Psychotherapeutenversorgungswerk – Stand der Dinge und Perspektiven

Weiterhin zentrales Thema in unserem Versorgungswerk ist die anhaltend extrem restriktive Zinspolitik der euro­päischen Zentralbank und die daraus sich ergebenden Folgen am Kapitalmarkt. Mit den uns erlaubten – eben risiko­armen – Anlagemöglichkeiten ist der angestrebte Rechnungszins kaum noch zu erwirtschaften. Daraus folgen verschiedene Konsequenzen.

Zum einen müssen wir uns, wie schon in unserem letzten Mitgliederrundbrief berichtet, mit anderen Anlagemöglichkeiten auseinandersetzen. Mit einem Bürogebäude in der Hamburger Lilienstraße im Wert von 5,85 Millionen € hat das Versorgungswerk eine zweite Immobilie erworben. Weiterhin werden Anlagemöglichkeiten in Immobilien gesucht. Selbstverständlich kommt nicht jedes Angebot für uns infrage. Ein weiteres Bürogebäude in Braunschweig wurde schon zu Beginn der technischen Prüfung nicht weiter in Erwägung gezogen, ebenfalls ein Bürogebäude für knapp 13 Millionen € in Hamburg-Rahlstedt, ein Neubau, der aber nach der technischen Prüfung mit zu großen Risiken behaftet schien. Aber auch die Anlage in Immobilien gestaltet sich schwierig. Selbstverständlich sind wir nicht die einzigen institutionellen oder auch privaten Anleger, die Investitionsmöglichkeiten suchen. Unsere Fachleute berichten uns von erstaunlich hohen Preisen auch im Immobiliensektor. Dieses reduziert natürlich auch hier die Renditemöglichkeiten bzw. steigert die Risiken.

Ein anderes Thema, womit sich das Versorgungswerk beschäftigt, ist eine Absenkung des Rechnungszinses. Hierzu wurde ein versicherungsmathematisches Gutachten in Auftrag gegeben. Und verschiedene Aspekte sind zu berücksichtigen. Es ist zuerst dabei die Realverzinsung zu erwähnen. Zum Zeitpunkt als der jetzige Rechnungszins auf 3,5 % festgelegt wurde, lag der Zinssatz der EZB bei etwa 1,5 – 2 %. Auch die Inflationsrate bewegte sich zu der Zeit um diesen Wert. D. h., der Realzins lag bei 1,5 – 2 %. Heute liegt der EZB-Zinssatz bei 0 % und auch die Inflationsrate bewegte sich im vergangenen Zeitraum in dieser Höhe. Bei einer Absenkung des Rechnungszinses auf 1,5 – 2 %, würde also die Realverzinsung konstant gehalten werden. Es soll nur für zukünftig eingezahlte Beiträge der Rechnungszins abgesenkt werden. Dadurch würden die bisher prognostizierten Rentenzahlungen an die bisherigen Mitglieder in der prognostizierten Höhe beibehalten werden können. Nur das Anwachsen der Rentenprog­nosen durch die ab einem Stichzeitpunkt eingezahlten Beiträge würde sich verlangsamen. Dieses hat aber zur Folge, dass sich eine Absenkung des Rechnungszinses nur für neu eingezahlte Beiträge auswirken würde, und sich damit nur langsam in den nächsten Jahren auf den notwendigerweise zu erwirtschaftenden Kapitalertrag auswirken würde.

Ein weiteres Thema hat uns ebenfalls im vergangenen halben Jahr beschäftigt. Durch einen Personalwechsel bei einem unserer Vermögensverwalter wurde aus unserer Sicht die Geschäftsgrundlage für den dort stehenden Vertrag entzogen. Wir haben demzufolge den Vertrag für die Verwaltung von knapp 40 Millionen € gekündigt und ein neues Mandat ausgeschrieben. Nach der schriftlichen Bewerbung verschiedener Vermögensverwaltungen nahm der Verwaltungsrat im Rahmen seiner vorletzten Sitzung persönliche Vorstellungen einiger ausgewählter Kandidaten entgegen. Nach ausführlichen Befragungen und Diskussionen wurde entschieden und ein Mandat vertraglich erteilt. Wir haben uns wiederum für eine private Vermögensverwaltung, die Firma Eyb & Wallwitz, entschieden. Wir sind zuversichtlich, eine gute Wahl getroffen zu haben.

