten für bessere Versorgung notwendig

22.06.17

Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher

Berlin, den 22. Juni 2017. „Für die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendliche sowie von Kindern psychisch kranker Eltern benötigen wir dringend eine aussagekräftige Datenbasis, die bisher sehr unzureichend ist“, sagte Dipl.-Psych. Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) anlässlich des Symposiums ‚Psychotherapie in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen’ heute in Berlin. Die Bedingungen, unter denen die Kinder und ihre Familien leben, arbeiten und lernen, haben sich sehr verändert, die Ansprüche an Alle sind größer und die Freiräume für Kinder kleiner geworden. Nach Schätzungen der Bundesregierung leben rund 3,8 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit psychisch kranken Eltern. „Die elterliche Erkrankung kann dabei einen deutlichen Risikofaktor für die kindliche Entwicklung darstellen“, betonte Lubisch.

Eine solide Datenbasis werde benötigt, um damit eine realitätsnahe Versorgungsplanung zu gestalten, daran mangele es bisher. Mit der seit April gültigen neuen Psychotherapie-Richtlinie sei man einen guten Schritt vorangekommen, benötige aber weitere Ergänzungen, um den speziellen Versorgungsbedarf auch decken zu können. Die Etablierung von umfassenden präventiv-psychotherapeutischen Angeboten sei ebenso wichtig, wie die mulitprofessionelle Versorgung von Kindern und Jugendlichen. „Die Öffentlichkeit und die Politik müssen psychische
Erkrankungen endlich als bedeutsam für die Entwicklung der Kinder wahrnehmen und damit auch für die soziale und gesellschaftliche Entwicklung in unserem Land“. Dies gelte auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Es reiche nicht aus, sinnvolle Konzepte zu entwerfen, man
müsse diese auch umsetzen. „Wir brauchen dazu neben weiteren Handlungsmöglichkeiten wie z.B. Aufsuchen der Kinder und Jugendlichen in ihrer Lebenswelt durch die Behandler insbesondere ausreichende personelle Kapazitäten, um den Kindern und Jugendlichen in ihrer
Entwicklung gerecht zu werden“, forderte Barbara Lubisch nachdrücklich.

Die Aachener Psychotherapeutin Lubisch präsentierte heute auch die gesundheitspolitischen Forderungen der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung. Kernbotschaften sind:

  • Zügige Umsetzung der Reform des Psychotherapeutengesetzes
  • Die Reform der Bedarfsplanung als vordringliche Aufgabe
  • Entwicklung fach- und sektorenübergreifender Rahmenbedingungen zur Versorgung psychisch erkrankter Menschen
  • Bessere Vergütung für Psychotherapie im ambulanten und stationären Bereich
  • Sicherung der Qualität von E-Health-Anwendungen
  • Förderung der Prävention und der betrieblichen Psychotherapie
  • Bessere psychotherapeutische Versorgung der geflüchteten Menschen

Das jährliche Sommersymposium der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlichen und den veränderten Lebenswelten, in dem sie heute aufwachsen.

 

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