CORONA - Update für Angestellte

Quarantäne, Home-Office oder Ausgangsbeschränkung?
Geschlossene Ambulanzen, verängstigte Patienten oder Coronainfektion?
Was kann ich tun?

Hier gibts aktualisierte Soforthilfe vom Angestelltenausschuss (Stand: 25.04.2020)

 


Liebe angestellte PsychotherapeutInnen, liebe Interessierte,

Aktuell herrscht aktuell Krise! Und uns als angestellte PP und KJP kommt in dieser Krise eine besondere Bedeutung zu. So beschäftigen wir uns nicht nur mit den Auswirkungen des Erlebten auf uns als PsychotherapeutInnen. Die Folgen der Coronakrise erfassen weite Teile der Bevölkerung. Vor allem die häuslichen Ausgangsbeschränkungen, aber auch Quarantäne-Situationen und Home-Office auf Grund möglicher Infektionen und natürlich die (möglichen) Infektionssituationen in Kliniken und auf den Stationen stellen uns vor ungewöhnliche und zum Teil äußerst bedrohlich wirkende Herausforderungen. Kann mein Arbeitgeber mir Urlaub verordnen? Muss ich auf Gehalt verzichten? Was mache ich ohne Kinderbetreuung? Und viele weitere Fragen bewegen uns. Wir vom Angestelltenausschuss der DPtV setzen uns in unserer Arbeit vorranging für angestellte PsychotherapeutInnen ein. Jedoch finden wir, dass Maßnahmen, die im Rahmen von Psychohygiene bei der Krisenbewältigung eingesetzt werden können, auch über den Angestellten- und den Psychotherapeuten-Bereich hinaus sinnvoll sind.

In den Akut- und Rehabilitationsklinken erleben wir derzeit hohen Druck bei unserer Berufsgruppe, aber auch bei Pflegenden, ÄrztInnen etc. Ein besonderes Problem stellt derzeit die Schließung einzelner Abteilungen bzw. Bereitstellung von Betten für Corona-Patienten dar. Die Corona-Pandemie fordert in besonderem Maße die Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Erwachsenenpsychiatrie, Psychosomatik und Forensik heraus. An vielen Standorten sind Tageskliniken und Ambulanzen geschlossen worden. Stationäre Patienten wurden entlassen. Die Besuchs- und Ausgangsregelungen werden restriktiver gehandhabt als zuvor.

Auf den Stationen müssen die psychisch schwer Erkrankten und teilweise stark verängstigten PatientInnen allerdings weiter behandelt werden. Hinzu kommen eigene Ängste und Sorgen vor Ansteckung und vor dem, was noch kommen wird. Auf Grund von Materialknappheit und mangelnder personeller Besetzung gibt es große Sorgen um die eigenen Familien und die eigene Person. Gleichzeitig müssen aber durch angestellte PsychotherapeutInnen auch die Sorgen und Ängste der zu versorgenden PatientInnen gehändelt werden. Und für viele KollegInnen anderer Berufsgruppen sind angestellten PsychotherapeutInnen jetzt AnsprechpartnerInnen in dieser für alle belastenden Zeit. Ist eine Corona-Ansteckung dann erfolgt, muss sich der Mensch mit der Sorge auseinandersetzen, wie das Virus wohl auf den eigenen Körper wirken wird.

Die Berichte aus den Medien schüren weitere Ängste. Eine Konfrontation mit dem Tod in einer nicht vorstellbaren Art und Weise löst Wut, Angst und Hilflosigkeit aus. Die Angst sich mit dem Virus zu infizieren ist sehr hoch.

Wir vom Angestelltenausschuss der DPtV arbeiten in vielen Bereichen mit PatientInnen, bei denen durch Hospitalisierung oder Unterbringung freiheitsbeschränkende Maßnahmen durchgeführt werden (z.B. geschlossene Stationen, palliative Begleitung, Maßregelvollzug etc.). Daher möchten wir in unserer Hilfestellung hier sowohl von „erste-Hand“ Erfahrungen als auch ergänzt durch professionelle Veröffentlichungen berichten. Dabei geht es einerseits um angestellte PsychotherapeutInnen als Betroffene einer Krisensituation sowie Quarantäne, Home-Office und Ausgangsbeschränkungen. Andererseits möchten wir auch auf spezifische Bedürfnisse unserer Berufsgruppe in Anstellung eingehen.