Sie sehen, eine durchaus anspruchsvolle Materie, und Sie können versichert sein, wir sind uns durchaus der Verantwortung bewusst, inzwischen etwa 210 Millionen € Rentengelder für über 7.000 Psychotherapeuten zu verwalten.

Bericht über die Delegiertenversammlung des Psychotherapeutenversorgungswerkes

Die diesjährige Delegiertenversammlung des Psychothera­peutenversorgungswerkes fand am 11. 9. 2015 wie üblich in Hannover statt. Es wurden die Berichte der Vorsitzenden der Delegiertenversammlung, des Vorsitzenden des Verwaltungsrates und der Geschäftsführerin erstattet. Ebenfalls erstatteten der Wirtschaftsprüfer und der Prüfer der versicherungsmathematischen Situation den PVW Bericht.
Weiterhin findet ein Mitgliederzuwachs im erwarteten Rahmen statt (Stand Ende 2014: 6902 Mitglieder). Auch im Jahr 2014 gab es freiwillige Mehrzahlungen zu den Beiträgen der Mitglieder in hohen Umfang. Das Versorgungswerk erzielte im Jahr 2014 ein Vermögenszuwachs von etwa 30 Mio. € und verfügte zum Ende des Jahres über ein Gesamtkapital knapp 162 Mio. €.
Interessant sind einige Kennzahlen zur Geldanlage: Wie schon im letzten Rundbrief berichtet, hat das Versorgungswerk im letzten Jahr einen Rekordertrag von 5,8 % brutto über die angelegten Gelder inklusive nicht realisierter Kursgewinne insgesamt erzielt. Für die Versicherungsmathematiker, die bei dieser Zahl nicht realisierte Kurs­gewinne nicht berücksichtigen, liegt diese Zahl bei immer noch guten 3,82 %. Werden realisierte Kursgewinne nicht berücksichtigt, sondern ausschließlich die Erträge aus Zinsforderungen, liegt die Zahl bei 3,48 %, was den Rechnungszins knapp unterschreitet. Diese Zahl ist als Kennzahl für die bestehenden Anlagen und damit als Parameter für die zukünftigen Erträge zu berücksichtigen. In der Zahl ist eine Unschärfe enthalten, dadurch, dass eine große Summe nicht angelegter Gelder, die auf dem Girokonto zwischengelagert werden, einbezogen ist. Die große Summe entstand dadurch, dass Ende letzten Jahres und auch Anfang diesen Jahres und weiterhin, es sich schwierig darstellt, passende Geldanlagen für das Versorgungswerk zu identifizieren. Darüber hinaus werden zu Ende des Jahres die freiwilligen Mehrzahlungen geleistet, die häufig kurzfristig zu Ende Dezember eingehen und sich damit natürlich zum Stichtag 31. Dezember auf dem Girokonto befinden. Dieses bringt aber inzwischen einen gegen Null gehenden Ertrag. Dieser Null-Ertrag fließt in den Durchschnittszins mit ein.
Die im vorherigen Absatz genannten Zahlen sind so zu interpretieren, dass wir für 2014 durchaus noch eine sehr gute Kapitalverzinsung erreicht haben, dass aber die Aussichten für die Zukunft problematisch sind. Wie wir schon vorher wussten, wird es immer schwieriger adäquate Anlagen zu finden. Wachsende Kapitalzuflüsse und auslaufende gut verzinste Papiere, die auch in steigendem Ausmaß Kapital freisetzen, setzen unsere Kapitalanlagemanager immer mehr unter Druck. Alternative Kapitalanlagemöglichkeiten werden immer wichtiger.
Auch aus diesem Grund ist das Versorgungswerk seit einiger Zeit mit einem Makler für Großimmobilien aus Hamburg im Gespräch. In der letzten Verwaltungsratssitzung wurde der Beschluss gefasst, diesen Makler zu beauftragen, für das Versorgungswerk eine größere erwerbbare Immobilie ausfindig zu machen und eine diesbezügliche Anschaffung zu begleiten.
Die Aktivitäten haben erste Erfolge gezeigt. Am 15. Oktober hat der Immobilienausschuss mit dem Besitzer eines Grundstücks in Hamburg verhandelt und die Vereinbarung getroffen, dieses Grundstück für 5,6 Mio. € zu erwerben. Auf dem Grundstück liegt ein Erbpachtvertrag mit einem Betreiber einer internationalen Großmarktkette. Dieser Erbpachtvertrag läuft noch über mehr als 50 Jahre und bringt eine Jahresrendite um die 6 %. Elegant an einem Erbpachtvertrag ist, dass die Bebauung im Besitz des Pächters ist und deswegen sämtliche Unterhaltungskosten von ihm und nicht dem Eigentümer des Grundstücks zu tragen sind. Der Pachtzins ist, im Gegensatz zu einer Vermietung, deswegen im Wesentlichen ein Nettoertrag. Weitere Großimmobilien sind im Angebot und werden von uns geprüft.

