Pressemitteilung 12/2011

Umfrage der Stiftung Warentest - Die Angst vor Stigmatisierung psychisch Kranker ist noch immer stark verbreitet

Berlin, 28.10.2011. Die jetzt veröffentlichte Umfrage der Stiftung Warentest zeigt, dass „die Scheu und Scham vieler Betroffener vor der Stigmatisierung auch noch heute dazu führt, dass die Betroffenen ihre Beschwerden nicht nach außen kommunizieren und sich nicht rechtzeitig in Behandlung begeben“, erklärt der Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) Dipl.-Psych. Dieter Best. „Eine Folge dieses zu lang ertragenen Leides ist nicht selten die Chronifizierung der Erkrankung.“ Erschwerend käme hinzu, dass Patienten im Durchschnitt 2,5 Monate auf ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten warten müssen. Bis die Behandlung beginnen kann, vergehen mitunter mehrere Monate, so die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage der DPtV.

Die Entscheidung für eine Psychotherapie ist kein schneller Schritt: Knapp zwei Drittel von rund 4.000 Befragten in der Umfrage mit psychischen Krankheiten suchten professionelle Hilfe zur Überwindung ihrer Probleme, mehr als 80 Prozent wählten die ambulante Psychotherapie in einer Praxis oder einer Ambulanz. Zweidrittel der Befragten entschieden sich erst für eine Psychotherapie, nachdem ihre seelischen Probleme schon mindestens ein Jahr bestanden hatten. Jeder fünfte Umfrageteilnehmer wartete sogar länger als zehn Jahre, bis er sich auf die Suche nach einem Psychotherapieplatz machte.

„Wenn der Bedarf an mehr psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten offensichtlich seit Jahren zunimmt, muss dieser zusätzliche Bedarf auch finanziert werden. Leider lehnt die Regierung die Forderung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Berufsverbände der Psychotherapeuten, die Zunahme dieser Krankheiten mit zusätzlichen Mitteln, außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, zu finanzieren, ab, kritisierte Best.

Vor dem Hintergrund bestehender Behandlungsengpässe empfehlen die Tester bei langen Wartezeiten das Kostenerstattungsverfahren nach § 13.Abs 3 Sozialgesetzbuch V (SGB V) in Anspruch zu nehmen. Danach sind Krankenkassen verpflichtet medizinisch notwendige Leistungen auch bei nicht Kassenzugelassenen Psychotherapeuten zu finanzieren.

Die Befragung zeigte die hohe Wirksamkeit von Psychotherapie. Der Anteil an Patienten, die ihr seelisches Leiden als „sehr groß“ oder „groß“ erlebten, sank von 77 Prozent zu Beginn der Therapie auf 13 Prozent nach der Therapie. Lebensfreude, Selbstwertgefühl, der Umgang mit alltäglichem Stress und die Arbeitsfähigkeit stiegen durch die Therapie an. Knapp 80 Prozent der Patienten äußerten sich „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit ihrem Psychotherapeuten.

Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung begrüßt den offensiven Umgang der Stiftung Warentest mit dem nach wie vor stigmatisierten Thema Psychotherapie.

 

Hier finden Sie die Ergebnisse der Studie in test 11/2011.   

 

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