Wir würden uns freuen, wenn dem ein oder der anderen unsere Auflistung helfen würde, um in Anstellung oder auch als niedergelassener PsychotherapeutIn die Zeit in Quarantäne gut und vor allem psychisch gesund zu überstehen. Bei Fragen oder Anregungen, die hier noch nicht erwähnt sind, können Sie einfach an Angstellte@dptv.de eine E-Mail schreiben.

Herzliche Grüße von Eurem Angestelltenausschuss

 


 

(1) Was sind die Folgen von Quarantäne allgemein?


(1.1) Gereiztheit
(1.2) Existenzängste
(1.3) gestresst Sein
(1.4) Nervosität bei möglicherweise Infizierten
(1.5) finanzielle/ökonomische Sorgen
(1.6) Einsamkeit
(1.7) Verschärfung innerfamiliärer Konflikte
(1.8) Misstrauen
(1.9) Stigmatisierung von Krankheitsträgern
(1.10) ablehnende Haltung gegenüber Gesundheitsfachpersonal
(1.11) erhöhtes Auftreten psychischer Störungen
(1.12) Zukunftsängste

 



(2) Wodurch werden die Folgen von Quarantäne besonders verstärkt?


(2.1) wenn Quarantäne nicht freiwillig ist
(2.2) bei Menschen mit psychischen Störungen
(2.3) für Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten (z.B. Pflege, Medizin)
(2.4) bei einseitiger medialer Berichterstattung

 



(3) Möglichkeiten die Folgen von Quarantäne abzumildern


(3.1) Etablieren Sie eine feste Tagesstruktur 
Machen Sie sich einen Plan für den Tag und führen Sie die Aktivitäten durch. Dies hilft nicht nur in Form von Ablenkung, sondern gibt Ihnen auch ein Gefühl von Kontrolle, dass Sie entscheiden können, was Sie (im vorgegebenen Rahmen der Quarantäne) tun wollen und was nicht. Dies gilt natürlich auch für den Schlafrhythmus.

(3.2) Bewegung, Bewegung, Bewegung
Etweder zu Hause oder auch rausgehen, bitte bewegen Sie sich. Das kann ein Spaziergang sein, oder ein Fitnessprogramm mit einem Instagram Star. Machen Sie das, wonach Ihnen ist. Zeit ist ja da.

(3.3) Machen Sie sich bewusst, dass die Zeit bald vorüber sein wird
Sich positive Gedanken machen ist essentiell, gerade für die Zukunft, aber auch, um die aktuelle Situation erträglicher zu machen. Wenn Sie immer nur schwarzmalen, dann wird es auf jeden Fall nicht besser.

(3.4) (extrem) starke Gefühle sind normal in einer extremen Zeit
Auch wenn Sie vielleicht sonst eher der ausgeglichenere Typ sind, jetzt entstehen viele und auch heftige Emotionen, wie beispielsweise Wut, Ärger oder Verzweiflung. Diese Gefühle rauszulassen ist ein wichtiger Prozess in der Krisenbewältigung

(3.5) Orientieren Sie sich an für Sie bisher erfolgreichen Problembewältigungsstrategien
Jeder hatte schon Krisen. Auch Sie. Und Sie wissen am besten, wie Sie die vergangenen Krisen gemeistert haben. Erinnern Sie sich daran und verwenden Sie effiziente Strategien, die Ihnen schon einmal geholfen haben.

(3.6) vermeiden Sie Alkohol, Tabak oder Drogenkonsum als Strategie
Durch Substanzkonsum werden Ihre Probleme nicht geringer, sie werden größer. Immer. Punkt.

(3.7) Informieren Sie sich regelmäßig, aber begrenzen Sie Ihren Konsum von Informationen über die Quarantäne- und Krisensituation 
Wie geht es weiter? Wann wird die Ausgangssperre aufgehoben? Wann bekomme ich mein Testergebnis? Geht es den Schwiegereltern gut? Informieren Sie sich, aber in einem Rahmen, der Ihnen nicht schadet. Und: orientieren Sie sich an wissenschaftlichen Fakten, offiziellen und unabhängigen Quellen. Panikmacher werden versuchen auf sich aufmerksam zu machen. Widerstehen Sie der Versuchung, einfachen Lösungen Glauben zu schenken. Begrenzen Sie den Konsum potenziell beunruhigender Medienberichterstattung und konsumieren Sie stattdessen auch „positive“ oder unabhängig-von-Corona Medien.