Hans Bauer

Bericht zum Psychotherapeutenversorgungswerk

Die beste Nachricht zu Beginn: das Versorgungswerk hat im letzten Jahr, soviel ist schon jetzt zu sagen, vor dem Vorliegen des offiziellen Geschäftsabschlusses, mit knapp 6 % Gesamtkapitalverzinsung sein bestes Jahresergebnis seit Bestehen erzielt. Zumindest für 2014 war die Kapitalanlagestrategie, die der Verwaltungsrat gewählt hat, die richtige. Trotz dieses guten Ergebnisses wollen wir aber nicht über die bestehenden Probleme hinwegsehen.
Das Zinsniveau für Bundesanleihen ist auf praktisch 0 % abgerutscht. Die EZB flutet den Kapitalmarkt, Geld ist so billig wie noch nie und wir haben, wie alle institutionellen Anleger, sukzessiv sich verschärfende Probleme, das Kapital für Ihre Altersversorgung sicher und trotzdem gewinnbringend anzulegen. Von den Fachleuten im Verwaltungsrat wurden wir davor gewarnt, das positive Ergebnis 2014 zu sehr zu feiern. Wir würden das Geld wohl dazu benötigen, zukünftige geringere Gewinne, die sogar unter den Rechnungszins von 3,5 % fallen könnten, auszugleichen. Das Thema bleibt äußerst spannend. Vermehrt nimmt der Verwaltungsrat auch die Möglichkeit der Anlage in Immobilien auf die Tagesordnung.
Auch ansonsten gibt es zum Versorgungswerk Positives zu berichten. Mit ca. 0,15 % waren auch die Gesamtverwaltungskosten des PVW im letzten Jahr nochmals gefallen und stehen auf einem akzeptablen sehr niedrigen Stand. Die Mitgliederzahlen steigen weiter. Ende Februar waren 6730 Kolleginnen und Kollegen Mitglied im PVW. Davon 2573 aus Hessen. Demzufolge steigen sowohl die monatlichen Einnahmen als auch logischerweise das Gesamtvermögen kontinuierlich an. Zum Stichtag Ende Februar betrug das Gesamtvermögen 166.521.785 €. Wie schon in den Vorjahren wurden auch zu Ende 2014 von den Mitgliedern in beachtenswerter Höhe freiwillige Mehrleistungen auf die Beitragskonten geleistet. Wir sind uns des großen Vertrauens, das sie damit gegenüber dem Versorgungswerk und seinem Verwaltungsrat ausdrücken, bewusst. Und demzufolge auch der Verantwortung, die wir für Ihre Altersversorgung tragen.

Hans Bauer