Pressemitteilung

Prävention in Lebenswelten - „Krank zur Arbeit“ kostet die Wirtschaft Milliarden Euro - psychotherapeutische Kompetenzen besser nutzen

Berlin, 26. Mai 2011. Prävention psychischer Störungen in den verschiedenen Lebenswelten, wie im Betrieb, der Familie oder Schule, kann wirksam durch die Mitarbeit von Psychotherapeuten erfolgen. „Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind gut dafür ausgebildet. Sie verfügen über die Kompetenzen, einen effektiven Beitrag zur Prävention zu leisten“, sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), Dipl.-Psych. Dieter Best, heute in Berlin beim DPtV-Symposium „Prävention in Lebenswelten – Was kann Psychotherapie leisten?“.

Die Erkrankungswahrscheinlichkeit für psychische Störungen liegt bei ca. 20 Prozent, berichtete
Dr. phil. Dipl.-Psych. Stefan Leidig bei dem Symposium. Die Zunahme des so genannten Burnout-Syndroms und anderen psychischen Stressreaktionen werde regelmäßig konstatiert. Immer, wenn die psychische Gesundheit beeinträchtigt sei, führten Arbeitsbelastungen zu  Leistungsmin-derungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit – unabhängig davon, ob die Belastungen im Beruflichen oder Privaten ihren Ursprung haben.

Rechtzeitiges Erkennen und Eingreifen bei anhaltenden psychischen Belastungen könne einen tatsächlichen Krankheitsfall verhindern, unterstrich Best. Psychologische Psychotherapeuten werden für diese Aufgabe schon während der Ausbildung qualifiziert.

Anders als körperlich Erkrankte, gehen psychisch beeinträchtigte Arbeitnehmer eher zur Arbeit. Dieser sog. Präsentismus führe zur Verschleierung der tatsächlichen Erkrankungsraten und führe im Betrieb zu Produktivitätsverlusten, sagte Leidig. Es bestehe eine Versorgungslücke zwischen der arbeitsmedizinischen Versorgung, betrieblicher Sozialarbeit und  Arbeitssicherheit, und einer psychotherapeutischen Interventionsmöglichkeit. Leidig unterstrich, dass in der Regel bis zu sieben Jahren vergehen, bevor psychischen Störungen erkannt und behandelt werden.

Die Versorgungslücke zwischen Betriebsmedizin, Betrieblicher Sozialarbeit und Arbeitssicherheit kann aus seiner Sicht durch psychotherapeutische Intervention effektiv geschlossen werden, wie sich das seit Jahrzehnten im angloamerikanischen Sprachraum bewährt habe, mit sog. Employee Assistance Program. Die Grundlage zur Förderung der Prävention durch die gesetzlichen Krankenkassen bildet der „Leitfaden zur betrieblichen Prävention des GKVSpitzenverbandes“. Es finden sich dort konkrete Anweisungen, welche Maßnahmen unter welchen Bedingungen gefördert werden und wer sie durchführen darf. Bei den Gruppen, die als qualifizierte Anbieter aufgeführt sind, werden die Psychotherapeuten allerdings gar nicht erwähnt. „Bei der betrieblichen Prävention können Psychotherapeuten ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einbringen und zwar bevor kostenträchtige kurative Behandlungen und Rehabilitationen notwendig werden“, betonte Best.

Best appellierte auch an die Unternehmen, sich frühzeitig für präventive Maßnahmen in ihren Betrieben einzusetzen, damit betroffene Mitarbeiter rechtzeitig identifiziert werden und Unterstützung erhalten können.

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