(3.8) Sichern Sie Ihre eigene Versorgung
Die Ausgangsbeschränkungen erlauben das Einkaufen von Lebensmitteln und vieles mehr. Erkundigen Sie sich in Ihrem Bundesland nach den genauen Beschränkungen. Gehen Sie einkaufen, kaufen Sie so viel Sie benötigen, keine Hamsterkäufe. Gönnen Sie sich gutes Essen, vielleicht sogar mit einer schönen Zubereitung zu Hause.

(3.9) Nutzen Sie Kreativität in der Reduzierung von Langeweile
Ein großes Feld, hier wird an Ihre Kreativität appelliert. Sie können zum Beispiel kleine Achtsamkeits- oder Entspannungsübungen zu Hause machen. Fordern Sie sich kognitiv durch Spiele oder Rätsel. Oder lesen Sie ein Buch, lesen Sie sich gegenseitig vor, wenn Sie mehrere zu Hause sind.

(3.10) Planen Sie Zeit für Freizeitaktivitäten
Sie können nicht die ganze Zeit nur zu Hause Home-Office machen, aufräumen oder den Haushalt schmeißen. Versuchen Sie sich auch immer täglich eine bestimmte Zeit für Freizeit aufzusparen. Diese Zeit können Sie „ich-Zeit“ nennen oder Sie mit anderen Familienmitgliedern verbringen.

(3.11) Aufrechterhaltung/Intensivierung sozialer Kontakte über die Distanz hinweg
Soziale Kontakte sind wichtig in dieser Zeit. Nutzen Sie z.B. Telekommunikation wie Telefon, Video, Chats oder andere Kommunikationsmittel. Nehmen Sie Anteil am Leben Ihrer Familien oder Ihres Freundeskreise, ohne denen physisch nah sein zu können. Der Austausch von Gedanken und Gefühlen hat eine enorm positive Auswirkung auf die psychische Gesundheit und funktioniert auch, wenn man sich nicht sieht oder nah sein kann. Nutzen Sie, falls vorhanden, die Sozialpartner, die mit Ihnen in einem Haushalt wohnen.

(3.12) Helfen Sie anderen (z.B. Älteren oder Kindern)
Sie können, wenn Sie die Ressourcen haben, anderen helfen. Wenig Dinge werden als so sinnstiftend und so erfüllend erlebte, wie anderen zu helfen. Manchmal ist es schon ein Anruf oder ein Gespräch. Sie können aber auch für andere Einkaufen gehen oder dem Kollegen bei einer kniffligen Aufgabe helfen. Natürlich alles nur, während Sie den Mindestabstand von 1,5m nicht unterschreiten. Hierzu können Sie wiederum Telekommunikation verwenden.

(3.13) Üben Sie Ihren Glauben aus
Glauben versetzt Berge, heißt es. Wenn Sie regelmäßige (religiöse) Rituale durchgeführt haben (z.B. beten, Messebesuch, Austausch mit anderen Gläubigen), dann sollten Sie weiterhin bestimmte Rituale ausüben. Dies kann ein stilles Gebet sein oder der Anruf bei anderen Gläubigen.

(3.14) Nehmen Sie professionelle psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch
Rechtzeitige Unterstützung kann Ihnen nicht nur in Ihrer Krise helfen, sondern kann darüber hinaus auch eine größere psychische Krise gar nicht erst entstehen lassen. Aktuell sind therapeutische Sitzungen auch per Video und in einigen Bundesländern auch per Telefon möglich. Sie können sich auf den Webseiten Ihrer landesspezifischen kassenärztlichen Vereinigung erkundigen. Daneben gibt es Telefonseelsorge-Dienste und extra eingerichtete Corona-Krisentelefone. Erkundigen Sie sich in Ihrer Heimat.

(3.15) Behalten Sie Ihren Humor
Klingt abgedroschen, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Wer der Situation trotz allem ein Lächeln abgewinnen kann, kann auch anderen zeigen, dass man die Situation übersteht. Dadurch verbessern Sie Ihre eigene Laune und helfen gleichzeitig anderen. Eine Win-Win-Situation.
 



