DPtV-LunchTalk ONLINE

4. November 2021

Fakt und Fake: Meinungsbildung in der digitalen Welt


Mit unserer Veranstaltungsreihe PSYCHE UND GESELLSCHAFT wollen wir erneut Themen der psychischen Gesundheit in ihrem Zusammenhang mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen reflektieren und diskutieren.

Unser demokratischer Diskurs wird zunehmend durch soziale Medien beeinflusst. Insbesondere in Krisen wird deutlich, wie schnell sich falsche Informationen verbreiten und verfestigen können. So spricht beispielsweise die WHO im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie von einer „Infodemie“, von einer Flut von Falschbehauptungen. Desinformation stellt eine Bedrohung für unsere Demokratie dar und kann zur Spaltung unserer Gesellschaft beitragen.

Mit unserer Veranstaltung wollen wir betrachten, welchen Einfluss soziale Medien auf Meinungsbildungsprozesse haben, wie Verschwörungsmythen und Radikalisierungstendenzen entstehen, welche Phänomene hier wirken und wie sich das psychologisch erklären lässt. Auch der Frage, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wollen wir nachgehen.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 4. November 2021 von 12:00 bis 14:00 Uhr online über Zoom statt.

Programm

11:50 Uhr Einwählzeit

12:00 Uhr Begrüßung und Einführung in das Thema
Dipl.-Psych. Gebhard Hentschel, Bundesvorstand der DPtV

12:10 Uhr Impulsvortrag: Sozialpsychologische Aspekte der Meinungsbildung in sozialen Medien
Prof. Dr. Nicole Krämer, Leitung des Fachgebiets Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation an der Universität Duisburg-Essen

Um verstehen zu können, warum Menschen Falschinformationen aus Sozialen Medien glauben, diese weiterleiten und wider besseren Wissens im Gedächtnis behalten, können einige bekannte (sozial-)psychologische Mechanismen herangezogen werden. So spielt der Confirmation Bias und der Negativity Bias eine Rolle ebenso wie informativer sozialer Einfluss. Aber es lassen sich auch schützende Faktoren identifizieren wie eine hohe need for cognition und das Wissen über die Wichtigkeit der Quelle der Nachricht. Darauf aufbauend wird diskutiert, wie sich die Verbreitung von Falschinformationen eindämmen lässt.

12:30 Uhr Impulsvortrag: Desinformation – Zwischen Meinungsfreiheit und Manipulation
Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, Europabeauftragter der Direktorenkonferenz der Medienanstalten (DLM) und Vorsitzender der European Regulators Group for Audiovisual Media Services (ERGA)

Desinformation hat viele Erscheinungsformen und dies erschwert eine exakte und für alle Disziplinen gültige Definition. Für die Perspektive der Medienaufsicht darf es bei dieser Frage allerdings nicht auf die Bewertung von Inhalten nach subjektiven Kategorien wie „wahr/unwahr“ oder „richtig/falsch“ ankommen. Für sie steht die Meinungsfreiheit im Zentrum aller Überlegungen. Dies bedeutet auch, dass der demokratische Diskurs in unserer Gesellschaft viel aushalten muss. Die Abwägung zwischen der Meinungsfreiheit des Einzelnen und dem potentiellen Schaden von Desinformation gleicht damit ein Operation an der Herzkammer freier Medien.

Wird die Meinungsbildung bereits heute durch falsche Fakten beeinflusst? Welche Auswirkungen hat der Einsatz von manipulativen Verbreitungstechniken auf Online-Plattformen auf demokratische Prozesse? Wie kann die Verbreitung von Desinformation eingedämmt werden? Mit der Überprüfung der Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten in bestimmten Online-Medien hat der Gesetzgeber den Medienanstalten ein erstes Instrument zum Vorgehen gegen Desinformation an die Hand gegeben. Ein abgestufter Regulierungsansatz, der vor allem Transparenz zum Ziel hat, scheint ergänzend dazu notwendig. Ebenso wichtig ist es aber auch, Nutzerinnen und Nutzer durch gezielte Medienkompetenzmaßnahmen für den Umgang mit Desinformation im Internet zu rüsten.

