Viele Fehltage durch psychische Erkrankungen – Psychotherapeuten fordern klare Maßnahmen

Pressemitteilung 06/2019 - Verdoppelung der Krankentage von 2007 bis 2017

Berlin, 01.04. 2019. „Die aktuellen Zahlen von Arbeitsausfällen aufgrund von psychischen Erkrankungen unterstreichen die Dringlichkeit von gezielten Maßnahmen zur Verbesserung der Situation psychisch kranker Menschen“, kommentiert Dipl.-Psych. Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) die Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (Bundestags-Drucksache 19/8159) „Dazu gehört die Sicherstellung einer ausreichenden Zahl an Therapieplätzen ebenso wie die Einbeziehung der psychischen Gesundheit in die betriebliche Gesundheitsförderung und Maßnahmen der Prävention.“

Auf die Anfrage der Fraktion Die Linke wurden folgende Zahlen genannt: Zwischen 2007 und 2017 hat sich die Anzahl der Krankentage auf Grund von psychischen und Verhaltensstörungen um 123 Prozent erhöht, die dadurch entstandenen Kosten des Ausfalls an Produktion und Bruttowertschöpfung stiegen im gleichen Zeitraum um 173 Prozent.

Die Bundesregierung benennt als Grund psychischer Arbeitsbelastungen multifunktionelles Geschehen aus vermutlich starkem Termin- und Leistungsdruck, der Gleichzeitigkeit verschiedener Arbeitsaufträge und die Forderung nach schneller Arbeitsleistung. „Die Bedeutung gesunder Arbeitsbedingungen auch für die psychische Gesundheit der Beschäftigten steht immer noch zu wenig im Fokus“, sagt Barbara Lubisch. Psychische Erkrankungen nähmen bei hohen psychischen Arbeitsanforderungen zu und verursachten nicht nur großes persönliches Leid, sondern auch erhebliche Folgekosten. Betriebliche Maßnahmen, Beratungsangebote sowie präventive und therapeutisch rehabilitative Maßnahmen müssten in enger Kooperation aller beteiligten Akteure erfolgen. Barbara Lubisch fordert, die Schnittstelle und Kooperation zwischen Psychotherapeuten und Betriebsärzten deutlich zu stärken.

Die DPtV hat dieses Thema mit dem Curriculum „Klinische Organisationspsychologie und Betriebliche Psychotherapie“ aufgegriffen und fördert gezielt die Kompetenz niedergelassener Psychotherapeuten, damit diese im betrieblichen und institutionellen Kontext Beratungsleistungen anbieten können.

Die aktuellen Daten zeigen vor allem die dringende Notwendigkeit einer Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgungssituation, betont Lubisch. „Der Erkenntnis, dass psychische Erkrankungen an vielen Krankentagen und Produktionsausfällen wesentlich beteiligt sind müssen adäquate Maßnahmen folgen. Alle Patienten, die eine psychotherapeutische Behandlung benötigen, müssen diese auch bekommen können“, fordert Barbara Lubisch. Angesichts der hohen Folgekosten psychischer Erkrankungen besteht ein offensichtliches Missverhältnis. Für den Ausbau psychotherapeutischer Behandlungs-kapazität müssen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden“, betont die Vorsitzende der DPtV.

 

Pressemitteilung (PDF)

 

Medienanfragen beantwortet
Ursula-Anne Ochel, Tel.: 033636 – 27 90 78 | Mob: 0171 – 322 43 46 
E-Mail: DPtV-Presse@t-online.de