4. Fragen rund um die Anstellung


(4.1) Was passiert, wenn ich als Angestellte/r unter Quarantäne gestellt werde?
Im Falle, dass bei Ihnen eine Ansteckung wahrscheinlich ist, müssen Sie zu Hause bleiben. Unter Quarantäne wird man vom Gesundheitsamt gestellt. Dagegen darf man nicht verstoßen, auch dann nicht, wenn der Arbeitgeber dies vielleicht verlangt. Im schlimmsten Fall kann das Gesundheitsamt per Gerichtsbeschluss anordnen, dass Sie in Quarantäne bleiben müssen. Wichtig ist jedoch, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, weiter Ihre Bezüge zu zahlen.
Kliniken haben die Zeit bis zu einem positiven (oder negativen) Testergebnis unterschiedlich geregelt. Sie müssen sich in der Quarantäne aufhalten bis entweder ein positives oder ein negatives Testergebnis vorliegt. Die Zeit, wie lange Sie unter Quarantäne stehen, wird meist auf 14 Tage festgesetzt wegen der Inkubationszeit des Covid.

(4.2) Was passiert, wenn ich mich als Angestellte/r mit dem Coronavirus infiziert habe?
Zuerst einmal wünschen wir Ihnen in diesem Fall einen milden Verlauf der Symptomatik. Sollte Ihr Testergebnis positiv ausfallen, werden Sie krankgeschrieben. Sie bekommen weiterhin Ihre Bezüge. Die Krankenkassen übernehmen dies bis zu 6 Wochen. Wie Sie Ihre Klinik informieren müssen, dafür gibt es Anweisungen in den Kliniken und auch vom Gesundheitsamt.

(4.3) Was passiert, wenn meine Station in der Klinik geschlossen wird?
Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Sie, solange kein Arbeitsverbot ausgesprochen wurde, weiterarbeiten können. Dies kann natürlich dann nicht auf einer für Patienten und Personal geschlossenen Station passieren. Allerdings können Sie vom Arbeitgeber auch in einer äquivalenten Stelle eingesetzt werden. Das Direktionsrecht bleibt jedoch von der derzeitigen Situation unberührt. Das heißt, der Arbeitgeber kann Sie unter Umständen sowohl gemäß Ihren fachlichen Kompetenzen als auch zu angemessenen fachfremden Tätigkeiten verpflichten. Hier raten wir Ihnen, dies „sportlich“ zu sehen und durch einige der oben genannten Tipps das Beste aus der Situation zu machen. Denn es handelt sich aller Voraussicht nach nur um eine Übergangslösung und Sie helfen durch Ihr Engagement mit, die Krise mit allen gemeinsam zu meistern.

(4.4) Was passiert, wenn meine ganze Klinik / Abteilung geschlossen wird?
In diesem Falle haben Sie Anspruch auf Lohnfortzahlung für mindestens sechs Wochen. Der Arbeitgeber ist in diesem Falle nicht ohne weiteres berechtigt, Sie zu zwingen, dafür Urlaub oder Überstundenausgleich zu nehmen. Im Gegenteil, er hat die Pflicht, sie zu beschäftigen. Kommt er diesem nicht nach, ist das nicht Ihre Verantwortung. Deshalb erst einmal Ruhe bewahren und anschließend mit dem Arbeitgeber Möglichkeiten ausloten, den Klinikbetrieb wieder aufzunehmen.

(4.5) Darf ich, wenn ich Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus habe, dem Arbeitsplatz fern bleiben?
Dies ist leider nicht der Fall. Eine bloße Angst vor Ansteckung ist kein Grund, die Arbeit nicht weiter auszuführen. Im Gegenteil sind wir in unserem Alltag vielen Erkrankungs-Möglichkeiten ausgesetzt, wie beispielsweise Hepatitis oder HIV, aber auch einfachem Schnupfen. Dies gilt als Berufs- bzw. Lebensrisiko und gilt daher nicht als Grund von der Arbeit fern bleiben zu dürfen. Wenn Sie in Einzelfällen mit Ihrem Arbeitgeber jedoch kommunizieren und wichtige Gründe vorlegen (z.B. Sie gehören zu einer Risikogruppe), dann können individuelle Lösungen gefunden werden wie etwa Home-Office. Diese beruhen allerdings auf der Kulanz Ihres Arbeitgebers und sind daher auch den gegenwärtigen wirtschaftlichen Gegebenheiten unterworfen.

