Psychotherapeuten haben bei vergleichbarer Arbeitszeit mit großem Abstand die geringsten Einkommen aller Arztgruppen

Pressemitteilung 10/12

Berlin, den 8. Juli 2012. Der gerade veröffentlichte Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV) nach der Vorgabe des § 87c des SGB V zeigt, dass Psychotherapeuten, einschließlich der ärztlichen Psychotherapeuten, mit großem Abstand am untersten Ende der Einkommensskala aller Arztgruppen liegen.
Der erste Bericht der KBV dieser Art analysiert die Umsätze der Arztgruppen in den Kassenärztlichen Vereinigungen für das 1. Halbjahr 2011 und  berechnet aufgrund der vom Zentralinstitut der KBV für das Jahr 2008 erhobenen Kostensätze die Praxisgewinne.
Danach erwirtschaftete ein niedergelassener Arzt der somatischen Medizin in den ersten 6 Monaten 2011 einen  Überschuss von 49.345 Euro, ein Psychotherapeut nur knapp mehr als die Hälfte, nämlich 25.654 Euro. Von diesem Betrag  müssen noch die Kosten für Altersvorsorge und Krankenversicherung abgezogen werden. Während die Überschüsse der  Ärzte vom 1. Halbjahr 2010 zum 1. Halbjahr 2011 um 3 Prozent gestiegen  sind, sind sie bei den Psychotherapeuten um 0,4 Prozent gefallen.
Der im Verhältnis zu den anderen Arztgruppen geringen Einkommen der Psychotherapeuten können nicht durch Privatbehandlungen kompensiert werden, denn der Anteil der privat abgerechneten Leistungen liegt nach der Erhebung des Zentralinstituts der KBV nur bei der Hälfte des Anteils der anderen Arztgruppen.


Der Grund für den enormen Einkommensunterschied zwischen Psychotherapeuten und somatisch tätigen Ärzten liege vermutlich in unterdurchschnittlichen Arbeitszeiten der Psychotherapeuten, so die KBV. Diese Vermutung steht in Widerspruch zum Bericht des Zentralinstituts der KBV vom März diesen Jahres. Danach liegen die Arbeitszeiten der Psychotherapeuten mit 47 Wochenstunden nur 10 Prozent unter denen aller anderen Arztgruppen (52 Stunden). Dieser relativ kleine Unterschied erklärt bei Weitem nicht, dass somatisch tätige Ärzte nach Abzug der Kosten bei der Behandlung von gesetzlich Versicherten fast 50 Prozent mehr verdienen. Für die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung ist dies vielmehr ein Ausdruck dafür, dass die Psychotherapie sowie die gesamte sprechende Medizin gegenüber der somatischen Medizin stark benachteiligt ist.
Um eine wirtschaftliche Praxisführung überhaupt ermöglichen zu können, beschäftigen sich seit mehr als 12 Jahren die Sozialgerichte mit den Psychotherapiehonoraren. Im Ergebnis hat das Bundessozialgericht in mehreren Urteilen ein Mindesthonorar zum Schutz der Psychotherapie festgelegt. Mit diesem Mindesthonorar muss ein Psychotherapeut bei maximalem Arbeitseinsatz mindestens ein durchschnittliches Einkommen vergleichbarer Facharztgruppen erzielen können. Die neuesten Zahlen zeigen klar, dass das nicht im Entferntesten erreicht werden kann, es sei denn, die Psychotherapeuten würden ihre Arbeitszeiten verdoppeln. 
Für die Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung ist dieser Zustand untragbar. Die Entwicklung der Honorare für Psychotherapeuten stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind  offensichtlich nicht in der Lage, bei ihrer Honorarverteilung für eine  angemessene Vergütung dieser Fachgruppe zu sorgen.

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