Honorarentwicklung

Die Vertragspartner Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband Bund der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) haben sich auf die Korrektur der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen ab 2019 geeinigt. Damit liegen 18 Monate nach Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes (BSG) die Berechnungsgrundlagen für eine Neubescheidung der Honorare der niedergelassenen Psychotherapeut*innen durch die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen vor. Die Beschlüsse umfassen rückwirkend den Zeitraum 1. Januar 2009 bis 31. Dezember 2018 sowie die Vergütung ab dem 1. Januar 2019.

Während die Aufwertung im Zeitraum 1. Januar 2009 bis 30. Juni 2018 maximal 1 % beträgt, führt die Neubewertung ab dem 1. Juli 2018 zu einer erfreulichen und spürbaren Anhebung der Bewertung um circa 10 %. In der zweiten Jahreshälfte 2019 sollten die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen in der Lage sein, die aktuellen Honorarbescheide auf Grundlage der neuen Punkzahlen auszustellen und die Nachvergütung zu ermitteln und auszuzahlen. Ausgezahlt wird in der Regel an die Kolleginnen und Kollegen, die einen Widerspruch gegen die relevanten Honorarbescheide eingelegt haben. Das dürfte regional unterschiedlich 50 bis 70 % betreffen.

Neu bewertet werden die antrags- und genehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen der Einzel- und Gruppenpsychotherapie, die psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung sowie der Strukturzuschlag für diese Leistungen. Darüber hinaus ist es gelungen, die neuropsychologische Therapie auf das Niveau der Gesprächsleistungen des Kapitel 35 anzuheben und voll umfänglich in den Strukturzuschlag einzubeziehen.

Erfolg der Psychotherapeut*innen

Die Aufwertung der Gesprächsleistungen im Kapitel 35 des EBM ist das Ergebnis einer erfolgreichen Klagestrategie, der politischen Arbeit der Verbände, sowie der Kolleginnen und Kollegen in den Gremien der gemeinsamen Selbstverwaltung. Auch die KBV hat die berechtigten Forderungen der Psychotherapeut*innen zunächst unterstützt. Am Ende eines langen Verhandlungsweges resümieren wir, dass die Vertragspartner KBV und GKV-SV im Bewertungsausschuss auch dieses Mal nicht in der Lage waren, unabhängige Kriterien für die Vergütung der Gesprächsleistungen im Kapitel 35 zu entwickeln und rechtskonform zu einen. Die Eckpunkte für die berechtigten Forderungen der Psychotherapeut*innen an eine angemessene Vergütung werden nach wie vor durch die höchstrichterliche Rechtsprechung des BSG vorgegeben und am Ende unterlaufen.

Bei den aktuellen Entscheidungen hat insbesondere der GKV-SV, der die Hauptlast der Nachvergütung ab 2013 und circa 230 Millionen Euro jährlich für die Neubewertung der psychotherapeutischen Leitungen ab dem 1. Januar 2019 zu tragen hat, ein Interesse die Vorgaben des BSG an eine angemessene Vergütung mit neuen Winkelzügen in Frage zu stellen und zu unseren Lasten auszulegen. Auch kalkuliert der GKV-SV mit einer Widerspruchsquote von 50 bis 70 %, sodass die Kosten für eine Nachvergütungen immer geringer ausfallen wie eine von Beginn an angemessene Vergütung der psychotherapeutischen Leistungen.

Unterstützung erwarten wir am Ende auch durch eine Befassung des Bundesverfassungsgerichtes mit diesen Fragen. Die Verfassungsbeschwerde treiben wir mit hohem Einsatz und Engagement voran. In unseren Bundesmitgliederbriefen (BMB) können Sie kontinuierlich den Stand der Verhandlungen, Klageverfahren und die Positionen der DPtV verfolgen.