(4.6) Muss ich Urlaub nehmen, wenn mein Arbeitgeber das will?
Der Arbeitgeber hat kein Anrecht darauf, Sie zum Urlaub-Nehmen zu verpflichten. Dennoch gibt es einige Rahmenbedingungen, die beachtet werden müssen. Sie sollten Ihren Urlaub in dem Kalenderjahr nehmen, für den der Urlaub vorgesehen war. Sie haben als ArbeitnehmerIn das Recht, diesen auch bis zum 31.03. des Folgejahres zu nehmen bzw. auch diesen Zeitraum bis zum 30.06. zu verlängern. Meist ist hierfür eine schriftliche Beantragung nötig. In einigen Kliniken wurde bereits auf diese Antragspflicht verzichtet. Erkundigen Sie sich einfach bei Ihrem Arbeitgeber oder dem Personal- bzw. Betriebsrat, welche Regelungen aktuell für Sie gelten. Darüber hinaus können mit dem Arbeitgeber unbezahlter Urlaub/Freistellung vereinbart werden.

(4.7) Was mache ich mit verunsicherten Patienten auf Station?
Patienten sind in besonderer Weise vor psychischen Folgen von Quarantäne, Ansteckungsgefahr und Ausgangsbeschränkungen zu schützen. Dies geschieht vor allem durch Ihre Professionalität und Ihre Empathie im Arbeitsalltag. Einerseits sind Sie derjenige/diejenige, die dafür ausgebildet wurde, um den Patienten in Krisensituationen beizustehen. Auch die gegenwärtige Situation ist eine Krisensituation. Ihr professionelles Know-How ist also hier von enormer Bedeutung. Außerdem können Sie vielleicht einige der genannten Tipps verwenden, die in diesem Artikel genannt werden. Gleichzeitig sollten Sie aber für sich selbst sorgen, und, falls die Krise Sie selbst zu sehr in Mitleidenschaft zieht, auch nicht davor zurückschrecken, diejenigen Patienten derzeit nicht behandeln zu können, die selbst stark unter der Krise leiden.

(4.8) Wie gehe ich mit gestrichenen oder verkürzten Besuchs- und Lockerungszeiten in meiner Klinik um?
Für untergebrachte oder eingesperrte Patienten ohne oder nur mit wenig Ausgangszeiten sind die derzeitigen Maßnahmen keine allzu neue Erfahrung. Wenn man im Strafvollzug oder im Maßregelvollzug längere Zeit als Patient verbracht hat, ist man mit den Gegebenheiten der Freiheitsbeschränkung vertraut. Auch wenn hier natürlich die Problematik auftreten sollte, vor allem im Maßregelvollzug, das bereits genehmigte Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssen, so können Sie doch hier mit der derzeitigen „allgemeinen Lage“ argumentieren. Nicht Sie, nicht Ihre Einrichtung sind daran „Schuld“, dass niemand mehr von den Patienten in den Ausgang gehen darf, sondern die generellen Ausgangsbeschränkungen in Deutschland. Eventuell können Sie Ihre Patienten sogar danach fragen, welche Maßnahmen diese ergreifen, um mit der derzeitigen Situation besser zu Recht zu kommen. Immerhin sind ja die Patienten hier die „Spezialisten“ und oft sehr kreativ im Umgang mit Ausgangsbeschränkungen.

(4.9) Wie gehe ich mit verängstigten KollegInnen (aus anderen Berufsgruppen) um?
Kollegialität ist der Ursprung des Teamerfolgs. Nur, wenn man sich gegenseitig aufeinander verlassen kann, kann man komplexe Team-Behandlungen im (geschlossenen) Kliniksetting durchführen. Sie tun etwas Gutes, wenn Sie für Ihre KollegInnen da sind. Sie tun aber auch etwas Gutes, wenn Sie sich selbst schützen, um am nächsten Tag wieder auf der Arbeit erscheinen zu können. Den goldenen Weg hier gibt es wohl nicht, weil jede/e andere Belastungsgrenzen hat. Wenn Sie Ihre Leistung / Zuwendung den KollegInnen anbieten können neben Ihrer eigentlichen Aufgabe auf der Arbeit, und dabei gesund bleiben, dann machen Sie es. Im besten Fall werden Ihnen es die KollegInnen danken. Sollten Sie aber nicht in der Lage sein, für „alle“ da zu sein (was höchstwahrscheinlich der Fall sein wird), dann scheuen Sie sich nicht, sich abzugrenzen. Denn Sie sind ein Teil der medizinischen Versorgung. Sie sichern die medizinische Versorgung. Und deshalb haben Sie sich (gesetzlich vorgeschrieben sogar) auch Ruhephasen verdient.