Eines steht bereits jetzt fest: Beim Kampf gegen Desinformation ist es nicht ausreichend, nur national zu denken. Die Europäische Union nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein und sie hat die einmalige Chance, diesem Kampf eine europäische Note zu geben. Das Thema Desinformation kann dabei nicht durch eine gezielte Maßnahme angegangen werden kann – vielmehr bedarf es dazu einen Strauß an verschiedenen Ansätzen.

12:50 Uhr Talkrunde mit unseren Vortragsgästen
Gastgeber/Moderator: Dipl.-Psych. Gebhard Hentschel, Bundesvorsitzender der DPtV

14:00 Uhr Veranstaltungsende

Unsere Podiumsgäste


Prof. Dr. Nicole Krämer ist Professorin für Sozialpsychologie, Medien und Kommunikation an der Universität Duisburg-Essen. Sie schloss 2001 ihre Dissertation an der Universität zu Köln ab und habilitierte 2006 an der Universität zu Köln zur sozialen Wirkung virtueller Assistenten. Sie absolvierte längere  Forschungsaufenthalte an der Cambridge University (2003) und verschiedenen US-Universitäten (2015). In ihrer Forschung  fokussiert sie sowohl sozial- und medienpsychologische Aspekte der Mensch-Technik-Interaktion als auch der computervermittelten Interaktion. Sie leitet mehrere Forschungsprojekte zur Meinungsbildung in sozialen Medien, den gesellschaftlichen Auswirkungen Künstlicher Intelligenz sowie zu psychologischen Aspekten von Privatheit.


Dr. Tobias Schmid ist Direktor der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen und Europabeauftragter der Direktorenkonferenz der deutschen Landesmedienanstalten (DLM). Zudem ist er seit dem 1. Januar 2020 Vorsitzender der European Regulators Group for Audiovisual Media Services (ERGA) und seit dem 1. April 2021 Mitglied im Fachausschuss für Kommunikation und Information der Deutschen UNESCO-Kommission. Tobias Schmid war von 2005 bis 2016 als Bereichsleiter Medienpolitik bei der Mediengruppe RTL Deutschland und von 2010 bis 2016 als Executive Vice President Governmental Affairs bei der RTL Group tätig. Daneben engagierte sich der promovierte Jurist auch im Verband Privater Rundfunk und Telemedien (jetzt: Verband privater Medien – VAUNET), von 2012 bis 2016 als Vorstandsvorsitzender.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und auf einen spannenden LunchTalk 2021.

Anmeldung

Für die Teilnahme an dieser kostenfreien Veranstaltung können Sie sich bis zum 03. November 2021 hier registrieren. Alle mit * gekennzeichneten Felder in der Anmeldemaske sind auszufüllen.

Direkt im Anschluss an Ihre Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigungsmail mit Ihrem Zugangslink für die Einwahl am Veranstaltungstag. Eine Woche, einen Tag sowie eine Stunde vor der Veranstaltung erhalten Sie erneut eine Erinnerungsmail mit dem Zugangslink.

Bitte beachten Sie, dass Sie für die Teilnahme an der Veranstaltung keine Fortbildungspunkte erhalten.

Ablauf

Die Einwahl kann über Ihren PC/Laptop im Webbrowser (z. B. Firefox, Chrome, Edge, Safari etc.) oder über Ihr Smartphone/Tablet in der App (Zoom) erfolgen. Der LunchTalk beginnt um 12:00 Uhr. Wir empfehlen eine rechtzeitige Einwahl, um ggfs. auftretende technische Probleme beheben zu können.

Sie können den Vorträgen unserer Podiumsdiskussion live folgen. Über das Symbol F&A, das Ihnen während der laufenden Veranstaltung angezeigt wird, können Sie sich schriftlich mit Ihren Fragen in die Diskussion einbringen. Bitte formulieren Sie diese möglichst kurz und prägnant.

Unser Moderator wird Ihre Fragen sammeln und an unsere Podiumsgäste richten. In Abhängigkeit von der Anzahl der eingehenden Fragen, können wir unter Umständen nicht alle Fragen beantworten. Wir bitten hierfür um Ihr Verständnis.

Alle organisatorischen Fragen (z. B. zur Anmeldung, technischen Problemen etc.) richten Sie bitte ausschließlich an webmeeting@dptv.de.