Offener Brief an den Vorstand der DFT

22.09.17

Zur Kenntnis an die Bundespsychotherapeutenkammer sowie an die Vorstände der Berufs- und Fachverbände der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

über die Stellungnahme des DFT- Vorstands (https://goo.gl/S92hme) zum Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 20. Juli 2017 und über Ihr Schreiben an Herrn Bundesminister Gröhe (s. Anhang und https://goo.gl/Qx4thS) sind wir, die Unterzeichnenden dieses Offenen Briefes, entsetzt und bestürzt. Ebenso befremdet sind wir über die Zustimmung des DFT-Vorstands zum Ausbildungs-Konzept der Krankenkassen (https://goo.gl/29U89E).

Wir haben uns als aktive Mitglieder der DFT und in fruchtbarer Kooperation mit anderen Fach- und Berufsverbänden stets für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Belange der tiefenpsychologisch fundiert arbeitenden Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. Die meisten von uns waren und sind in den Gremien der Psychotherapeutenkammern und der Kassenärztlichen Vereinigungen engagiert und haben dort von der DFT immer das Bild einer für die psychodynamische Psychotherapie relevanten Fachgesellschaft vermittelt. Auch dadurch konnte sich mit der DFT eine wissenschaftliche Fachgesellschaft entwickeln, die den psychodynamisch orientierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus allen Grundberufen eine gemeinsame wissenschaftliche 'Heimat' und fachpolitische Unterstützung geboten hat. Dieses wurde u.a. dadurch möglich, dass wir uns in der DFT für einen sachlichen Dialog gerade auch zwischen unseren ärztlichen, psychologischen und pädagogischen Mitgliedern eingesetzt haben und darin von unseren Mitgliedern unterstützt worden sind. Dabei haben wir respektiert, dass auch prominente Vertreter der DFT etwa in der Frage der Ausbildungsreform eine andere Position vertreten haben als die Mehrheit der Mitglieder unserer Fachgesellschaft und der verfassten Psychotherapeutenschaft.

Die jetzt vom DFT-Vorstand veröffentlichten Schreiben zum Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung verlassen leider jede für einen ernsthaften Diskurs notwendige sachliche Ebene: 

  • Durch die entwertende Wortwahl, wie z.B. „Vortäuschung einer Expertise“, „Verbraucherschutz wird suspendiert“ und die Aufstellung von verzerrenden und wahrheitswidrigen Behauptungen wie z.B. „Umgestaltung der gesamten Medizin“ oder „diesem …Projekt einer einzelnen Kammer“, werden die vom Deutschen Psychotherapeutentag – der demokratisch gewählten Vertretung aller approbierten PP und KJP – konsentierten Positionen und Vorschläge (vgl. https://goo.gl/j7wUsV) auf unsägliche Art und Weise diffamiert. 
  • Durch seine einseitige und populistische Positionierung läuft der derzeitige Vorstand Gefahr, die Mitgliedschaft der DFT in „ärztliche“ und „nicht-ärztliche“ Mitglieder zu spalten, eine Spaltung, die in jahrelanger politischer und fachlicher Kommunikation erfolgreich überwunden werden konnte.

Diese Positionen und die Art und Weise des fachlichen Dialogs zwischen Angehörigen unseres Berufs werden wir nicht länger durch unsere Mitgliedschaft unterstützen!

Wir haben uns daher schweren Herzens entschlossen, die DFT zum Jahr 2018 zu verlassen und werden unsere Mitgliedschaft vor dem 30. September 2017, dem satzungsgemäß hierzu letztmöglichen Termin, kündigen.

Uns ist diese Entscheidung nicht leichtgefallen, zumal einige von uns zu den Gründungsmitgliedern DFT zählen. Aber nachdem alle Versuche gescheitert sind, eine solche Rückwärts-Bewegung des DFT-Vorstandes zu verhindern, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.

Wir werden uns weiterhin konstruktiv und mit aller Entschlossenheit auf Basis der Beschlüsse des Deutschen Psychotherapeutentages und im Konsens mit der Mehrheit der Psychotherapeuten (vgl. https://goo.gl/EASbfP) für eine Reform der Psychotherapeutenausbildung einsetzen. Hierfür bietet der Arbeitsentwurf des BMG eine respektable Grundlage. Wir versichern allen tiefenpsychologisch fundiert arbeitenden Kolleginnen und Kollegen, uns weiterhin intensiv für die fachlichen und berufspolitischen Belange der ‚TPler‘ einzusetzen und werden hierfür geeignete Strukturen aufbauen. 

 

Mit kollegialen Grüßen

 

Harry Askitis, Gründungsmitglied der DFT

Hans-Jürgen Barthe

Dr. Annegret Boll-Klatt, Ambulanzleitung Institut für Psychotherapie Hamburg

Hanna Guskowski, stellv. Landesvorsitzende der DPtV Hamburg

Gebhard Hentschel, stellv. Bundesvorsitzender der DPtV

Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der DPtV

Heike Peper, Landesvorsitzende der DPtV Hamburg

Ricarda Müller, ehem. PiA-Sprecherin der DFT

Prof. Dr. Rainer Richter, ehem. Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, Mitgl. Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie

Michael Ruh, stellv. Bundesvorsitzender der DPtV

Sabine Schäfer, stellv. Bundesvorsitzende der DPtV

Karl Heinz Schrömgens, Präsident der Psychotherapeutenkammer Bremen

Klaus Semmler, Gründungspräsident der DFT

Amelie Thobaben, Landesvorsitzende der DPtV Bremen

Kerstin Sude, stellv. Bundesvorsitzende der DPtV

Prof. Dr. Karin Tritt, ehem. Vorstandsmitglied der DFT