(4.10) Was für Rechte habe ich als angestellte Eltern, wenn die KiTa / Schulen geschlossen sind?
Als ArbeitnehmerIn können Sie auf Grund der Erkrankung Ihres Kindes bis zu 10 Arbeitstage zu Hause bleiben. Eine ärztliche Bescheinigung muss dem Arbeitgeber vorgelegt werden. Im Zuge der Corona-Krise sind einige Betriebe und Kliniken dazu übergegangen, 10 weitere Arbeitstage zu gewähren. Wenden Sie sich hierfür an Ihren Arbeitgeber.
Die Kinderbetreuung liegt grundsätzlich in der Verantwortung der Arbeitnehmer. Hiervon sind auch Kita- und Schulschließungen nicht ausgenommen. In diesem Falle müssen die Arbeitnehmer für anderweitige Betreuung sorgen. Bereits jetzt bieten viele Kliniken jedoch Modelle an, dass für die Kinderbetreuung gesorgt wird. In einigen Bundesländern gibt es eine sogenannte „Notfallbetreuung“, bei denen die Betreuung der Kinder übernommen wird, falls einer der beiden Eltern in der medizinischen Versorgung arbeitet. Hier geben Kitas, Schulen und der Arbeitgeber Auskunft. Schließlich bieten einige Arbeitgeber bereits an, dass Sie Ihr Kind mit in die Arbeit nehmen können. Allerdings bleibt das Haftungsrisiko bei Ihnen.

(4.11) Was ist Kurzarbeit und wie wirkt sie sich auf mich aus?
Kurzarbeit kann entstehen, wenn aus wirtschaftlichen Gründen die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit reduziert werden muss. Als Folge arbeiten Angestellte dann weniger oder gar nicht und beziehen dadurch geringeren Lohn. Um diesen Verlust auszugleichen, kann man bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragen. Während der Verlust zu 60% bzw. 67% für ArbeitnehmerInnen mit Kindern ausgeglichen wird, werden die Sozialversicherungsbeiträge zu 100% ausgeglichen.
Der Gesetzgeber hat mit Eintreten der Corona-Krise den Zugang zu Kurzarbeitergeld seit dem 01.03.2020 gelockert. Demnach kann Kurzarbeitergeld jetzt schon beantragt werden, wenn der Ausfall mindestens 10% der Beschäftigten betrifft.
Der Arbeitsvertrag muss allerdings die Klausel enthalten, dass der Arbeitgeber Kurzarbeit anordnen darf. Ist dies nicht der Fall, kann dies auch als Ergänzung im Nachhinein vereinbart werden. Stimmt der Arbeitnehmer dieser Nachvereinbarung nicht zu, kann ihm unter Einhaltung der vertraglichen Fristen gekündigt werden.

(4.12) Was passiert, wenn nicht genügend Schutzausrüstung in den Kliniken vorhanden ist (Masken, Schutzanzüge, Desinfektionsmittel), um sich vor Ansteckung zu schützen?
Der Arbeitgeber hat durch seine Fürsorgepflicht dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeiter vor Ansteckungsmöglichkeiten geschützt werden. Dazu muss der Arbeitgeber die Mitarbeiter entsprechend informieren. Er muss auch dafür sorgen, dass beispielsweise Hygieneanweisungen eingehalten werden. Sollte nicht genügend Schutzausrüstung vorhanden sein, können bestimmte Tätigkeiten vom Arbeitnehmern nicht mehr übernommen werden. In gravierenden Fällen kann dem Angestellten ein Recht auf Fernbleiben entstehen, wobei weiter vergütet werden muss.

(4.13.) Was gibt es für finanzielle Unterstützung für Angestellte und nebenberuflich Selbstständige?
Es gibt sowohl auf Länder- als auch auf Bundesebene verschiedene Unterstützungsangebote hinsichtlich finanzieller Not auf Grund der Covid-19 Pandemie. Eine sehr gute Übersicht bietet hier die Arbeit des Justiziars der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung, Dr. Markus Plantholz, unter https://t.co/BRciEE6MTJ?amp=1



Zusammengefasst


Bleiben Sie am Ball, behalten Sie die Kontrolle.
Leben, Lieben, Lachen Sie.
Hinsichtlich der psychischen Gesundheit: Machen Sie sich Tages- und Wochenpläne. Planen Sie bewusst Freizeiten ein. Achten Sie auf einen gesundheitsförderlichen Lebensstil. Orientieren Sie sich an wissenschaftlichen Fakten und suchen Sie soziale Kontakte, um sich auszutauschen oder gar anderen zu helfen. Beachten Sie positive Nachrichten in den Medien und versuchen Sie sich auch positive Gedanken zu machen, indem Sie sich bewusst machen, wofür Sie in Ihrem Leben dankbar sind. Falls alles nichts hilft, suchen Sie sich bitte professionelle Hilfe.

Hinsichtlich der Herausforderungen für angestellte PP/KJP: Informieren Sie sich, halten Sie Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber, bei Betriebs- und Personalräte. Nutzen Sie Gewerkschaften oder deren Mitglieder, um sich arbeitsrechtlich auf den neuesten Stand zu bringen. Derzeit verändert sich fast täglich etwas. Falls Sie rechtlich nicht weiterkommen, dann lassen sich eventuell in einem offenen Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber Probleme während der Krisenzeit lösen. Wenn Sie sich mit Corona infiziert haben, folgen Sie den Protokollen des Gesundheitsamtes und Ihres Arbeitgebers. Wenn Sie selbst zu sehr unter der Coronakrise leiden, dann suchen Sie sich selbst professionelle Hilfe. Seien Sie nur für Ihre KollegInnen (anderer Berufsgruppen) da, wenn Sie es selbst auch schaffen. Ansonsten verweisen Sie KollegInnen auf professionelle Hilfe, wie hier z.B. in diesem Artikel beschrieben.

 


 

Weitere Quellen


Tipps für die Psychohygiene und die Home Office
https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/gesundheitspolitik/aktuelle-meldungen/news-bund/news/psycho-hygiene-tipps-fuer-home-office-und-quarantaene/

Zum Umgang mit Quarantäne und besondere Maßnahmen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen
https://www.psychologische-hochschule.de/2020/03/jacobi_umgang-mit-quarantaene/

Reduzierung psychischer Belastungen
https://www.aerzteblatt.de/archiv/213283/COVID-19-Pandemie-Psychische-Belastungen-koennen-reduziert-werden

Ein Selbsthilfeprogramm mit Übungen und Anleitungen
https://t.co/7adlYvLFfF

Was ist Quarantäne und was können wir tun (Englisch)
https://www.jwatch.org/na51030/2020/03/12/psychological-effects-quarantine-qualitative-rapid-review

Weltgesundheitsorganisation (WHO) Publikationen zu seelischer Gesundheit (Englisch)
World Health Organization: Mental Health and Psychosocial Considerations during COVID-19 Outbreak. New York 12.03.2020.
Links für World Health Organization: Helping children cope with stress during the 2019-nCoV outbreak. New York 2020.

Infos für ArbeitnehmerInnen
https://www.verdi.de/themen/recht-datenschutz/++co++37f4d360-58b0-11ea-8408-525400b665de
https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/corona-virus-arbeitnehmer-bremen-100.html
https://www.arbeitsrechte.de/corona-krise-zugang-zu-kurzarbeitergeld-wird-vereinfacht/

Krisentelefonhotline bei häuslicher Gewalt
https://www.hilfetelefon.de/gewalt-gegen-frauen/haeusliche-gewalt.html

Professionelle psychotherapeutische Hilfe und Beratung
https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/nc/patienten/psychotherapeutensuche/
Arzt- bzw. Psychotherapeutensuche der Kassenärztlichen Vereinigung Ihres Bundeslandes, Beispiel Bayern: https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Patienten/KVB-Patienteninfoblatt-Terminsservicestellen-Psychotherapie.pdf

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